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Fußball - unser Leben?

Zugegeben: Ich verstehe nichts von Fußball, ich kann sehr gut ohne leben und brauche auch kein Public Viewing. Es hat Jahre gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass Kirchratssitzungen nicht auf einen Mittwochabend gelegt werden sollten (was wusste ich denn, wann Länderspiele sind?!).

veröffentlicht am 14.06.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Pastor Roland Trompeter

Ich verstehe auch nicht, warum Leute in roten Rennern für teures Geld immer im Kreis herumfahren müssen bis sie - hoffentlich - nur im Kiesbett landen. Oder von Paris bis Dakar in den Wüsten Afrikas Menschen und Material malträtieren, aber sonst niemandem helfen. Ich kann gut ohne solche Sportarten leben. Und ich brauche auch nicht die "Hand Gottes" zu bemühen wie einst Diego Maradona aus Argentinien, um ein Foul zu verbergen. Und doch glaube ich, manchmal sind Fußballspiele wie ein Spiegelbild unseres Lebens. Da gibt es den vollen Einsatz bis hin zur totalen Erschöpfung, manche Brutalität und kleine Gemeinheiten, einsame Entscheidungen und die Geschlossenheit einer Mannschaft. Immer geht es um Sieg oder Niederlage, ums Gewinnen oder Verlieren. Wir wollen gewinnen und fürchten uns zu verlieren. Und wir kämpfen ja auch: Um einen Arbeitsplatz oder um einen Menschen, den wir lieben. Um Geld, um ein bisschen Glück. Manchmal auch um unser Leben. Wenn auf dem Fußballfeld gesiegt wird, dann hat nicht nur unsere Mannschaft gewonnen, dann haben WIR doch gewonnen. Und bei einer Niederlage? Dann war es eben nur ein Spiel! Der Unterschied ist nur, dass das Leben kein Spiel ist. Die Siege fallen meist kleiner aus und die Niederlagen oft härter. Da sind die großen Wünsche nach Geborgenheit und Glück. Und die große Enttäuschung, wenn das Leben so ganz anders verläuft. Vielleicht gehen darum viele lieber auf den Sportplatz als in die Kirche. Nicht nur, weil es dort spannender zugeht und am Anfang noch alles offen ist. Nein, man kann sich dort ja auch seinen ganzen Frust des Lebens oder der Arbeit aus dem Leib schreien. Das ist einfacher, als in der Stille einer Kirche zu beten oder in der Ruhe eines Gottesdienstes auf die Bibel zu hören. Aber das ist weitaus wichtiger! Denn dort wird leise laut, dass mein Leben behütet ist, wirklich in Gottes Hand liegt, und somit über Sieg oder Niederlage schon entschieden ist! Roland Trompeter ist Pastor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Möllenbeck.

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