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Der Bürgergarten als gestaltetes Ganzes

Gemeinschaftsleistung macht den Bürgergarten zu etwas Besonderem

Was bedeutet dieser Eingriff für den Bürgergarten? Bei einer Gesamtgröße von zwei Hektar erscheinen 550 Quadratmeter wenig. Tatsächlich stellen sie aber einen tiefen Eingriff dar.

veröffentlicht am 12.08.2019 um 20:28 Uhr

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Zu: „Geradeaus ohne Schlenker“, vom 24. Juli

Der Bürgergarten konnte in großen Teilen sein gestalterisches Grundkonzept aus den frühen 1960er Jahren bewahren. Das ursprüngliche Konzept sieht aktive und passive Bereiche vor. Aktive mit Spiel- und Sportmöglichkeiten und passive Bereiche an den Rändern mit der Funktion der Ruhe, Besinnung und Erholung. Hier im Ruhebereich ist nun die neue Wegeführung vorgesehen, die den Radfahrern aus der Nordstadt eine direkte Trasse in die Innenstadt schaffen soll. Zu diesem Zweck wird der Zaun bis in den Teichbereich verlegt werden, bis in die Staudenflächen, die erst vor einigen Jahren mit hohem Aufwand neugestaltet wurden. Zahlreiche mächtige Bäume und viele Büsche werden fallen. Der sorgsam gestaltete, fließende Übergang von Teich zu Stauden, zu Sträuchern und schließlich zu den hohen alten Kastanien wird durch Verkehrsraum ersetzt. Gerade dieser wenig begangene, der ruhigen Erholung dienende Teil des Bürgergartens hat seinen besonderen Reiz.

Innerstädtische Parkflächen besitzen eine hohe Bedeutung für die Naherholung, bilden – wenn auch auf kleiner Fläche – wertvolle Biotope, sind Frischluftschneisen und Sauerstoffproduzenten, haben wichtige soziale Funktionen. Sie sind als Ganzes gestaltet und durchdacht. Die geplante Veränderung schneidet einen Teil der sensiblen Übergangszone zwischen dem Bereich der ruhigen Erholung und der städtischen Bebauung ab, beeinträchtigt die aufeinander abgestimmten Funktionszonen und die fein austarierten Raum- und Wirkbezüge. Da hilft auch kein Neugestalten an „anderer Stelle“. Der Schaden entsteht hier. Er kann nicht woanders ausgeglichen werden. Werfen wir einen Blick in die Entstehungszeit des Parks: Wohnraum war Anfang der 1960er Jahre knapp. Das Bedürfnis nach Weite, Licht, frischer Luft, Grün und heiter blühenden Blumen war immens. Der Wunsch nach einer innerstädtischen Grünanlage war so groß, dass die Hamelner Geld zum Kauf von Blumenzwiebeln und Bänken spendeten und die Gärtner der Kreisgruppe Hameln-Pyrmont begeistert mit Hand anlegten. Der damalige Leiter der Herrenhäuser Gärten, Professor Karl Meyer, unterstützte die städtischen Gärtner mit Rat und Tat.

Der Bürgergarten ist also nicht „irgendwie“ gebaut, sondern wurde in einer großen Gemeinschaftsleistung von Bürgerschaft und Fachleuten mit hohem gestalterischem Anspruch angelegt. Diese Gemeinschaftsleistung unter den schwierigen Bedingungen der Nachkriegszeit macht den Bürgergarten zu etwas Besonderem. Er ist ein wichtiges Zeitdokument. Der Bürgergarten ist gewiss nicht jedermanns Geschmack. Er atmet die 1960er Jahre. Aber er hätte als solcher aus gartenkünstlerischen und städtebaulichen Gründen die Qualität eines Gartendenkmals.



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