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Geschäftsleute aus der Emmernstraße sind auf die Stadt Hameln überhaupt nicht gut zu sprechen

„Für uns wird das eine Katastrophe“

Hameln (ni). Der Lkw-Fahrer steuert seinen Wagen im Schneckentempo durch die Emmernstraße. Für die Fußgänger wird bei dieser Begegnung auf engem Raum nicht nur der Platz knapp, sondern auch die Luft dick. Auf Tuchfühlung mit dem orangefarbenen Kipper steigen ihnen die Abgase des Dieselmotors in die Nase. „Wenn hier drei Lastwagen nacheinander durchgefahren sind, stinkt es im ganzen Geschäft wie die Pest.“ Was Carmen Schlotter von Betten Knemeyer beschreibt, ist erst die Vorstufe dessen, was Geschäftsleute und Passanten in der Emmernstraße noch erwartet:

veröffentlicht am 30.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Hameln (ni). Der Lkw-Fahrer steuert seinen Wagen im Schneckentempo durch die Emmernstraße. Für die Fußgänger wird bei dieser Begegnung auf engem Raum nicht nur der Platz knapp, sondern auch die Luft dick. Auf Tuchfühlung mit dem orangefarbenen Kipper steigen ihnen die Abgase des Dieselmotors in die Nase. „Wenn hier drei Lastwagen nacheinander durchgefahren sind, stinkt es im ganzen Geschäft wie die Pest.“ Was Carmen Schlotter von Betten Knemeyer beschreibt, ist erst die Vorstufe dessen, was Geschäftsleute und Passanten in der Emmernstraße noch erwartet: Dass der gesamte Baustellenverkehr während der Sanierung des Pferdemarktes ausschließlich über „unsere Straße“ abgewickelt werden soll, bringt nicht nur Schlotter in Harnisch.

„Uns ist bange vor diesen Monaten“, sagt die junge Frau. Sie fürchtet, dass die Kunden wegbrechen, beobachtet schon jetzt immer wieder, wie sich vor allem die älteren Menschen mit Rollator schwertun, wenn ihnen ein Baufahrzeug entgegenkommt. „Für uns wird das eine Katastrophe“, sieht auch Sabine Wiegrefe (Orthopädie Schuhtechnik Siegmann) schwere Zeiten auf sich zukommen. „Im Sommer leben wir zu 50 Prozent von den Touristen“, die könne sie genau so abschreiben, wie vermutlich viele ihrer gehbehinderten Kunden. „Die wagen sich dann gar nicht mehr hierher.“ Wiegrefe hat durchaus Verständnis dafür, dass die Erneuerung des Pferdemarktes nicht ohne Belastungen für die Anlieger abgeht. Aber sie will nicht akzeptieren, „dass nur wir die tragen sollen und man sie nicht auf mehrere Schultern verteilt“.

Allein für die ebenso lästigen wie unausweichlichen Begleiterscheinungen der Pferdemarkt-Verschönerung herhalten zu sollen – den Geschäftsleuten in der Emmernstraße stößt das übel auf. Und nicht nur Hans-Jürgen Diemer (Femina) oder Hildegard Ulbrich (Goldschmiede Ulbrich) fragen sich, ob die Ritterstraße „möglicherweise“ deshalb vom Baustellenverkehr verschont werden soll, „weil dort Geschäftsleute sitzen, die bessere Verbindungen zur Stadt haben als wir“.

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Hildegard Ulbrich fragt sich, warum die Ritterstraße verschont bleibt.

Wenn große Lastwagen den Blick auf Schaufenster und Eingang verstellen, so wie alljährlich bei der 14-tägigen Aufbauzeit des Weihnachtsmarktes, „dann merken wir das im Geschäft“, sagt Berthold Nabrotzky (Timmi Spielwaren). Die Laufkunden bleiben weg. Der Gedanke, monatelang dieser Beinträchtigung ausgesetzt zu sein und dadurch 25 bis 30 Prozent Umsatz zu verlieren, bereitet ihm heftige Kopfschmerzen. Jörg Brockmann (Woll-Weber) dagegen bemüht sich, „das Ganze nicht zu hoch zu hängen“ und versucht abzuwägen: Wenn die Baufahrzeuge auch durch die Ritterstraße fahren, so seine Bedenken, könnte das zulasten von Parkplätzen in der Baustraße gehen. Brockmann: „Uns brächte das vielleicht noch größere Nachteile als der Verkehr.“

Wie sich Baustellen- und Lieferverkehr in der engen Emmernstraße miteinander vereinbaren lassen, ist den Anliegern obendrein noch ein Rätsel. Ein Geldtransporter vor der Sparda-Bank kann da schon zum Problem werden. Wo der gepanzerte Wagen „steht, da steht er“ und lasse sich sein Fahrer auch durch Gesten nicht zum Weiterfahren bewegen, so Filialleiter Dirk Zimmermann. Kein Lkw kam daran vorbei; der Stau war da. Doch auch wenn es für die Fußgänger demnächst „gefährlich eng“ werden könnte: „Die durchschnittlich 400 Kunden, die täglich an unseren Automaten Geld abheben, werden auch während der Bauzeit kommen“, ist sich Zimmermann sicher.



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