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Auftakt von 500 Jahre Hagen

Gaffelbrüder zogen von Haus zu Haus

BAD PYRMONT/HAGEN. Eine reine Männerangelegenheit ist das traditionelle Gaffelfest auf dem Hagen.

veröffentlicht am 06.04.2017 um 00:00 Uhr

Die Gaffelbrüder mit Präsident Horst Mundhenk (2. v. l.). FOTO: AR
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Rudi Rudolph Reporter

Und damit leiteten die Mitglieder des immerhin 106 Männer starken Vereins jetzt die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Bestehen des Pyrmonter Ortsteils ein.

Seit dem ersten bekannten Gaffelfest 1841, das eigentlich ein Abschiedsfest für Landwirtschaftshelfer, Ziegeleiarbeiter und Handwerker war, wonach sie „in die Fremde“ gingen, sammelten sich die Männer und gingen von Haus zu Haus. In mehreren Gruppen durchwanderten sie den Hagen, immer dabei eine Gaffel. Dieses überdimensional gabelähnliche Gerät, meistens aus Eisen, taucht erstmals 1881 auf und wurde damals von einem unbekannten Bürger gestiftet. 90 Jahre später kam eine zweite Gaffel hinzu, und hier sind die Stifter mit den Pyrmontern Fred Lohmann und Ewald Grieß bekannt.

Vor den Häusern machen die Gaffelbrüder halt, die Musikkapelle spielt aus Leibeskräften, um die Bewohner auf sich aufmerksam zu machen, denn man erwartet, dass die Bewohner vor die Tür treten. Dann rezitiert ein Gaffelbruder den überlieferten Gaffel-spruch, und die Hausbewohner erhalten einen Schnaps. Im Gegenzug hängen sie eine Wurst oder einen Laib Käse an die Zinken der Gaffel oder spenden Schnaps und Geld.

In diesem Jahr war man sogar mit drei eisernen, darunter eine neue von Ortsbürgermeister Andreas Müller gestiftet und selbst geschmiedet, und einer hölzernen Gaffel unterwegs, was letztlich zu einer Riesenausbeute führte. Die Bilanz konnte sich sehen lassen. 236 Würste und sieben Laibe Käse sowie elf Dosen Wurst kamen zusammen, noch getoppt von 107 Flaschen Schnaps. Von diesen sind nur noch 22 übrig, was allerdings, wie Gaffelpräsident Horst Mundhenk erklärte, „daran liegt, dass die anderen an den Haustüren ausgeschenkt wurden“. Schenkt man dieser Aussage Glauben, verblieb für den Resteverzehr eine Woche später, an dem auch Frauen und Kinder teilnehmen durften, immer noch eine gute Menge für den geselligen Abschluss im „Hagener Hof“. Da konnte sich Horst Mundhenk nur dankbar zeigen, denn viele junge Männer hatten sich beteiligt und setzen so diese alte Tradition fort.

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