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Wieder heiße Jagd auf kleine Preise: Die Lipper waren da / Reger Zulauf für Innenstadt und Freibad

Fronleichnam 2008: In Rinteln war Zahltag!

Rinteln. Es war kein Witz mit Bart, als gestern die Verkäuferin einer Rintelner Parfümerie ihrer Kollegin den regen Zustrom in der Fußgängerzone so erklärte: "Das ist doch immer so zum Frohen Leichnam, wenn die Lipper kommen."

veröffentlicht am 23.05.2008 um 00:00 Uhr

Eisgenuss und ein feuchter Hauch vom Brunnen: Bernd Günter und s

Autor:

Ulrich Reineking

Und wie sie wieder kamen, die Nachbarn aus Exter- und Kalletal: Ganz Ostwestfalen schien sich auf den Weg gemacht zu haben, den Feiertag zum Festival des Shoppens in Rinteln zu nutzen. Und auch in der Weserstadt hatte man sich ganz und gar auf die Gäste eingerichtet: Die Gastronomie lockte mit reichlich vielen Mittagsofferten um 5 Euro herum und einmal mehr bewies sich, dass die Lipper eine besondere Affinität zu Fisch und vor allem zu Fischbrötchen haben, die rasanten Absatz fanden. Allerdings hatten viele auch vom Angebot eines Sonderpostenmarkts Gebrauch gemacht, der für wenig Geld Angelzubehör verkaufte: Hoffentlich werden das nicht alles Selbstversorger bis zum nächsten Jahr! Ein um Spenden bittender Wandersmann, der sich mit dem Schild "Vagabund" vor einem Drogeriemarkt niedergelassen hatte, beeindruckte die Besucher allerdings wenig: "Ich gebe höchstens, wenn einer nur ein Bein hat", erklärte freimütig ein Herr, der gleich drei Damen im Schlepptau führte, die allesamt prallgefüllte Plastiktüten von Textil-Discountern mit sich führten. Und vor einem solchen Geschäft mäkelt gerade eine Kundin darüber, dass an dem Verkaufsrondell für T-Shirts und Kinderhosen das Preisschild ganz groß "1,99 Euro" auswies, dahinter aber noch in kleinen Buchstaben stand: "...und andere Preise". Was soll's - nicht mit ihr! Verärgert hängt sie das gute Dutzend Teile über ihrem Arm wieder an den Drehständer zurück. Ein Herr mit feschem Panamahut interessiert sich derweil für die Rasenkantenschneider, die ein rustikaler Herr aus dem Kalletal anbietet, verschwindet aber in einiger Panik, als dieser ihm die Funktionsweise erläutern und ihn womöglich in ein Verkaufsgespräch verwickeln will. Zwei mutmaßlich ebenfalls aus Lippe stammende Damen unterhalten sich derweil mit einigen Kugeln Eis "auf der Faust" über eine Dritte, die ausweislich der freizügigen Einblicke ihrer luftigen Kleidung nicht eben dezent tätowiert ist: "Würde ich nie machen, so was!", empört sich die eine - und angesichtsder Tatsache, dass sie schon einige Jahre im Rentenalter stehen dürfte, glauben wir das unbedingt. Gegen Mittag sind die Plätze rund um den Markt weitgehend ausgebucht und so bummeln wir noch über den Kirchplatz, wo sich zahlreiche Flohmarkthändler mit ihrem breit gefächertem Angebot präsentieren. Vor einem Stand mit gerahmten Sinnsprüchen schreibt sich gerade eine Dame dieses Verslein auf: "Diesmal soll es Liebe sein, alles andere hatten wir schon." Beiläufig wehrt sich der Standinhaber gegen diesen Diebstahl seines geistigen Eigentums mit den Worten: "Bitte nicht abschreiben", versucht aber gar nicht erst, seinen Anspruch durchzusetzen. Vermutlich wäre er damit auch auf Granit gestoßen, denn die Schreiberin ruft gerade ihrer Bekannten kostenbewusst zu: "Lass uns jetzt mal Kaffee trinken und Kuchen essen. Kostet da vorn zusammen nur zwofuffzig!" Fronleichnam 2008 in Rinteln. Zahltag für Handel und Gastronomie. Und immer wieder Gelegenheit zur Begegnung mit den besten Nachbarn, die wir haben - den Lippern!

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