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Arbeitsagentur bewertet Ausbildungsmarkt als "verhalten positiv"

Fünf Prozent mehr Azubi-Verträge - 600 Bewerber in Warteschleifen

Landkreis (crs). "Über den Berg sind wir noch lange nicht." Was die ersehnte Trendwende am Ausbildungsmarkt angeht, bleibt Friedrich-Wilhelm Rode skeptisch. Die Lage in Schaumburg zum 30. September aber bewertet der Leiter der Geschäftsstelle Stadthagen der Agentur für Arbeit als "verhalten positiv". Einer qualifizierten Schätzung zufolge ist die Zahl der in Schaumburg tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 5 Prozentpunkte auf 665 gestiegen. Lediglich 50 von ursprünglich 1315 gemeldeten Bewerbern sind noch unversorgt, ein Rückgang von 18 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

veröffentlicht am 12.10.2006 um 00:00 Uhr

Über die Aktion unserer Zeitung mit der Arbeitsagentur hat Dachd

"Die Befürchtung, vor einem großen Berg an unvermittelten Bewerbern sitzen zu bleiben, war nicht begründet", zieht Rode eine auf den ersten Blick erfreuliche Bilanz. Allerdings gibt es eine erhebliche Diskrepanz zwischen Bewerbern, die wunschgemäß in eine Ausbildungsstelle vermittelt werden konnten, und den jungen Leuten, die - teilweise zum wiederholten Mal - in die schulische Weiterbildung geschickt wurden. "Etwa 600 Jugendliche stecken in der Warteschleife", schätzt Rode auf der Grundlage bislang feststehender Zahlen, 40 mehr als noch 2005. Ein statistisches Problem ergibt sich für die Arbeitsagentur durch die zahlreichen Initiativen von allen Seiten. "Der Landkreis startet eine sinnvolle Aktion nach der anderen", lobt Rode insbesondere die Sensibilisierung der Fachlehrer an den Schulen; auch die Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerks-kammer (HWK) sei vorbildlich. "Weil wir dadurch den Markt nicht mehr alleine beherrschen, sind unsere Zahlen nicht valide", sagt Rode. So würden etliche Stellen bereits im Vorfeld vermittelt, ohne bei der Agentur überhaupt gemeldet zu sein - von der Schule direkt in den Beruf. Deswegen ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen (633) auch geringer als die der tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die nach den noch nicht endgültig ermittelten Ergebnissen von IHK und HWK bei 665 liegen müsste. "Es ist alles weniger dramatisch, als es aussieht", wiederholt Rode seine Einschätzung vom August. Auch wenn die gemeldeten Stellen ein Minus von 10,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr aufweisen: Wirklich entscheidend ist das Plus von etwa 5 Prozentpunkten bei den abgeschlossenen Verträgen. Für viel gravierender als den Überhang von Bewerbern im Vergleich zu gemeldeten Stellen - auf jede Ausbildungsstelle entfallen statistisch 2,1 Bewerber - hält Rode ein strukturelles Problem. 532 junge Menschen unter 25 Jahren sind trotz aller Praktika und Weiterbildungsmaßnahmen nicht ausbildungsfähig, sie sind ohne Berufsabschluss arbeitslos gemeldet. "Da haben wir alles gemacht", sagt Rode, "oft fehlt einfach die Leistungsbereitschaft." Das dürfte auch für die 50 noch unversorgten Bewerber gelten. Für sie ist die Nachvermittlungsaktion im Rahmen des Ausbildungspakts in vollem Gang. Jeder Jugendliche wird eingeladen, in einem mehrmonatigen Einstiegsqualifizierungs-Praktikum in einem Betrieb unterzukommen. Ob da alle 50 "Übriggebliebenen" vermittelt werden können? Rode lächelt. "Wenn die wirklich wollen, schon."

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