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Vor Gericht: Wirt wartet zwei Jahre lang vergeblich auf fast 5000 Euro / Glimpfliche Strafe

Geheiratet, gefeiert - und die Zeche geprellt

Stadthagen (gus). Eine Feier kann böse Folgen haben. Wem am nächsten Morgen nur der Schädel brummt, hat noch geringfügige Probleme, verglichen mit denen eines Wirtes in Lüdersfeld. Diesem hat ein Paar die Zeche für deren Hochzeitsfeier nicht bezahlt. 15 Monate später sind die Barsinghäuser vor dem Stadthäger Amtsgericht desBetrugs schuldig gesprochen worden - und erhielten eine milde Strafe.

veröffentlicht am 31.10.2006 um 00:00 Uhr

Im Sommer 2005 haben die beiden Barsinghäuser im Gasthaus "Zum Dicken Heinrich" den Eintritt in den Bund der Ehe gefeiert - mit 96 Gästen. Rund 5000 Euro sollte der Spaß kosten. Bezahlt haben die Gastgeber nach mehreren Mahnungen bisher nur einen Bruchteil - und auch das nur über eine Gehaltspfändung. Das räumte die 28-jährige Angeklagte ein. Begründung? Fehlanzeige. "Es ist aus Sicht der Staatsgewalt schon etwas lächerlich, wegen so was hier zu sitzen", sagte Richterin Gönna Freifrau von Blomberg. Auch Staatsanwalt Günter Wilkening zeigte wenig Verständnis. Wer die Musik bestelle, müsse diese auch bezahlen, meinte er sinngemäß. Bei der Verhandlung versuchte das Gericht, abzuklopfen, ob es sich um böse Absicht im Vorfeld der Feier gehandelt hatte oder ob das Paar zahlungsunfähig ist. Mehrfach wollte Wilkening wissen, warum nicht wenigstens ein Teil der Summe bezahlt worden ist. Auch auf diese Fragen hatten die Barsinghäuser keine befriedigende Antwort. "Mein Dispo ist ausgereizt", meinte etwa der Ehemann. Eine abzuzahlende Einbauküche und Raten für ein Auto sind nach dessen Angaben finanzielle Belastungen des Paares. Für Miete müssen beide monatlich 680 Euro berappen. Das Einkommen des Krankenpflegers und der Bürokauffrau beträgt nach deren Aussage zusammen 2600 Euro im Monat. "Sie haben etwas bestellt, dass Sie sich nicht leisten können", stellte Wilkening fest. Ob das Paar vorsätzlich gehandelt hat und nie vorhatte, für die Hochzeit zu bezahlen, konnte letztlich nicht geklärt werden. Dennoch hielten Staatsanwalt und Richterin eine Strafe wegen Betrugs für angemessen. Wilkening forderte in Absprache mit von Blomberg eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Dahinter verbirgt sich eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 40 Euro für den Fall, dass die Barsinghäuser ihre Schuld binnen 24 Monaten nicht beglichen haben. Während dieser zwei Jahre ist das Paar auf Bewährung. Ein weiteres Delikt würde zur Vorstrafe führen. Die Zeche muss das Paar in 250-Euro-Raten abstottern Hinzu kommen die Kosten des Verfahrens.

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