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Kostendruck schafft Handlungsbedarf / Vision: Zentraler Neubau / Marktabfrage für Kreiskrankenhäuser

Gemeinsamer Träger für Bethel und Klinikum?

Landkreis. Mit der Wahl dieses Themas brechen die drei Krankenhäuser in Schaumburg ein lang gehegtes Tabu: Im Koordinationsausschuss zwischen dem Landkreis und der Stiftung Bethel wird offen über eine gemeinsame Trägerschaft der Häuser nachgedacht. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die Verwaltungsleiter Vor- und Nachteile in einem Konzeptpapier ausloten und Förderchancen durch das Land prüfen. Eher visionär klingt ein weitergehender Vorstoß aus Bückeburg: Ein zentraler Krankenhaus-Neubau könnte mit der Verwaltungsfusion einhergehen.

veröffentlicht am 22.09.2007 um 00:00 Uhr

Bald drei Krankenhäuser unter einem Dach? Stadthagen, Bückeburg

Autor:

Frank Werner

Sowohl Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier als auch Bückeburgs Verwaltungsleiter Klaus Kruse bestätigten auf Anfrage, dass über eine gemeinsame, kirchlich-kommunale Trägerschaft nachgedacht werde. Noch vor einigen Jahren verlief genau in dieser Frage die Grenze des Denk- und Verhandelbaren. Vor allem Bückeburg pochte gegenüber den beiden Kreiskrankenhäusern auf die eigenständige Trägerschaft in der kirchlichen Stiftung. Aus dem Krankenhaus Bethel kommt nun die Initiative,über ein gemeinsames Dach nachzudenken. "Der Strukturwandel im Gesundheitswesen zwingt uns, neue Überlegungen anzustellen", sagt Verwaltungsleiter Kruse. Schöttelndreier begrüßt die Offerte: "Wir greifen den Gedanken gerne auf." Was die drei Krankenhäuser unabhängig von ihrer Trägerschaft schon jetzt vereint und über eine gemeinsame Zukunft nachdenken lässt, ist der wachsende Kostendruck. Und die verstärkte Konkurrenz in den Nachbarkreisen, vor allem aus Minden, wo ein neues Klinikum in Reichweite zur Landesgrenze entsteht. Nicht nur in Bückeburg, auch im "Klinikum Schaumburg" wird der Handlungsdruck größer: Bei Fortschreibung bisheriger Trends, das hat sich der Landkreis gutachterlich bescheinigen lassen, wächst das jährliche Defizit in den Kreiskrankenhäusern bis 2011 auf rund sechs Millionen Euro an. Derzeit allerdings birgt derÜbergang von der Kooperation zur Fusion mehr offene als beantwortete Fragen. So ist die Rechtsform eines neuen Trägers noch unklar. Geprüft werden soll zunächst, ob es vergleichbare Präzedenzfälle für eine kirchlich-kommunale Trägerschaft in Niedersachsen gibt. Außerdem soll eine "Konzeptskizze" erarbeitet werden, die Vor- und Nachteile des Zusammengehens auflistet. Entscheidend für die Realisierungschancen dürfte zudem die Einschätzung des Sozialministeriums sein. In Hannover sollen Gespräche über eine mögliche Landesförderung geführt werden. Dabei dürfte es auch um die Förderfähigkeit eines Krankenhaus-Neubaus gehen, wie er vom Bückeburger Interims-Geschäftsführer Volker Hippler (von der Beratungsgesellschaft im Gesundheitswesen Kaysers&Hippler) ins Gespräch gebracht wurde. Die vorhandenen Kliniken in Rinteln, Stadthagen und Bückeburg würden in diesem Szenario zu "Portalhäusern" abgestuft, deren Funktion sich auf eine ortsnahe Notversorgung beschränkt. "Denkbar, aber visionär", bewertet Kruse die Neubau-Variante relativ neutral. Gar nicht angetan scheint dagegen der Landrat, der sich zu diesem Thema lieber "nicht äußern" möchte. Tatsächlich erscheint fraglich, ob sich das Land, das in der Vergangenheit die Sanierung der dezentralen Häuser mitfinanzierte, für einen Neubau finanziell erwärmen lässt. Für die kommunalen Krankenhäuser prüft der Landkreis zudem andere Optionen. In einer "Marktabfrage" soll getestet werden, ob es potenzielle Käufer für die Kreiskrankenhäuser gibt und welchen Wert die Kliniken am Markt haben. Die Kreisverwaltung setze damit eine politische Forderung um, alle auch nur denkbaren Zukunftsoptionen zu prüfen, erklärt Schöttelndreier und verhehlt nicht, dass er die Zukunft anders sieht: "Ich halte das im Moment nicht für zielführend, es ist keine tragfähige Lösung." Konkreter als die Prüfung einer Privatisierung ist die Sparpolitik, die der Landkreis an den Standorten Rinteln und Stadthagen selbst forcieren will. Noch in diesem Jahr soll ein erfahrener Krankenhaus-Sanierer eingestellt werden, der, mit eigenen Kompetenzen ausgestattet, die Betriebsleitungen unterstützen und die Fallkosten in beiden Häusern senken soll. Bis Ende November will der Landkreis, so wurde es jüngst im nicht-öffentlichen Krankenhaus-Ausschuss vorgestellt, bis ins Detail einzelner Kostenstellen ermitteln, wo die Verluste in den Krankenhäusern entstehen, wie viel Personal für welche Fallschwere im Einsatz ist und welche Gegenmaßnahmen greifen könnten. Fest steht schon jetzt: Mit weiteren Einschnitten müssen die Krankenhäuser rechnen.

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