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Gerd Kopanski vom TuS Kleinenbremen radelt nach Island / 2400 Kilometer

Gegenwind in der Einsamkeit: Auf Schotterpistenüber die Vulkaninsel

Kleinenbremen (ly). Das fing ja gut an. Gleich am ersten Tag von Gerd Kopanskis fünfwöchiger Radtour nach Island hatten mehrere deutsche Jugendherbergen dicht. Unvergessliche Momente sollten den Portaner, Mitglied in der Läufergruppe des TuS Kleinenbremen, später für die Nacht im Schlafsack entschädig en.

veröffentlicht am 22.07.2008 um 00:00 Uhr

Ganz allein startet der Rentner Gerd Kopanski (65) an einem Sonntag um sieben Uhr morgens in sein Abenteuer auf zwei Rädern. Nach 2400 Kilometern wird er wohlbehalten zurückkehren. Bis dahin erlebt der durchtrainierte Mann unverfälschte Natur und überwältigende Gastfreundschaft. Kostenlos stellt ihm einmal ein Isländer zur Übernachtung eine Wohnung mit fünf Zimmern zur Verfügung. Täglich sieht Kopanski Natur, die es wohl nur auf der weltweit größten Vulkaninsel (rund 316 000 Einwohner) mit einer Fläche von etwa 100 000 Quadratkilometern gibt, darunter die Lavafelder an der Südküste. "Überall Gestein", erinnert sich der 65-Jährige. "Man nennt es die Wüste von Island." In Erinnerung bleibt auch der Gullfoss, einer der größten Wasserfälle, gelegen im westlichen Hochland. Bis zu 150 Kilometer, verteiltüber zwölf Stunden, legt Kopanski täglich im Sattel seines Tourenrades (24 Gänge, Speichen und Gepäckträger verstärkt) zurück. In der Einsamkeit trifft er tagelang keinen Menschen. Manchmal wird's hart, denn geschätzte 15 Prozent der Wege bestehen aus Schotter. Hinzu kommt die Kälte. Kopanski schafft das Pensum locker. Kein Wunder, denn der Mann ist topfit. In der Minden-Lübbecker Laufszene kennt man den Namen des früheren Rintelner Schwimmmeisters und Leichtathleten. Den Marathon hat er mit 45 Jahren in 3:06 Stunden geschafft, bis heute trainiert er regelmäßig mit den TuS-Läufern. Die erste Nacht seiner Reise hat Kopanski im Wald verbracht, eingepackt in einen Schlafsack der Bundeswehr. Die Jugendherbergen in Rotenburg (Wümme) und dem etwa 25 Kilometer entfernten Zeven sind geschlossen. Dumm gelaufen, denn eigentlich will der Marathon-Radler im Fernsehen Fußball sehen. Am 14. Juni setzt Kopanski vom dänischen Hanstholm auf die Faröer-Inseln über, bevor er die Fähre über den Nordatlantik nimmt, die im Osten Islands anlegt. Das Ziel, die Hauptstadt Reykjavik, liegt auf der anderen Seite. Bis 100 Kilometer vor Reykjavik fährt Kopanski im Bulli eines kranken Mannes mit, weil der Einheimische,den er unterwegs kennenlernt, ihn darum gebeten hat. Zurück geht es entlang der Südküste, immer schön sinnig. Der ständige Gegenwind zehrt an den Kräften. Und je weiter der 65-Jährige nach Osten kommt, desto kälter wird's. Höher als fünf Grad steigt das Quecksilber selten. Zwischenzeitlich hat Kopanski sich ein Zelt gekauft. Kleinere Defekte an der Schaltung sowie zwei platte Reifen kann er selbst reparieren. "Mein Fahrrad kenne ich in- und auswendig." Dass es wegen der Mitternachtssonne hell bleibt, hilft beim Schrauben ungemein. "Die Taschenlampe habe ich nie gebraucht." Meistens nächtigt Kopanski im Zelt, gelegentlich in Jugendherbergen. Angst hat er nicht, und auf die Isländer lässt der Portaner sowieso nichts kommen. "Geklaut wird dort nicht", erzählt er. "Dein Fahrrad kannst du ohne Schloss und mit einem Portemonnaie auf dem Gepäckträger abstellen." Lust bekommen auf eine Radtour nach Island? "Körperliche Fitness ist Vor- aussetzung", rät Kopanski. "Und man sollte immer Proviant für zwei bis drei Tage dabei haben. Wegen der vielen Schotterpisten würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall ein Mountainbike nehmen." Und wann steigt die nächste Radtour? "Moment", unterbricht Egon Burzlaff, ein Sportkamerad vom TuS Kleinenbremen. "Jetzt will ich den Gerd erst mal wieder ans Laufen kriegen."



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