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Interview mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft / Nach Herbstgutachten: Wo drückt das Handwerk der Schuh?

Fritz Pape: Gute Arbeit kostet eben auch gutes Geld

Landkreis. Dem aktuellen Herbstgutachten der Handwerkskammer Hannover zufolge ist ein Tempoverlust des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs zu erwarten. Trotz der von der Kammer als "erfreulich" eingestuften Entwicklung des Arbeitsmarktes habe die Kauflaune der Verbraucher nachgelassen, stellt Kammer-Geschäftsführer Jans-Paul Ernsting fest. Schaumburg belegt in der Regionalanalyse mit 43 Indexpunkten und deutlichem Abstand zu Spitzenreiter Hameln-Pyrmont (52 Punkte) den vorletzten Platz. Unsere Zeitung befragte den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Fritz Pape, nach den Hintergründen. Mit Pape sprach Herbert Busch.

veröffentlicht am 22.10.2007 um 00:00 Uhr

Fritz Pape analysiert die aktuelle Lage der Schaumburger Handwer

Herr Pape, wo drückt das Handwerk der Schuh? Nach wie vor geht im Bauhaupt und Baunebengewerbe viel Bauleistung durch Schwarzarbeit verloren. Dieser Verlust hat durch die Abschaffung der Meisterqualifikation in einigen Sparten deutlich zugenommen. Zudem hat dieÖffnung der Märkte zu einem Preiskampf geführt, der uns immer größere Kopfschmerzen bereitet. Darüber hinaus stellt die zunehmende Regulierung ein beträchtliches Problem dar. Gegenläufige Gesetzgebungsverfahren sind zwar immer wieder angekündigt, aber nicht umgesetzt worden. Außer "BlauemDunst" ist kaum etwas erkennbar. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Wegfall der Eigenheimzulage waren der Gesamtsituation ebenfalls nicht zuträglich. Die Aufhebung der Meisterpflicht wirbelt vor allen Dingen die Fliesenleger- und die Raumausstatterbranche durchein ander. Was passiert dort in der Praxis? Die Handwerkskammer berichtet von Personen, die sich bar jeder fachlichen, unternehmerischen und praktischen Kenntnisse in die Handwerksrolle eintragen lassen. Aus der Unkenntnis resultieren preisliche Fehlkalkulationen, die schnurstracks in die Insolvenz führen. Die Gefahr für die Auftraggeber ist, dass sie im Regressfall sozusagen mit doppelt leeren Händen dastehen. Der Nachteil für die Allgemeinheit ist das Minus in den Solidaritätskassen. Dieser Weg führt im schlimmsten Fall dazu, dass wir aus der "Sozialen Marktwirtschaft" den Begriff "sozial" werden streichen müssen. Trotz der als wenig rosig eingeschätzten Zukunftsaussichten meldet die Arbeitsagentur für den Landkreis eine Zunahme der Lehrstellen um mehr als 30 Prozent, viele Unternehmen suchen händeringend nach Ingenieuren und Fachkräften. Ist das ein Widerspruch? Nein. Der Lehrstellenboom hat auch damit zu tun, dass sich zahlreiche Betriebe reorganisiert haben. Außerdem mag ein gewisser Nachholbedarf hinter der Ausbildungskonjunktur stecken, die uns alle sehr positiv überrascht hat. In diesem Zusammenhang wird es natürlich spannend, die Entwicklung im kommenden Jahr zu verfolgen. Beim Hochqualifiziertenmangel können wir trotz mitunter bundesweiter Bemühungen nicht für Abhilfe sorgen. Wo es brummt, kann der Bedarf nicht abgedeckt werden. Richtig gute Leute sind verdammt rar. Sie gelten landläufig nicht als überaus missmutig und versuchen, dem Handwerk auf vielerlei Wegen Schwung zu verleihen. Bestehen Chancen, den vorletzten Platz der Prognosestatistik zu verlassen? Grundsätzlich ist ein erhebliches Potenzial für unsere Betriebe erkennbar. Der Verbraucher schätzt Qualität, muss aber stets aufs Neue davon überzeugt werden, dass gute Arbeit auch gutes Geld kostet. Unter diesem Aspekt sind die von uns in Zusammenarbeit mit den heimischen Kreditinstituten mitinitiierten regionalspezifischen Finanzierungsangebote förderlich. Speziell auf dem Feld der Energienutzung respektive Energieeinsparung ergeben sich vielerlei Möglichkeiten. Auch, dass hinsichtlich der zu Beginn unseres Gesprächs erwähnten Schwarzarbeit beispielsweise im Kfz-Gewerbe der Fortschritt der Technik den "Schrauberbuden" den Garaus zu machen scheint, ist ein positiver Gesichtspunkt. Herr Pape, die Kammer hält im letzten Satz des Herbstgutachtens reichlich unvermittelt fest: "Im Landkreis Schaumburg und in der Landeshauptstadt ... gehen die befragten Betriebe sogar von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage im kommenden Geschäftsverlauf aus". Drückt der Schuh womöglich gar nicht? Pape: Hinter diese Behauptung würde ich ein Fragezeichen setzen.

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