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Mit hohen Auflagen: Rekultivierung plus Aufforstung von 20 Hektar außerhalb des Kieslandes

Genehmigt: Kieswerk darf Wald wegbaggern

Möllenbeck (wm). EineÜberraschung ist es nicht: Der Landkreis Schaumburg hat jetzt dem Kieswerk Reese die Genehmigung für eine weitere Auskiesung im Möllenbecker Wald erteilt - auf einer 30-Hektar großen Fläche. Im März 2005 hatte sich der Rintelner Rat dagegen ausgesprochen. Rintelns Erster Stadtrat Jörg Schröder, gleichzeitig Jurist im Rathaus, gab Verwaltungsausschuss wie Rat jetzt trotzdem die Empfehlung: Es mache wenig Sinn, gegen diesen Bescheid juristisch vorzugehen. Die Erfolgsaussichten seien gering, er empfehle aus Kostengründen darauf zu verzichten.

veröffentlicht am 19.09.2008 um 00:00 Uhr

Warum die Stadt Rinteln kaum Chancen hätte, eine weitere Auskiesung zu verhindern, obwohl die Stadt das dafür nötige "Einvernehmen" als Träger der Planung versagt hat, liege an der hierarchischen Struktur des Verfahrens, so Schröder. Der Bescheid des Landkreises ersetze praktisch das Einvernehmen der Stadt Rinteln. Das Land Niedersachsen ist nicht nur Eigentümer der Fläche, damit die Forst, sondern hat über das Landesraumordnungsprogramm auch die Vorgabe gemacht: Dieses Teilstück des Möllenbecker Waldes ist als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Immerhin bleibt die jetzt zur Auskiesung anstehende Fläche kleiner, als ursprünglich geplant: Zurückgefahren von 110 auf 30 Hektar. Zweites Zugeständnis des Landes wie der Forst: Die verbleibenden Teile des Möllenbecker Waldes sollen unter Naturschutz gestellt werden - bisher reine Willensbekundung. Ein entsprechendes Verfahren ist noch nicht angelaufen. Aber Gespräche habe es bereits gegeben, erklärte Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises auf Anfrage. Reese werde außerdem nicht nur die Kiesgrube wieder rekultivieren und damit praktisch "Natur aus zweiter Hand" schaffen, sondern sei zu weiteren Maßnahmen verpflichtet worden. So die Aufforstung von 20 Hektar außerhalb des Kieslandes wie der Sicherung von Altholzbeständen, die dann aus der Waldnutzung genommen würden. In der regionalen Planung des Landkreises ist die Vorgabe des Landes, nämlich Rohstoffgewinnung, im Jahr 2000 praktisch übernommen worden. Damals, so Schröder, habe es dagegen auch keinen Widerspruch der Stadt Rinteln gegeben - es wäre die letzte Chance gewesen, auf das Verfahren Einfluss zu nehmen. Erst im Jahr 2005änderte sich auch vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um weitere Steinbrüche im Weserbergland die Stimmung: Gegen Auskiesung für Naturschutz. Trotzdem war die Entscheidung im Rintelner Rat gegen eine Auskiesung im Möllenbecker Wald in einer Sitzung im März 2005 mit einer Stimme Mehrheitdenkbar knapp - auch mit Blick auf das Dachsteinunternehmen Braas, dessen Management deutlich gemacht hatte, ohne nahes Kieswerk keine Bestandsgarantie. Es war eine Garantie mit beschränktem Haltbarkeitsdatum: Das Dachsteinwerk im Industriegebiet Süd ist im Februar dieses Jahres geschlossen worden. Im Juli 2007 hatte der Kreistag mit Mehrheit die Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes "Lipper Bergland" beschlossen und damit den Weg für den weiteren Kiesabbau praktisch freigemacht. Dann gibt es noch einen Nebenkriegsschauplatz: 800 Meter der Kreisstraße zwischen Möllenbeck und Krankenhagen sollen weggebaggert werden. Die Ortsräte von Silixen wie Krankenhagen möchten eine Verbindung zwischen beiden Orten erhalten wissen. Weil die Auskiesung nicht mehr zu verhindern ist, hofft Ortsbürgermeister Gerhard Werner aus Krankenhagen jetzt auf einenKompromiss: Eine vorhandene Forststraße könnte das später fehlende Stück ersetzen. Bisher allerdings, so Werner, habe er bei der Forst für seine Idee noch wenig Gegenliebe erfahren. Werner: "Die Forst will den Verkehr aus dem Wald heraushalten". Kieswerkchef Wilhelm Reese richtet den Blick nach vorn: Er habe sich um die Ansiedlung eines neuen Dachstein-Unternehmens bemüht, Es gebe Gespräche "mit zwei Partnern", mit einer Entscheidung sei in wenigen Wochen zu rechnen, erklärte er auf Anfrage. Ein Gelände dafür habe er: 34 000 Quadratmeter im Industriegebiet Süd. Wann mit der Auskiesung der jetzt vom Landkreis genehmigten Fläche begonnen wird, vermochte Reese nicht zu sagen. Hier handele es sich ja nicht um einen "neuen Aufschluss", sondern die vorhandene Abbauwand wachse einfach weiter. In welchem Tempo, das hänge von der Konjunktur ab. Resse verriet immerhin: Für die zweite Auskiesungsfläche an der Ellerburg gebe es derzeit weder einen Antrag noch irgendwelche Pläne.

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