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St. Martinskirche in Eimbeckhausen / Seltene Bauform und alter Fluchtweg

Gebeinekeller wurde zugemauert

Eimbeckhausen (roh). Es war ein Zufall, der in den 50er Jahren das alte Grabgelege mitten in der Vierung der ursprünglich romanischen Kirche, zu Tage förderte. „Damals wurde eine neue Fußbodenheizung eingebaut und die Bauarbeiter stießen auf den Zugang zu der alten Gruft“, weiß Burkhard Braeß. Als Mitglied des Kirchenvorstandes hat der ehemalige Apotheker des Dorfes einen ganz besonderen Bezug zu „seiner“ Kirche und führt aus, dass es ihn schon verwundere, wie schnell das Grabgelege in Vergessenheit geraten sei.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 14:14 Uhr

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Eimbeckhausen (roh). Es war ein Zufall, der in den 50er Jahren das alte Grabgelege mitten in der Vierung der ursprünglich romanischen Kirche, zu Tage förderte. „Damals wurde eine neue Fußbodenheizung eingebaut und die Bauarbeiter stießen auf den Zugang zu der alten Gruft“, weiß Burkhard Braeß. Als Mitglied des Kirchenvorstandes hat der ehemalige Apotheker des Dorfes einen ganz besonderen Bezug zu „seiner“ Kirche und führt aus, dass es ihn schon verwundere, wie schnell das Grabgelege in Vergessenheit geraten sei. Dabei sei der letzte Adlige, Baron Georg Friedrich Hans von Bremer, erst 1857 hier beerdigt worden. Angeblich habe dieser verfügt, dass das Gelege nach seinem Ableben zugemauert werden solle. Der in den 50er Jahren in Eimbeckhausen tätige und sich sehr um die Jugend bemühende Pastor Hartwig Siburg nutze den just frei gelegten Teil der Kirche, um dem Konfirmandenunterricht eine kulturhistorische Komponente zu geben, wie Braeß vermutet. „Noch heute erinnern sich Eimbeckhäuser Konfirmanden von damals jedoch mit Schaudern an die Exkursion in das Grabgewölbe“, sagt Braeß.

Die im elfen und zwölften Jahrhundert erbaute Kirche wurde Schritt für Schritt erweitert und erlangte so eine für die hiesige Region recht ungewöhnliche Form. „Zuerst haben nur der Turm und ein realtiv kurzes Langschiff gestanden“, sagt der Apotheker. Nur wenige Jahrzehnte später seien die beiden Querschiffe angebaut worden und die seien für ein so kurzes Langschiff relativ groß ausgefallen, meint Braeß und als dann der Chorraum angebaut wurde, hatte die Kirche ihre jetzige Form erreicht. Pastor Dirk Jonas fügt an: „Auf dem Grundriss kann man gut erkennen, dass alle Bauteile in etwa die gleiche Länge haben. Zusammen bilden Langschiff, Querschiffe und Chorraum ein Kreuz. Man spricht von einem griechischen Kreuz, wenn die Kreuzarme gleich lang sind.“

Im 16. Jahrhundert ist die Kirche an vielen Stellen „gothisiert“ worden, meint Braeß. Die Wölbung des Chorraums zum Beispiel sei eine der Umbaumaßnahmen aus dieser Zeit. Den spätgothischen Altar zieren einige bildliche Szenen vom Leben und Leiden des Jesus Christus und Pastor Jonas erklärt: „Wahrscheinlich ist der Altar aus verschiedenen Altären zusammengesetzt worden, denn die beiden äußeren Figuren gehören nicht zu den Bildern in der Mitte des Altars.“ Dargestellt werden auf den Bildern neben Verhaftung, Geißelung und Kreuzigung auch die Wiederauferstehung und eine Szene aus dem Garten Gethsemane, in dem Jesus in der Nacht vor seiner Verhaftung gebetet haben soll.

Ganz in der Nähe der Kirche stand das Eimbeckhäuser Schloss bis es in den 70er Jahren abgerissen wurde. Nach wie vor hält sich das Gerücht, dass es vom Schloss einen Fluchtweg in die Kirche gegeben haben soll, erzählt Burkhard Braeß und berichtet, dass für diese Theorie nicht nur der Tunnelzugang in der Kirche spreche, sondern auch die Menschen, die einen ähnlichen Tunnelzugang im Schloß gesehen haben wollen. Die Orgel steht in einem der Querschiffe, was neben der Bauform, eine weitere Besonderheit der St.Martinskirche ist. Zwar habe es früher eine Prieche, eine Empore für die Patronatsfamilie, mit eigenem Zugang gegeben, aber diese Empore soll der Kirche etwas bedrückendes gegeben haben, und schied somit als Platz für eine Orgel aus. Nicht zuletzt wegen der Anordnung von Chorraum, Orgel und Sitzplätzen, wird die zentral gelegene Vierung besonders genutzt, wie Jonas betont: „Von hier aus können alle am besten sehen, ob bei Hochzeiten oder beim Krippenspiel.“

Für Burkhard Braeß hat die Kirche etwas anheimelndes, etwas das die Seele wärmt und auch von außen kann sie den gewissenen Charme einer romanischen Kirche kaum verstecken, auch wenn im nächsten Jahr endlich die dringenden Reparaturen an Dach und Wänden durchgeführt werden. Um das Gebäude herum finden sich noch vereinzelt einige Grabsteine und erinnern an die Zeit, als das Gelände noch als Friedhof genutzt wurde. „Hier an der Seite zur St. Martin Straße wurde die Menschen aus Milliehausen und Waltershagen begraben und direkt daneben die Selbstmörder“, erzählt Braeß und berichtet, dass auch dieser Fund zu einem makabrem Schauspiel wurde: „Die mit Erdarbeiten beauftragten Bauarbeiter fanden die Überreste der freiwillig aus dem Leben Geschiedenen und haben die Gebeine für jedermann gut sichtbauer auf der Mauer platziert.“



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