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Kinder aus Glibow haben Ferien beendet / "Für Berufstätige ist es schwerer, Kinder aufzunehmen, als für ältere Ehepaare"

Gasteltern gesucht: Die Aufnahmebereitschaft lässt nach

Obernkirchen (who). Die zwölf Kinder aus der Schule von Glibow bei Gomel in Weißrussland, die unbeschwerte Ferienwochen in Obernkirchen verbracht haben, sind heute in ihre Heimat abgereist. Gudrun Bügge und ihren Helfern, die in 16 Jahren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Aufenthalte in der Bergstadt für Kinder aus der geschädigten Region organisieren, stellt sich die Frage: "Gibt es im nächsten Jahr wieder genügend Gasteltern?"

veröffentlicht am 27.02.2009 um 09:21 Uhr

Die zehnjährige Dascha und die elfjährige Mascha (v.l.) sind die

Wolfgang Sprenger gehört seit 1992 zum treuen Helferkreis. Immer noch finde er Sponsoren, erklärt er, die helfen, wenn er seinen Erlebnisnachmittag für die Kinder aus Weißrussland ausrichtet. Am Sonnabend vor der Abreise wartete dabei ein ganz besonderes Erlebnis auf die Kinder mit der Westerngemeinschaft Schaumburg Hameln. Deren Vorsitzender Klaus Bobe ist ein Bekannter von Sprenger und erklärt: "Wir wollen den Kindern einen schönen Nachmittag bereiten und dabei auch rüberbringen, dass viele der heutigen Amerikaner aus Russland eingewandert sind und sogar die Ureinwohner der USA von dort über Alaska eingewandert sind." Über Westernspiele wie das "Schildkrötenrennen" der Indianer machen die deutschen Freizeit-Cowboys und -indianer die Kinder mit den Westernherrlichkeit vertäut. Artur Reinhardt filmt seine Gastkinder dabei. Er und seine Ehefrau Edith sind Beispiel dafür, dass es in der Regel ältere Gasteltern sind, die bereit sind, für mehrere Wochen je zwei Kinder aufzunehmen. Mascha und Dascha sind zehn undelf Jahre alt und haben es bei den Eheleuten besonders gut getroffen. Grund: Es gibt überhaupt keine Verständigungsschwierigkeiten mit den Reinhardts aus Gelldorf, die als deutsche Spätaussiedler 1959 nach Schaumburg gekommen sind und deshalb noch fast perfekt Russisch sprechen können. "Und waswir schon ein bisschen vergessen haben, frischen wir jetzt wieder durch die Kinder auf", lächelt der Pensionär. So lange es ihnen möglich sei, wollen er und seine Frau auch künftig Ferienkinder beherbergen. Auch Michael Nehrmann und seine Frau Jolka haben seit sieben Jahren als Ferieneltern je zwei Kinder aus der Gomelregion bei sich zu Besuch. Obwohl sie ebenfalls längere Zeit aus dem Alter heraus sind, in dem man eigene Kinder groß zieht, werden sie es auch noch weiterhin bleiben. Dass seine Ehefrau in Polen geboren wurde und in der Schule zwölf Jahre lang Russischunterricht gehabt hat, sieht er als großen Vorteil an, denn: "So können wir doch gelegentlich auch mal ein Machtwort sprechen, wenn's nötig ist." Der elfjährige Vladislav und der 13-jährige Alexander, der gerade seinen Geburtstag in Deutschland gefeiert hat, sind dieses Mal ihre Gastkinder. Die Frage, ob sie die Nehrmanns gerne noch ein zweites Mal besuchen würden, antworten sie spontan mit einem überzeugten "da" - und das heißt "ja". "Für Berufstätige ist es schwieriger, Gastkinder aufzunehmen, als für ältere Ehepaare, da wollen wir uns nichts vormachen", spricht Heinz Heumann aus eigener Anschauung. Durch seine Altersteilzeit im Vorruhestand können die Heumanns seit zwei Jahren Gasteltern sein. Und sie wollen es umso mehr bleiben, wenn im nächsten Jahr Ursula Heumann ebenfalls in den Ruhestand geht. Derweil kümmert sich Heinz Heumann allein um ihre Gastkinder Alexander und Sascha. "Beide sind zehn Jahre alt und kümmern sich bei uns zu Hause sogar noch rührend um unser dreijähriges Enkelkind", berichtet Heinz Heumann. Und auch davon, wie gut das Zusammenleben in der Ferienfamilie klappt bei Radtouren und allen möglichen Unternehmungen. "Darüber hinaus spricht der Ferienvater allen anderen Gasteltern und besonders den Betreuern große Hochachtung aus, denn: "Viele sind ja eigentlich schon Ruheständler."

Heinz Heumann
  • Heinz Heumann
Alexander und Vladislav (vorne v.l.) würden gerne wiederkommen.
  • Alexander und Vladislav (vorne v.l.) würden gerne wiederkommen. Michael Nehrmann braucht die Hilfe der Dolmetscherin Anastasia Degfjarenko nur, wenn Ehefrau Jolka nicht dabei ist. Fotos: who


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