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Bei Sanierung Wandgemälde und hebräische Schriften freigelegt / Ausschreibung verzögert Fortgang

Geheimnisvolle Spuren im Kloster Möllenbeck

Möllenbeck (ur). Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo es ans Sanieren und Renovieren geht, da bröckelt auch schon mal Putz von der Wand. So wie kürzlich bei den Arbeiten im Ostflügel der Möllenbecker Klosteranlage, wie Hausherr Roland Trompeter jetzt bekannt gab.

veröffentlicht am 29.03.2007 um 00:00 Uhr

Das großformatige Gemälde zeigt Jesus am Kreuz und im Hintergrun

Eigentlich sollte der Putz in dem gut 50 Quadratmeter großen Raum sang- und klanglos abgeklopft werden, doch plötzlich entdeckten die aufmerksamen Handwerker ein großformatiges Gemälde mit Jesus am Kreuz und Jerusalem im Hintergrund - und auf der anderen Seite derselben Wand trat eine weitere Figur zum Vorschein, deren Finger auf den Erlöser verweist - inklusive Textzeilen aus Römer 8 zum Leben im Geiste. Sofort wurden die Arbeiten an dieser Stelle eingestellt, denn es wurde schon bei dieser kleinflächigen Freilegung deutlich, dass es sich hierbei um ein veritables Kunstwerk handelt, von dessen Existenz bislang niemand auch nur ahnte. Eine weitereÜberraschung trat an einer anderen Wand zu Tage: Ein Schriftblock in hebräischen Buchstaben, dem auf der anderen Wandseite Zeilen in Latein gegenüberstehen, die allerdings im gegenwärtigen Zustand noch nicht übersetzt werden können. Die Spekulationen, die sich mit dieser Entdeckung verbinden, sind ausgesprochen vielseitig: Hatten hier Möllenbecker Juden gastweise einen Betraum zur Verfügung gestellt bekommen? Waren die hebräischen Buchstaben ebenso wie die lateinischen Teil einer Art biblischer Lehrtafel? Einigermaßen geheimnisvoll auch eine wandbedeckende Holztafel, mit der ein Teil des Raumes abgetrennt war und die im oberen Bereich mit Trennstäben ausgestattet ist: Diese weist durchaus Ähnlichkeiten mit der Vorwand einer Frauenempore auf, wie sie in jüdischen Beträumen üblich ist. "Erfahrene Möllenbecker Handwerker gehen allerdings davon aus, dass diese Tafel jüngeren Datums ist, denn die Holzrahmen und Leisten weisen Spuren maschineller Bearbeitung auf, wie man sie erst seit dem auslaufenden 19. Jahrhundert kennt", merkt dazu Pastor Roland Trompeter an und verweist zugleich auf prosaische Erklärungsversuche alter Möllenbecker für die Holzwandung mit Schlitz: "Vielleicht gab es hier ja eine Räucherkammer." Mit der beabsichtigten Freilegung und Restauration der Schriftzeilen ergeben sich unter Umständen weitere Anhaltspunkte zur Klärung: Immerhin hat man auch auf höherer Ebene bereits die mögliche Relevanz erkannt und ohne große bürokratische Verfahren eine Summe von 12 000 Euro für die vorläufige Sicherung der Wandbemalungen zur Verfügung gestellt. Nicht ganz so unbürokratisch ist es zum Leidwesen von Trompeter als dem kirchlicherseits beauftragten "Baumanager" mit der Vergabe der restlichen Aufträge zur Sanierung des Ostflügels weitergegangen: "Weil dabei auch EU-Gelder eingesetzt werden, müssen die Auflagen zur länderübergreifenden Submission eingehalten werden." Vorher gültige Bestimmungen, deren Beachtung mit der Stadt Rinteln auch abgestimmt waren, wurden zwischenzeitlich vom Land kassiert, "weil die meisten Kommunen diese falsch interpretiert haben", hieß es dazu wenig selbstkritisch aus Hannover. Trompeters Wunsch: "Dass aus diesem Verfahren möglichst schnell Betriebe für die Weiterarbeit hervorgehen, die diese Aufgaben auch bewältigen können." Von daher würde er einer Vergabe an die bereits bewährten Handwerker den Vorzug geben.

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