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Kunden reagieren betroffen auf Schließung des Penny-Marktes am Kastanienwall / Nicht wirtschaftlich

„Für uns ist das einfach nur ganz schlimm“

Hameln (kar). Der Penny-Markt am Kastanienwall macht dicht: Das hat die Hamburger Zentrale für die Nordregion der Penny-Märkte bestätigt. „Ende Juni ist Schluss“, sagt Pressereferentin Katrin Meyer. Betroffenheit bei den Kunden. „Eine Katastrophe“, sagt Gudrun Peter (60). Sie wohnt in der Baustraße, quasi um die Ecke. Nach zwei Knie-OPs kann sie keine weiten Strecken mehr laufen, macht ihre Einkäufe mit dem Rollator oder transportiert sie mit dem Fahrrad. „Ich kaufe alles hier bei Penny, weil alles da ist: Bio- und Light-Produkte, frisches Obst und Gemüse.“ Wo sie jetzt einkaufen wird?

veröffentlicht am 03.05.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Von Karin Rohr

Hameln. Der Penny-Markt am Kastanienwall macht dicht: Das hat die Hamburger Zentrale für die Nordregion der Penny-Märkte bestätigt. „Ende Juni ist Schluss“, sagt Pressereferentin Katrin Meyer. Betroffenheit bei den Kunden. „Eine Katastrophe“, sagt Gudrun Peter (60). Sie wohnt in der Baustraße, quasi um die Ecke. Nach zwei Knie-OPs kann sie keine weiten Strecken mehr laufen, macht ihre Einkäufe mit dem Rollator oder transportiert sie mit dem Fahrrad. „Ich kaufe alles hier bei Penny, weil alles da ist: Bio- und Light-Produkte, frisches Obst und Gemüse.“ Wo sie jetzt einkaufen wird? Schulterzucken: „Real in der Stadt-Galerie ist mir zu umständlich wegen der Rolltreppe und auch zu wenig überschaubar.“

Wie Gudrun Peter kaufen viele regelmäßig in dem kleinen Supermarkt am Kastanienwall ihre Lebensmittel für den täglichen Bedarf, waren dort schon Stammkunden, als der Discounter noch Plus hieß. Eine große Auswahl an zentral gelegenen Supermärkten hatten sie in den vergangenen Jahren ohnehin nicht mehr. Nachdem sich erst Karstadt von seiner Lebensmittelabteilung im Untergeschoss seines Warenhauses in der Osterstraße verabschiedete und später auch Bollmeyer-Lebensmittel an der Ritterstraße und Kaisers in der Osterstraße ihre Pforten schlossen, wurde es eng für Innenstädter, die zu Fuß ihre Einkäufe erledigen müssen. Wer im Herzen der Altstadt wohnt – in der Alten oder Neuen Marktstraße beispielsweise – und kein Auto besitzt, ist auf den Wochenmarkt oder auf den Discounter am Kastanienwall angewiesen; denn vor allem gehbehinderte, ältere Menschen scheuen den Weg zu Real in der Stadt-Galerie.

Grund für die Schließung des zentralen Penny-Marktes: „Rund 800 Meter weiter gibt es eine weitere Filiale“, sagt Katrin Meyer von der Hamburger Pressestelle. Zu dicht. „Kannibalisierung“ nennt man das in der Branche, wenn zwei Märkte der gleichen Kette in Wettbewerb zueinander treten. „Es ist für uns nicht wirtschaftlich, beide weiter zu betreiben“, erklärt die Pressereferentin und fügt hinzu: „Außerdem sind uns Parkplätze sehr wichtig und die gibt es bei der Filiale am Kastanienwall nicht.“ Aber beim Penny-Markt an der Süntelstraße. Und an der Bahnhofstraße. Oder an der Filiale Ziesenisstraße (B 83). Auch im Klütviertel (Kerschensteinerstraße) und in Afferde (Breslauer Straße) gibt es Penny-Märkte. Altstadt-Bewohnern ohne Auto aber nützt das herzlich wenig: Sie müssten schon lange Fußmärsche in Kauf nehmen, um weiter bei Penny einkaufen zu können. Denn selbst die noch am nächsten gelegenen Discounter an Süntel- oder Bahnhofstraße sind für jemanden, der in der Alten Marktstraße wohnt, weit weg. Vom Tütenschleppen ganz zu schweigen. Für die 80-jährige Ilse Buerhop aus Coppenbrügge war das bislang kein Thema. Sie kommt einmal pro Woche mit dem Bus nach Hameln und verstaut ihre Lebensmittel im Trolley, einer Art Reisekoffer. Zwar gibt es auch in Coppenbrügge eine Penny-Filiale, aber: „Die liegt zu weit draußen.“ Und da sie regelmäßig in Hameln sei, kaufe sie eben am Kastanienwall ein: „Weil das so schön zentral ist.“ Ana Bonaque, die alle ihre Einkäufe zu Fuß erledigen muss, findet die Schließung des letzten zentralen Lebensmittelgeschäftes „einfach nur schlimm“: „Ich komme gern hierher, weil die Ware frisch und gut ist“, sagt sie. Das unterstreicht auch eine 19-jährige Kundin, die namentlich nicht genannt werden will und ihren Einkaufswagen vollgepackt hat. Sie wohne gleich um die Ecke und habe hier gern und oft eingekauft. Aber da sie ein Auto besitze, werde sie jetzt wohl woanders einkaufen müssen.

Für die Kunden, die gestern Nachmittag an beiden Kassen Schlange standen, ist es ein Rätsel, dass am Kastanienwall nicht genug Umsatz gemacht werden soll: „Es läuft doch gut hier“, meint ein junger Mann und stellt kopfschüttelnd fest: „Hier ist es immer voll, man muss immer anstehen.“ Pralle Einkaufswagen aber sieht man selten. Meistens werden nur ein paar Artikel gekauft. Eben das, was man noch in Tüten nach Hause tragen kann.

Filialleiter Marcel Gökdemir will und kann zur Schließung nichts sagen: „Erst wenn der Bezirksleiter grünes Licht gibt.“ Dass die beengten Räumlichkeiten, die von Stammkunden als so „schön überschaubar“ geschätzt werden und das Fehlen von Parkplätzen nicht mehr modernen Marktmaßstäben entsprechen, aber weiß er auch. Standortnachteile, die die Immobilie für die Lebensmittel-Branche nicht attraktiv machen. Denn so bleibt es meist bei kleinen Einkäufen und zu wenig Umsatz: „Was hier insgesamt eingekauft wird, ist einfach nicht genug“, meint Gökdemir.



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