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Vortragsreihe "Confessio - ich bekenne" stellt die Evangelisch-Reformierten vor

"Für uns heißt es: Zurück zur Bibel!"

Rinteln (cok). Was unterscheidet eigentlich die verschiedenen christlichen Gemeinden im Landkreis? Woran genau glauben "die anderen"? Wie sind die Unterschiede entstanden? So in etwa ließen sich die Fragen formulieren, die in Rinteln hinter der neuen Vortragsreihe "Confessio - ich bekenne" stehen.

veröffentlicht am 19.09.2006 um 00:00 Uhr

Pastor Heiko Buitkamp

Nacheinander werden sich in dieser von der baptistischen Gemeinde initiierten Reihe alle elf Kirchengemeinden und Glaubensgemeinschaften des Landkreis Schaumburg vorstellen, wobei Pastor Heiko Buitkamp jetzt den Anfang machte undüber das Glaubensbekenntnis der evangelisch-reformierten Kirche referierte. Deren Gründer, Ulrich Zwingli, war ein streitbarer Zeitgenosse Martin Luthers, ein radikaler Reformer, der darauf bestand, dass allein das Wort Gottes die Grundlage kirchlichen Handelns sein dürfe. "Für uns hieß es immer: Zurück zur Bibel!", so Pastor Buitkamp. So steht im reformierten Gottesdienst die Lesung und Auslegung der biblischen Texte im Mittelpunkt, während die traditionelle Liturgie, der Wechselgesang zwischen Pastor und Gemeinde, in den Hintergrund tritt. Das Liederbuch enthält konsequent alle 150 biblischen Psalme, und die Bibeltexte für die Predigten sind nicht von der Kirche festgelegt, sondern dürfen vom Pastor frei gewählt werden (er kann sich zum Beispiel über viele Sonntage hin nur mit dem Johannesevangelium beschäftigen oder nur mit der Geschichte Hiobs). Einen weiteren Unterschied zur lutherischen und erst recht zur katholischen Kirche erkennt jeder, der sich schon einmal in der reformierten Jakobikirche in Rinteln umgesehen hat undüber die bilderlosen Wände, den schmucklosen Altar staunte, die Auswirkung des strengen Bilderverbotes. Auch die Rolle des Pastors ist gewissermaßen schmucklos. Als Angestellter der Gemeinde steht er Gott nicht näher als jedes andere Gemeindemitglied, was zum Beispiel bedeutet, dass nicht er, mit ausgebreiteten Armen, den Segen Gottes erteilt ("Der Herr segne Dich und behüte Dich"), sondern im Namen der Gemeinde spricht: "Wir bitten Dich um deinen Segen". Das alles macht einen ziemlich asketischen Eindruck, beruht aber auf dem Grundgedanken, dass die Gläubigen keinen nicht hinterfragtenKirchentraditionen und überkommenen Dogmen anhängen sollen. Deshalb stehen alle Bekenntnisse der reformierten Kirche unter dem prinzipiellen Vorbehalt, dass sie nur eine vorläufige Annäherung an Gott darstellen. "Ja, wir sind eine recht vorläufige Kirche, die immer neu über ihr Selbstverständnis reflektiert", erklärte Buitkamp. Der Anspruch, seinen Glauben in jeder Zeit wieder neu zu bekennen, führte die reformierte Kirche 1982 dazu, gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen Stellung zu nehmen oder aktuell daran zu arbeiten, ein Bekenntnis gegen ein Weltwirtschaftssystem abzulegen, das Millionen Menschen verhungern lässt. "Es sind die reformierten Christen in Afrika, die zu solchem Handeln drängen", so Buitkamp. Übrigens wählt die Gemeinde ihren Vorstand und ihre Pastoren selbst und es ist ausdrücklich gewünscht, dass sich nicht nur Theologen an der Führung des Gottesdienstes und der Leitung der Gemeinde beteiligen. "Wir wollen keinen Glaubensstreit um die allein seelig machende Kirche", so hatte Pastor Detlev Brandt die insgesamt in der Kirchenlandschaft ungewöhnliche Vortragsreihe eingeleitet. "Wir wissen alle, dass man Gott auf vielfältige Weise anbeten kann." Zum Schluss stellte sich heraus, dass alle Zuhörer mit ihren unterschiedlichen Bekenntnissen ohne Probleme den in der reformierten Kirche so wichtigen Psalm 68 mitsingen konnten: "Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm, sei unserem Gott im Heiligtum, der Tag für Tag uns segnet." Hinweis: Die Vortragsreihe wird 14-tägig fortgesetzt. Am Donnerstag, 28. Oktober, stellt sich die Gemeinde "Christen Ecclesia" aus Stadthagen vor.

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