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Betreibergesellschaft wird nicht gekündigt / Casa-Reha leitete "konsequenten Neuanfang" ein / 14 Neueinstellungen / Qualitätsmanagement

Fürst hat zum "Herminenhof" wieder "ein gewisses Vertrauen" gefasst

Bückeburg (rc). Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe als Vermieter des wegen Missständen in der Pflege und Versorgung in die Kritik geratenen Seniorenwohnheims "Herminenhof" wird den Betreiber, die Casa-Reha Gruppe, nicht vor die Tür setzen. Das teilte der Fürst auf einer gemeinsamen Pressekonferenz m it der Casa-Reha-Geschäftsführung mit. Nach mehreren Gesprächen - mit einem anwaltlichen Mediator - und "glaubhaften Versicherungen" habe er wieder "ein gewisses Vertrauen gefasst", so der Fürst: "Ich sehe Grundlagen für eine weitere Zusammenarbeit, die wir sonst wohl beendet hätten."

veröffentlicht am 06.09.2008 um 00:00 Uhr

Er habe als Vermieter keinen Einfluss auf die Betreibergesellschaft, stellte der Fürst klar. Dennoch würden die Missstände mit seinem Namen verbunden: "Das schadet dem Ruf meines Hauses, außerdem widerspricht es meiner sozialen Einstellung." Als auf der Vollversammlung im Juni endgültig bestätigt wurde, was in dem Seniorenheim vor sich geht, seien seinerseits Worte gefallen, die er nicht geäußert hätte, wenn er gewusst hätte, dass Presse im Raum anwesend ist. Wie berichtet, hatte der Fürst die Zustände als "was hier jetzt geschieht, ist kriminell. Das hier ist ein Höllenloch!" bezeichnet. Seit Juni ist Casa-Reha nun dabei, den Herminenhof "erneut zu einer Einrichtung zu machen, auf die wir wieder stolz sein können", wie Casa-Reha-Geschäftsführer André Schmidt sagte. Dazu sei ein ganzes Maßnahmenpaket initiiert und umgesetzt worden: "Die Zustände haben einen konsequenten Neuanfang erforderlich gemacht." Als eine der ersten Maßnahmen ist mit Armin Brosch ein "neuer, qualifizierter und erfahrener Heimleiter eingesetzt worden". Im Bereich der Mitarbeiter sind nach Angaben Schmidts im Juli und August 14 Neueinstellungen erfolgt. Auch die Wohnbereichsleitungen, insbesondere im Wohnbereich II, wo die Missstände am gravierendsten waren, sind neu besetzt. Zudem trennte sich Casa-Reha noch von einigen Mitarbeitern, ordnete aus anderen Häusern erfahrene Pflegekräfte ab, die Strukturen und Qualitätssicherung in die neuen Pflegeteams gebracht hätten. Zeitarbeit werde es nur noch bei Krankheitsspitzen geben, versicherteSchmidt. Derzeit hat der Herminenhof fünf Mitarbeiter mehr als der Personalschlüssel vorgibt. Fortbildungen sollen künftig zum Alltag gehören. Um den Dialog mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern zu verbessern, ist ein aktives Beschwerdemanagement eingeführt worden. Alle können sich - anonym - über in jedem Wohnbereich ausliegende Beschwerdebögen beschweren. Sie werden von einem "Qualitätszirkel" abgearbeitet, der der Eigenkontrolle im Haus dient. RegelmäßigeAbendessen auf den Wohnbereichen sollen dazu dienen, aktiv Verbesserungen zu finden. Für jeden Wohnbereich wurden Beiräte eingesetzt, inzwischen gibt es ein Bewohnerkiosk, den Angehörige mit betreuen. Um Strukturen aufzubauen und die Pflege- und Versorgungsqualität zu sichern, ist in den vergangenen Wochen zweimal wöchentlich eine Qualitätsmanagerin vor Ort, die sonst nach Angaben Schmidts zehn Heime betreut. Eine Ernährungsberaterin wurde beauftragt, die als eine der ersten Verbesserungen die Verschiebung der Essenszeiten vorschlug. Das Gespräch mit den jeweiligen Hausärzten soll noch gesucht werden. 2009 will sich der "Herminenhof" einer TÜV-Zertifizierung stellen. Wie Schmidt sagte, seien alle eingeleiteten Maßnahmen im "engen Kontakt" mit der Heimaufsicht und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolgt. Auf Betreiben der Casa-Reha seien beide mehrfach und auch unangemeldet in den "Herminenhof" gekommen, einmal sogar erst um 16.30 Uhr. Nun gehe es darum, die erreichten Standards "aus eigener Kraft zu halten und auszubauen". Wenn es Probleme gibt - "sie wird es immer geben" - müssten sie schnellstmöglich gelöst werden. Wie die Verbesserungen bei Bewohnern und Angehörigen ankommen, wird sich auf einer Vollversammlung am 17. September zeigen. Die Presse ist eingeladen.

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