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Tarifkonflikt im Baugewerbe: Gewerkschaft startet Warnstreiks auf altem Ceha-Bock-Gelände

Für 90 Minuten stehen die Kräne still

Bad Nenndorf (rwe). Großer Medienauftrieb gestern in der Bad Nenndorfer Innenstadt. Die Industriegewerkschaft Bau hat den Bau auf dem ehemaligen Ceha-Bock-Gelände lahm gelegt. 90 Minuten lang standen die Kräne still.

veröffentlicht am 08.06.2007 um 00:00 Uhr

Aufstellen für die Presse: Für einen Fotografen haben sich die s

Rote Fahnen, bunte Transparente. Farbenfroh präsentierte sich die Großbaustelle in der Bad Nenndorfer Innenstadt gestern Vormittag. Der Anlass war aber weniger fröhlicher Natur. Arbeitskampf herrschte von 9 bis 10.30 Uhr auf dem Areal, auf dem die Firma Niemeier aus Bad Nenndorf derzeit im Auftrag des Neustädter Immobilienunternehmers DirkWilhelm Rahlfs ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hatte zum Start ihrer Warnstreiks landesweit insgesamt 50 Baustellen für die Aktionen ausgesucht. "Für eineinhalb Stunden ruht der Betrieb", sagt Walter Grosser, Branchensekretär aus dem Bezirksverband Hannover. Dessen Kollegen und er sind sauer auf den niedersächsischen Arbeitgeberverband im Baugewerbe, der den Schlichterspruch ablehnt und die vereinbarte Tariferhöhung nicht zahlen will. Grosser kritisiert vor allem den Hauptgeschäftsführers Hans Espel. "Der will jetzt ganz aus dem Flächentarifvertrag aussteigen", so der Gewerkschaftsfunktionär. Das führe dazu, dass die Firmen eines Tages nur noch Mindestlohn zahlten. Der liegt laut Grosser für einen Maurer bei 12,40 Euro, der Tarif aber bei 14,56 Euro. Für Alexander Matthies, Handlungsbevollmächtigter bei Niemeier, kam der Warnstreik in Bad Nenndorf gestern zur Unzeit, denn die Handwerker sollten die Betondecken einziehen. 700 Quadratmeter waren geplant. "Die Fertigstellung löst die Zahlung des Bauherrn aus", erklärt Matthies. Verzögert sich die Arbeit, droht nicht nur ein vertraglich vereinbarter Abschlag, sondern kommt auch das Geld der Kunden später. Matthies: "Unsere Leute sollen aber pünktlich am 15. ihren Lohn haben." Mit Blick auf die Liquiditätsplanung hat das Unternehmen die Arbeitsabläufe optimiert. Jede Stunde rollte ein Wagen mit den Betonplatten an, die durch den Streik zunächst aber nicht abgeladen wurden. "Wir können die Zeit noch aufholen, vermutlich durch Überstunden", hoffte Matthies. Ein längerer Ausstand würde das Unternehmen aber empfindlich treffen. "Wir wollen die Arbeitgeber nur warnen", verteidigt Grosser den Stillstand. Vom 13. bis 15. Juni laufen die Urabstimmungen. Kommt es zu keiner Einigung und Folgen die Mitglieder einem Aufruf zum Streik, könnten die Kräne am 18. Juni erneut still stehen. "Ich glaube aber, dass die Betriebe das abwenden wollen und das Lager der Arbeitgeber gespalten ist." Nicht alle stünden hinter dem Verband und seinem Hauptgeschäftsführer. So direkt will sich Matthis dazu nichtäußern. "Wir bezahlen Tariflohn und haben auch nichts gegen eine Erhöhung", sagt er aber. Allerdings müsse diese ausgewogen sein. Auch wenn die Auftragslage am Bau derzeit gut sei, mittelständische Firmen wie seine stünden weiterhin unter einem großen Preisdruck.



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