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Kirchenkreis lädt zu Begegnungen mit Flüchtlingen ein / 50 622 Euro Zuschuss der Landeskirche für Aktionen

Gegen Fremdenhass und Diskriminierung

Rinteln/Landkreis. „Kirche für die Menschen mit den Menschen“ hat sich Superintendent Andreas Kühne-Glaser als einen Schwerpunkt für seine verbleibende Amtszeit bis 2020 gesetzt. Und darin bezieht er ausdrücklich die Hilfe für Flüchtlinge mit ein. Beim Kirchenkreistag hat er die Vielfalt bisheriger Angebote der Gemeinden des Kirchenkreises aufgezählt, erwartet für 2016 aber noch mehr. Dabei helfen sollen 50 622 Euro Zuschuss der Landeskirche, die im Dezember erwartet werden. „Das Geld muss bis Ende 2016 für Aktionen ausgegeben werden“, teilte Kühne-Glaser mit.

veröffentlicht am 18.11.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 07.12.2015 um 11:37 Uhr

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Der Superintendent verwies darauf, dass Kirchen hier helfen müssen. Arbeits- und Wohnungssuche, Integration und Bildung seien zwar vornehmlich staatliche Aufgabe, Ehrenamtliche könnten hier aber ergänzen. „Es ist unsere Aufgabe, jedweder Form von Fremdenhass und Diskriminierung entgegenzutreten, wo immer wir sie auch schon im Ansatz erkennen. Dies tun wir dadurch, dass wir dazu einladen, sich in der direkten Begegnung mit Flüchtlingen selbst ein Bild von ihnen und ihrer Situation zu machen und sich nicht von Ängsten und Befürchtungen leiten zu lassen, die zu einem sehr hohen Grad keinen realen Grund haben.“

Kühne-Glaser zählt musterhafte Beispiele auf: Im Oktober hat die Rintelner Johannis-Kirchengemeinde (zwei Flüchtlingsunterkünfte in Ex-Schulen in deren Bezirk) ihr erstes „Café International“ durchgeführt. „Mit rund 100 Menschen sind einschließlich einer ganzen Reihe ehrenamtlich Tätiger weit mehr gekommen als erwartet.“ Das nächste Café International ist übrigens am Dienstag, 24. November, 15 Uhr, im Johannis-Kirchzentrum, Wilhelm-Raabe-Weg 24.

Der Superintendent selbst will in der Adventszeit Flüchtlinge, in der Mehrzahl ja Muslime, in die St.-Nikolai-Kirche einladen, um ihnen mit Dolmetschern etwas über die Kirche, aber auch über die Bedeutung der Advents- und Weihnachtszeit zu erzählen. Kühne-Glaser: „Schließlich könnten wir auch gemeinsam etwas Einfaches singen.“ Er rief auch die anderen Kirchengemeinden dazu auf, Flüchtlinge einzuladen und ihm darüber zu berichten.

Wer will sich um

minderjährige Flüchtlinge kümmern?

In der Kirchengemeinde Exten-Hohenrode habe man, so Kühne-Glaser, etwas gegen die quälende Untätigkeit gemacht, mit der die meisten Flüchtlinge im Warten einen Großteil ihrer Tage verbringen müssen. „Als die Küsterin krank war, ist man dem Aufruf der Sozialarbeiterin aus einer Unterkunft gefolgt und hat für zwei Wochen sechs Flüchtlingen aus Albanien sinnvolle Arbeit auf den Kirchengrundstücken gegeben. Die Gemeinde hat den Flüchtlingen aus eigenen Diakoniemitteln dafür feste Arbeitsschuhe finanziert.

In Hülsede hat die Kirchengemeinde im alten Pfarrhaus im Erdgeschoss eine Wohnung für Flüchtlinge hergerichtet, die der Landkreis Schaumburg für eine vierköpfige Familie nutzen wird. In Kathrinhagen ist die Kirchengemeinde im Notfall bereit, die Pilgerherberge für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. In Fuhlen kümmert sich die Gemeinde schon länger um Flüchtlinge aus dem Balkan, die nahe der Kirche in einem Haus untergebracht sind. In Hessisch Oldendorf war die Kirchengemeinde erster Sammelpunkt für Menschen aus dem Ort, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wollen. In Hohnhorst hat sich eine Gruppe von Ehrenamtlichen gebildet, die in den Startlöchern stehen, wenn im Gemeindegebiet Flüchtlinge Hilfe benötigen.

„Ich weiß von Menschen aus unseren Gemeinden, die überlegen, sich um einen minderjährigen Flüchtling zu kümmern“, erklärte Kühne-Glaser. „Wer dass tun möchte, kann sich ab sofort in Lauenau bei Pastor Dieter Meimbresse Informationen holen. Wird es Gemeinden bei uns geben, die Weihnachten in ihren Räumen für zwei Stunden mit Flüchtlingen feiern wollen? Der NDR sucht gerade solche Initiativen für einen Bericht.“

Sozialarbeiter Martin Barwich aus dem Haus der Diakonie in Rinteln arbeitet mit dem Diakonieausschuss an einer Liste mit Vorschlägen, wie Kirchengemeinden sich an der Hilfe für Flüchtlinge beteiligen können. Die Landeskirche stellt dem Kirchenkreis 50 622 Euro Soforthilfe für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung. Kühne-Glaser: „Wir brauchen dazu ein Konzept mit Grundsätzen für die Verteilung. Auch daran arbeitet der Diakonieausschuss schon.“ Das Wichtigste sei, die Verhältnisse in den Fluchtländern zu ändern. Dafür seien Gebete gefordert.



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