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Mit Rad und Fleurop-Strauß nach Obernkirchen / Familienbetrieb ohne Nachfolger

Gegründet im Jahr des großen Bebens: Gärtnerei Borsum feiert 100-Jähriges

Rinteln (ur). Vor hundert Jahren, also anno 1906, besetzt der dadurch als Hauptmann von Köpenick berühmt gewordene Schuster Wilhelm Voigt das Rathaus der Kleinstadt bei Berlin, in Kiel erfolgt auf der Germania-Werft der Stapellauf des ersten deutschen U-Boots und in San Francisco gibt es das größte Erdbeben der Neuzeit. In Rinteln aber pachtet der aus Peine stammende Gärtnermeister Otto Borsum Teile des Geländes der eingeführten Gärtnerei Busse an der Mönchebreite - dabei handelt es sich um ein Areal zwischen Dankerser Straße und Breiter Straße, das aber längst nicht mehr unter diesem Namen bekannt ist.

veröffentlicht am 29.08.2006 um 00:00 Uhr

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Der dynamische Gründer erbaute mehrere Gewächshäuser, pachtete im Lauf der kommenden Jahre auch noch die restliche Fläche des Gartenbaubetriebs Busse und schloss sich bereits 1926 der Fleurop an, die sich mit ihrem Blumengeschenkdienst über die Grenzen hinweg etablierte. "Bereits als Junge bin ich so manches Mal bis nach Obernkirchen mit dem Rad gefahren, um bunte Sträuße auszuliefern", erinnert sich Friedrich-Wilhelm Borsum als Enkel des Firmengründers an die großen Fleurop-Zeiten. Schwerpunkt des Gärtnereibetriebs aber war in den Gründerjahren und noch bis zum Tode von Otto Borsum im Jahre 1948 der Anbau von Obst und Gemüse. Danach musste sein Sohn Friedrich Borsum sich der Verantwortung stellen, die Betriebsleitung übernehmen und dabei noch die erforderlichen fachlichen Qualifikationen erwerben, war er doch zuvor Soldat gewesen und anschließend in Kriegsgefangenschaft. "Mein Vater hat dann in den Jahren nach dem Krieg Fläche für Fläche das Gelände der nunmehr ehemaligen Gärtnerei Busse von der Tochter des Hauses aufgekauft und vor allem Blumen angebaut", erinnert sich Friedrich-Wilhelm Borsum, der die Gärtnerei im Jahre 1978 in dritter Generation übernahm. Zuvor allerdings erlitt die Gärtnerei Borsum den größten Rückschlag ihrer Firmengeschichte: 1967 wurde die gesamte Gärtnerei durch ein Unwetter mit eigroßen Hagelkörnern zerstört. "Wir verdanken es freiwilligen Helfern von der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg, dass der Betrieb dies überstehen konnte. Die Soldaten haben damals bei der Beseitigung der Trümmer und beim Neuaufbau entscheidende Unterstützung geleistet." Der Entwicklung des Marktes folgend hat Friedrich-Wilhelm Borsum in den folgenden Jahren nach der Geschäftsübernahme die Gärtnerei immer weiter entwickelt in Richtung auf ein kundenorientiertes Fachgeschäft für Floristik, wobei neben Blumensträußen, Topfpflanzen und Gebinden auch Trauerkränze und Grabpflege einen erheblichen Anteil haben. "Meinen ersten Kranz gebunden habe ich mit neun Jahren zur Beisetzung meines Großvaters in Todenmann." Übrigens war Borsum schon früh in Sachen Windkraft dabei: Zur Förderung von Wasser für die Pflanzen aus dem eigenen Brunnen griff man auf die alte Technik des Windrads zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Hanna "schmeißt" Friedrich-Wilhelm Borsum den traditionsreichen Betrieb an der Kastanienallee immer noch mit viel Engagement und Leidenschaft - allerdings im etwas wehmütigen Wissen, dass kein Nachfolger für die vierte Unternehmensgeneration bereitsteht: "Unsere Töchter Stefanie und Michaela und unseren Sohn Ralf Friedrich hat es beruflich mit ihren Familien in andere Richtungen getrieben." An der Freude und Genugtuung, am 1. September auf das hundertjährige Bestehen mit Kunden, Freunden und Lieferanten anzustoßen, fehlt es aber dennoch nicht - wohl ganz im Sinn des Unternehmensgründers Otto Borsum, dessen Vornamen Friedrich-Wilhelm Borsum ebenso wie schon sein Vater als Spitznamen übernommen hat. Im Sinne eines Gütesiegels, sozusagen!

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