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Willkommen in der globalisierten Welt: Wohin das geschlagene Holz aus dem Bückeberg transportiert wird

Fürstin Gloria kauft Schaumburger Holz für Finnland

Obernkirchen (who). Seit Ende 2007 laufen umfangreichere Holzeinschlagarbeiten im Bückeberg bei Obernkirchen. Dass offenbar im Zusammenhang damit ein größeres Kontingent von Schaumburger Holz ausgerechnet ins waldreiche Finnland exportiert wird, irritiert heimische Ofenheizer, die sich fragen, ob sich damit ihr Brennstoff noch weiter verteuert. Doch kann deutsches Holz wirklich im Preis mit finnischem Holz konkurrieren - und wird der Export nicht sogar noch von der EU subventioniert?

veröffentlicht am 07.02.2008 um 00:00 Uhr

Gut für den Export: Das Schaumburger Holz ist sogar in China beg

Es geht hier um normale wirtschaftliche Praktiken; der Holzexport nach Skandinavien sowie in viele andere Länder einer globalisierten Welt ist nichts Ungewöhnliches, so der Tenor auf unsere Nachforschungen. Lothar Seidel, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit beim Kreisforstamt in Stadthagen, gab zunächst den Tipp: Es ist die Klosterkammer Hannover als größte Waldbesitzerin Niedersachsens, die bei Obernkirchen Holz für den Verkauf einschlagen lässt. Richtig, bestätigte der Pressesprecher der Kammer, und man sei ausdrücklich froh, einen starken Partner als Abnehmer für das Holz zu haben. Der Absatz sei derzeit nicht überragend und die Klosterkammer sei als betriebswirtschaftliches Stiftungsorgan im Dienstbereich des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gehalten, Gewinne zu machen. Über das Unternehmen "Thurn und Taxis Waldpflege" als langjähriger Partner im Forstbereich werde unter anderem auch der Verkauf von Holz an Spanplattenwerke in Finnland abgewickelt. Das Fürstenhaus mit der früheren Jetsetterin Gloria verfügt neben großem Waldbesitz in der Bundesrepublik und im europäischen Ausland auch über internationale Geschäftsbeziehungen, über die auch Holz aus Schaumburg in den Export geht. So erklärt es Bernd Haver, der in der Niederlassung des Unternehmens in Zarenthin bei Berlin den Holzeinkauf und Export koordiniert. Haver dazu: "Das schlechtere Holz, überwiegend Fichte, wird nach Finnland exportiert als Rohstofffür Großanlagen der Spanplattenhersteller. Die höherwertigen Chargen werden von einem Sägewerk bei Berlin in Sortimente für Weiterverarbeiter geschnitten." Und für Buchenholz sei nach wie vor China Großabnehmer, wo insbesondere Hotels eine Vorliebe für Innenausstattungen mit dem Holz aus deutschen Wäldern hätten. Darüber, wie viele Festmeter Holz aus Schaumburg nach Finnland oder sonst wohin gehen, gibt Bernd Haver allerdings keine Auskunft. Das ist Betriebsgeheimnis, denn kein Unternehmen der Branche gibt seine Lieferbeziehungen und deren Umfang preis. Seit Ende 2007 werde das Schaumburger Holz abgefahren, wobei der Umschlag zurzeit stocke. Grund: Die Sägewerke seien ausgelastet, nicht zuletzt, da immer noch aufgearbeitetes Holz aus dem Kyrill-Windwurf auf Abtransport und Weiterverarbeitung warte. Der Preisanstieg auf dem Brennholzsektor stehe jedoch nicht in Zusammenhang mit der Auslandsnachfrage, versichert Haver abschließend. Dass Holz im Allgemeinen und Holz aus Deutschland im Besonderen zurzeit nahezu um den gesamten Erdball geschippert werde, sei in Folge der globalisierten Handelsströme inzwischen üblich, erklärt auch Hans-Jürgen Narjes aus Wietze an der Aller. Der Gründer und Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer Niedersachsen e.V." (AfL) repräsentiert mit seinem Verband insgesamt 200 von rund 250 Forstunternehmen im Land. Als Partner der Staats- und Privatforsten hat die Unternehmerorganisation die Hand am Puls der Zeit und engagiert sich wesentlich dafür, über die Schaffung von Tarifstrukturen und Etablierung von Normen ihre Branche marktfähig zu halten und ihren Mitgliedern trotz hartem internationalen Wettbewerb die Existenz zu sichern. "Das ist uns bislang gelungen, auch ohne dass der Holzexport von Brüssel aus subventioniert werden müsste". Allerdings, schränkt Narjes ein, "machen uns so große Unternehmen wie Thurn und Taxis zunehmend Sorgen, da sie versuchen, bei derzeit niedrigen Weltmarktpreisen mitzuhalten - durch schlechte Bezahlung der Holzaufarbeitung in Deutschland und durch Quersubventionierung ihres Mutterkonzerns."

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