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Von Vereinsauflösung keine Rede mehr : „Siedlergemeinschaft Bodenwerder“ verjüngt

Gedanke der Solidarität ist zeitlos

Bodenwerder. Auch wenn die Wurzeln dieser Gemeinschaft in der unheilvollen Zeit des Nationalsozialismus liegen: „Der schöne Gedanke des Miteinanders, des umeinander Kümmerns, der Solidarität unter Nachbarn – dieser Gedanke ist zeitlos. Und er fehlt leider heutzutage teilweise“, sagt Michael Otte. Die Rede ist vom Verband Wohneigentum Niedersachsen e.V., der als Deutscher Siedlerbund 1935 in Dresden gegründet wurde. Auch in Bodenwerder gab und gibt es einen örtlichen Zusammenschluss, der heute als „Siedlergemeinschaft Bodenwerder“ firmiert und zur Kreisgruppe Südniedersachsen gehört. Seit März 2013 heißt ihr Vorsitzender Michael Otte.

veröffentlicht am 13.05.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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Keimzelle des Siedlerbundes sind die Häuser in der Siemensstraße, die in der Mehrzahl in den Jahren 1936 und 1937 unter üppigem Fahnenschmuck mit dem damals unumgänglichen Hakenkreuz eingeweiht wurden. Den neu errichteten Eigenheimen für Familien maß man offenbar einen großen gesellschaftspolitischen Wert bei. Jedenfalls legt diesen Schluss die Tatsache nahe, dass die Bauaktivitäten sogar in der Festschrift zur 650-Jahr-Feier der Münchhausenstadt Bodenwerder im Jahr 1937 Erwähnung fanden. Unter der auffordernden Überschrift „Fanget an!“ ist vermerkt: „1936-37 wurde mit dem Bau der Siedlungshäuser begonnen. Auf dem rechten Weserufer gab die Stadt dazu Grund und Boden her. Nun stehen bereits 14, sechs sind noch geplant.“ Nach dem Krieg wurde die Hirschberger Straße bebaut, danach der Schlesierweg.

Heute zählt die Siedlergemeinschaft Bodenwerder knapp 20 Mitglieder. Und es sah längere Zeit so aus, als ob sie ein Auslaufmodell ist. Die Mitgliederzahlen sanken, eine Nachfolge für Hilda Heinemann, die seit drei Jahrzehnten die Geschicke der Siedlergemeinschaft lenkte, ließ sich nicht finden. Das Thema „Vereinsauflösung“ stand an. Nach umfangreicher Vor- und Überzeugungsarbeit gelang bei der jüngsten Versammlung im Hotel „Deutsches Haus“ dann doch der Generationswechsel. Mit herzlichem Dank und unter Würdigung ihrer Verdienste wurde Hilda Heinemann von Georg Wendenburg, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Südniedersachsen, verabschiedet. Michael Otte, sein Stellvertreter und Schriftführer Stefan Schupp und Kassenwart Andreas Kulbe bilden jetzt das Führungstrio. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Prof. Dr. Michael Vester und Andrea Lange-Vester geehrt. Als Flüchtlingsfamilie waren die Vesters 1950 beim Siedlerbund eingezogen. Mittlerweile ist die Landeshauptstadt ihr Lebensmittelpunkt, dennoch halten sie der Hirschberger Straße die Treue.

Weitaus mehr Raum als die Regularien nahmen an diesem Nachmittag die Geschichten „von früher“ ein. Mitte der 30er Jahre sei der Gedanke des Miteinanders vor allem aus der Not heraus geboren worden. „Damals stand auf der anderen Weserseite weit und breit kein Haus. Eigen- und Gemeinschaftsleistung waren unabdingbar, denn das Geld war knapp“, erinnert sich eine alte Dame. Meist borgte man es sich in der Verwandtschaft zusammen. Dann bewegte man gemeinsam mittels einer Lore das Erdreich, schachtete mit vereinten Kräften aus, zog gemeinsam die Mauern hoch, deckte die Dächer. Grundstücksgröße und die Höhe des Zuschusses orientierte sich an der Zahl der Kinder. Es blieb Platz für den Anbau von Kartoffeln, Gemüse und auch Getreide. Dass man ein Schwein und Kaninchen im Haus hielt, war selbstverständlich. „Ohne diese Möglichkeit zur Selbstversorgung wären wir nicht über die Runden gekommen.“ Aus dieser Zeit stammt auch die „Schweinekasse“ – eine Art Versicherung, die auch weiterlebte, als die Schweine längst abgeschafft waren. „Mit dem Geld wurden gemeinsam Ausflüge unternommen“, erinnern sich die Älteren.

Die Häuser in der Siemensstraße sind die „Keimzelle“ des Siedlerbundes; viele wurden im Laufe der Jahre optisch verändert, wie dieses Foto zeigt. saw

Das Gemeinschaftsgefühl früherer Jahrzehnte gäbe es heute unter Nachbarn nicht mehr, wird allgemein beklagt. Die Siedlergemeinschaft möchte gern dazu beitragen, dass sich das ändert. Neben einem sommerlichen Nachbarschaftsfest in der Hirschberger Straße will man sich in die Betreuung des Spielplatzes in der Voglerstraße einbringen, „ein vernünftiges Umfeld für Kinder und Enkel schaffen“, wie es Michael Otte ausdrückt. Außerdem ist geplant, sich mit Kaffee, Kuchen und einem Informationsblatt zu präsentieren. Dem ist zu entnehmen, dass die Siedlergemeinschaft noch mehr zu bieten hat als das Gefühl von Zusammengehörigkeit: Beratung bei allen Fragen rund um Haus und Garten beispielsweise, einen Basis-Versicherungsschutz, eine Rechtsberatung in Fragen des Haus- und Grundbesitzes sowie eine Interessenvertretung, außerdem Vergünstigungen beim Einkaufen und Veranstaltungen wie Busfahrten, Besichtigungen, Vorträge, Ferienfreizeiten für Kinder und gemeinsames Grillen. „Unsere Sozialkompetenz ist fühl- und erlebbar“, unterstreicht der Vorsitzende Otte. Weitere Infos unter www.verband-wohneigentum.de/kg-suedniedersachsen.



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