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Kristina E. gestern tot in der Weser gefunden / Polizei: Kein Hinweis auf Gewalteinwirkung

Gerichtsmediziner muss Todesursache klären

Exten/Rumbeck (wm). Den Leichnam der seit dem 16. Januar vermissten Kristina E. haben gestern Ermittlungsleiter Kriminalhauptkommissar Peter Balsmeyer und Polizeioberkommissar Stefan Wächter um 15.25 Uhr bei einer Nachsuche am Weserufer bei Rumbeck entdeckt. Und zwar etwa fünf Meter von der Stelle entfernt, an der ein Polizeihund am Freitag bei der großangelegten Suchaktion das Handy der Vermissten aufgestöbert hatte.

veröffentlicht am 06.02.2007 um 00:00 Uhr

Polizeibeamte markieren den Fundort des Handys und der Toten. Fo

Zu diesem Zeitpunkt muss die Tote noch vollständig unter Wasser gelegen haben. Gestern, bei einem Wasserstand von 2,54 Metern, waren ihre Jacke und Stiefel zu sehen. Die Tote lag auf dem Bauch im Wasser, abseits der Strömung. Das ebenfalls vermisste Dienstbuch, eine rote Kladde, lag neben ihr. Die Feuerwehr aus Hessisch Oldendorf hat den Leichnam aus dem Wasser geborgen. Aus Hameln rückten ein Tatortteam und Spurenermittler an. Die 22-Jährige war komplett bekleidet und nach dem ersten Anschein, so Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, gebe es keine Anzeichen, die auf eine Gewalteinwirkung, ein Verbrechen, schließen lassen. Die genaue Todesursache soll bei einer Obduktion festgestellt werden, die für heute angesetzt ist. Um zu der Stelle zu gelangen, wo sie aufgefunden worden ist, musste die 22-Jährige von dem Parkplatz, wo sie ihren Mazda abgestellt hatte, rund einen Kilometer gehen, um das Hafenbecken des Yachthafen herum, dann gut 200 Meter am Weserufer entlang stromaufwärts in Richtung Hameln. An dieser Stelle hatte das erste Taucherteam am 19. Januar nicht gesucht. Warum dann an derFundstelle des Handys am Freitag kein Taucherteam in die Weser gegangen ist, war gestern nicht zu klären. Der 27-jährige Lebensgefährte der Erzieherin erfuhr vom Auffinden seiner Freundin gestern während eines Gespräches im Büro des Jugendhofs Hirschkuppe. Seit dem Verschwinden von Kristina E. hat es eine Kontroverse zwischen der Polizei und dem Lebensgefährten, dessen Vater und Freundeskreis gegeben, die allesamt - anders als die Polizei - überzeugt waren, Kristina E. habe nicht den Freitod gewählt, sondern sei Opfer eines Verbrechens geworden. Auch Jürgen Kruska, ehemaliger Heimleiter des Jugendheims Hirschkuppe, in dem Kristina E. beschäftigt war, kann sich nach wie vor nicht vorstellen, dass Probleme im Beruf Auslöser für einen Suizid gewesen sein könnten. Sicher habe es Ärger in der Wohngruppe gegeben, aber keinen, der das "normale Maß" überstiegen hätte: "Wenn sie Jugendlichen Grenzen setzen, klatschen die nicht Applaus." Solche "Reibereien" wie es sie in Exten gegeben habe, gehörten zum Erziehungsalltag. Das Gespräch mit dem Psychologen Henning Vonjar habe es gegeben, aber das sei ein Gespräch gewesen, wie es regelmäßig stattfinde, so Kruska. Kein Krisengespräch, sondern Routine, ein Gespräch in dem sich Heimleitung, Erzieherin und Psychologen über die Entwicklung der Jugendlichen austauschten. Dass Kristina E. in der Wohngruppe mit den vier Jugendlichen Anlaufschwierigkeiten gehabt habe, sei unbestritten, aber das sei bei einer Berufsanfängerin nicht anders zu erwarten gewesen. Doch selbst an diesem Maßstab gemessen "war sie gut. Wir wollten sie und ihren Lebensgefährten nach der Probezeit übernehmen", sagte Kruska. Die Polizei hatte am Freitag bei der Suchaktion andere Informationen: Kristina E. habe gegenüber ihrer Schwester geäußert, sie habe erhebliche Probleme, sie werde mit den schwer erziehbaren Jugendlichen nicht fertig. Einen Tag vor ihrem Verschwinden soll es einen Eklat gegeben haben. Und sie habe sich woanders bewerben wollen. Kristinas Schwester hatte der Polizei einen Hinweis auf einen "Stalker" gegeben, eine Flirtbekanntschaft, die Kristina E. bei einer Zugfahrt gemacht haben soll. Dem Mann, angeblich Zahnarzt, soll sie erzählt haben, wo sie arbeitet. Jürgen Kruska bestätigte gestern, der Mann habe in der Hirschkuppe angerufen und sich nach Kristina E. erkundigt. Dort habe man aber ihre private Telefonnummer nicht herausgegeben, jedoch die Nummer des Mannes notiert. Den Zettel mit dieser Telefonnummer habe Kristina E. seines Wissens sofort weggeworfen. Peter Balsmeyer kennt den Vorfall: Auch das habe die Polizeiüberprüft, es habe sich aber kein Hinweis ergeben, dass es zu einer weiteren Kontaktaufnahme zwischen Kristina E. und dem Unbekannten gekommen sei. Ein Zeuge will gesehen haben, wie sich Kristina E. auf dem Parkplatz mit einem Mann gestritten hat. Balsmeyer sagte, dieser Zeuge habe sich erst zwei Wochen nach dem Verschwinden der Erzieherin gemeldet und ausgesagt, er habe den Streit "im Vorbeifahren gesehen", wollte sich aber in allen Einzelheiten an das Fahrzeug und das Aussehen der Personen erinnern. Balsmeyer: "Trotzdem sind wir auch dieser Spur nachgegangen." Die Frage, ob die Erzieherin den Freitod gewählt hat, oder Opfer eines Verbrechens geworden ist, wird heute zweifelsfrei ein Gerichtsmediziner klären.

An diesem Parkplatz hatte Kristina E. ihren Mazda abgestellt.
  • An diesem Parkplatz hatte Kristina E. ihren Mazda abgestellt.

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