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Ohne Ausbildung wurde er Unternehmer, Gründer der ersten Sparkasse und Vorreiter des Sparkassenwesens

Friedrich Witte: Ein Schuster ohne Fehl und Tadel

Bad Eilsen (sig). Ein höchst ungewöhnlicher Mann war jener Friedrich Witte, der von 1792 bis 1857 in Bad Eilsen lebte und zum Vorreiter des gesamten Sparkassenwesens wurde. "Mich fasziniert, dass er eigentlich ohne Ausbildung war und dennoch mit 24 Jahren das erste Geldinstitut ins Leben rief", sagte uns Dr. Ulrich Pfingsten, ein Enkel in der dritten Generation. Ihm verdankt der Kurort die Ausstellung, die nur noch bis zum kommenden Mittwoch, 7. November, jeweils von 15 bis 18 Uhr in der Bahnhofstraße gegenüber der Christuskirche in Bad Eilsen zu besichtigen ist.

veröffentlicht am 05.11.2007 um 00:00 Uhr

Dr. Ulrich Pfingsten, ein Enkel Wittes in der dritten Generation

Es sei noch längst nicht alles, was an Dokumenten aus dem Leben und Wirken jenes Mannes überliefert wurde, versicherte uns der in der Luther-Stadt Wittenberg lebende pensionierte Wissenschaftler. Das wolle er noch im Laufe der nächsten Zeit nach und nach sichten, aber wann es dann wieder eine solche Ausstellung in Bad Eilsen geben werde, könne er noch nicht sagen. Ungewöhnlich ist bereits die Vorstellung, dass der heutige Badeort zu der Zeit, als Friedrich Witte auf dem damaligen Hof Nr. 1 geboren wurde, ganze 50 Einwohner zählte. Als er gerade erst fünf Jahre alt war, starb sein aus Kirchhorsten stammender Vater, gerade mal 30 Jahre jung. Das verstärkte die Not in einer Zeit, da Napoleons Heerscharen das Land verwüsteten. Es ist aber nicht überliefert, ob Witte auch eine Zeitlang als Soldat in den Diensten seines Landesherrn Fürst Georg Wilhelm stand, der den Franzosen Truppen stellen musste. Sicher ist dagegen, dass der junge Mann wie sein Vater als Schuster arbeitete und später in Bad Eilsen sogar eine Gerberei gründete, deren Leder er dann verarbeiten konnte. Die Genehmigung hierzu erhielt er vom Fürsten erst nach der in Schaumburg-Lippe sehr friedlich verlaufenen Revolution im Jahre 1848. Alle dazu gehörenden Gebäude sind allerdings in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts abgerissen worden. Über mehrere Generationen hinweg war der jeweilige Familienvorstand der Wittes in Bad Eilsen sowohl Sparkassendirektor als auch Bürgermeister und Standesbeamter. Entzückt war das Fürstenhaus über die Gründung der so genannten Sparlade im Jahre 1816 nicht. Es gab keine offizielle Genehmigung, aber man verhinderte diese Einrichtung auch nicht, die den kleinen Bauern und Handwerkern in Bad Eilsen und Umgebung helfen sollte. In das erste und damit auch zugleich wohlälteste Sparbuch der Welt wurden monatlich fünf Groschen eingezahlt, die für Notfälle bestimmt waren. Protokollarisch festgehalten worden ist, dass bis zum Jahre 1900 auf diese Weise 2245,90 Mark zusammengekommen sind. Ausgeliehen wurden auch kleine Beträge wie zwei und fünf Taler, und zwar an Kreditnehmer aus dem weiten Umfeld bis nach Bückeburg und Minden hin. Ein Kunde kam sogar aus Leese im Kreise Nienburg. Anfänglich lagen die Soll- und Guthabenzinsen auf einer Höhe. Damit fiel auch kein einziger Pfennig für den Rechnungsführer ab. Diesem Zustand bereitete der Fürst ein Ende, indem er darauf bestand, dass auf das jeweilige Guthaben niedrigere Zinsen gewährt wurden. Wie wertlos unser Geld im Laufe der Jahrzehnte geworden ist, merkt man zum Beispiel an der Tatsache, dass Friedrich Witte einst ein Pferd für fünf Taler erwarb und ein Kilogramm Bratenfleisch schon für sechs Groschen zu haben war. Auch solche Dokumente, die über scheinbar unbedeutende Handlungen Auskunft geben, sind noch in dieser bis Mittwoch gehenden Ausstellung in Bad Eilsen zu sehen, die unter dem Motto steht: "Schuster ohne Fehl und Tadel" mit dem Untertitel "Friedrich Witte (1792 bis 1857) und sein Bad Eilsen".



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