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Tödliche Falle

Fünf Mädchen sterben bei Feuer in «Escape-Room» in Polen

Koszalin (dpa) - Es sollte eine fröhliche Geburtstagsfeier unter Teenagern sein, sie endete tödlich: Bei einem sogenannten Escape-Game sind in Polen fünf Mädchen ums Leben gekommen.

veröffentlicht am 05.01.2019 um 14:50 Uhr
aktualisiert am 06.01.2019 um 08:22 Uhr

In einem Escape Room in Polen haben fünf Frauen ihr Leben verloren. Foto: Marcin Bielecki/PAP

Autor:

Michael Heitmann, dpa

Die Jugendlichen im Alter von 15 Jahren waren in einem Raum eingeschlossen und konnten sich nicht rechtzeitig retten, als in dem Gebäude in Koszalin im Norden des Landes ein Feuer ausbrach. Das berichtete die Agentur PAP nach dem Unglück vom Freitagabend unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Der Küstenort Koszalin (Köslin) liegt rund 180 Kilometer östlich von Greifswald.

Bei einem «Escape-Game» oder Fluchtspiel versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Sie muss dafür unter Zeitdruck bestimmte Rätsel und Aufgaben lösen. Escape-Games haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern zu einem Trend entwickelt. Beliebt ist das Fluchtspiel bei Familienfeiern und Junggesellenabschieden, auch in Deutschland gibt es viele Angebote.

Das Feuer sei im Vorzimmer ausgebrochen, teilte die Staatsanwaltschaft laut PAP am Samstag mit. Dort seien vier Gasheizer gefunden worden, die als Brandquelle in Frage kommen. Den Teenagern sei damit der einzige Fluchtweg versperrt gewesen. Ein Mitarbeiter habe die Tür zu dem Escape-Raum nicht mehr öffnen können. Alle Opfer seien an einer Vergiftung durch das Rauchgas Kohlenmonoxid gestorben. Der Betreiber war zunächst telefonisch nicht zu erreichen.

Ein 25 Jahre alter Mann erlitt schwere Verbrennungen. Er wurde am Samstag in eine Spezialklinik verlegt und konnte bislang nicht befragt werden. Nach Medienberichten handelt es sich um einen Mitarbeiter des Fluchtspiel-Anbieters.

«Die Feuerwehrleute mussten spezielle Ausrüstung und viel Körperkraft aufwenden, um ins Innere zu gelangen», sagte Feuerwehrsprecher Tomasz Kubiak dem Sender TVN24. Die Fenster seien verschlossen und verriegelt gewesen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe das Haus bereits in Flammen gestanden.

Bei einer ersten Begehung des Unglücksgebäudes habe die Feuerwehr zahlreiche Mängel festgestellt, wie PAP weiter berichtete. «Es war nicht genug Platz für diese Leute in diesem Raum», sagte der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski, laut PAP. Er sei nur etwa sieben Quadratmeter groß gewesen. Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden. Zudem seien Kerzen gefunden worden. Die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen.

«Die Opfer dieser Tragödie sind Kinder, 15-jährige Mädchen», sagte der polnische Innenminister Joachim Brudzinski im Sender TVN24. Sie hätten gemeinsam den Geburtstag eines der Mädchen gefeiert. Die Familien der Toten erhielten psychologische Hilfe, sagte der Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Der polnische Präsident Andrzej Duda sprach auf Twitter von einer «verheerenden Tragödie». Fünf fröhliche Mädchen seien vorzeitig aus dem Leben gerissen worden. Der Bürgermeister von Koszalin, Piotr Jedlinski, erklärte den Sonntag zu einem Trauertag. Der Umzug der Heiligen Drei Könige wurde abgesagt.

Koszalin liegt rund 160 Kilometer westlich von Danzig (Gdansk). Der Küstenort in der Woiwodschaft Westpommern hat knapp über 100 000 Einwohner. Auf Fernsehaufnahmen vom Unglücksort war zu sehen, dass die Polizei das zweistöckige Haus abriegelte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt - unter anderem sollen Zeugen und der Firmenbesitzer befragt werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Betreiber von Escape-Räumen in Polen bisher keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen müssen. Innenminister Brudzinski ordnete deshalb sofortige Überprüfungen der Brandschutzmaßnahmen in allen derartigen Objekten an. Die Inspektionen begannen am Samstag. Besonders im Blick stehe dabei die Möglichkeit einer schnellen Evakuierung im Gefahrenfall, hieß es. Die Behörden schätzten die Zahl der Escape-Räume in Polen auf rund 1000 - die meisten davon in Warschau.



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