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Ein Leben für die Allgemeinheit: Verdienstkreuz am Bande für Ehrenbürgermeister Adolf Bartels

Freiwilliges Engagement, das viel Arbeit ist

Obernkirchen (rnk). Die Idee, dem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement ein sichtbares Zeichen zu verleihen, entstand am 70. Geburtstag von Adolf Bartels. Im Dezember 2005 fiel in einer Gesprächsrunde auf, dass eine so geachtete und vielseitig engagierte Person wie der Ehrenbürgermeister das Bundesverdienstkreuz noch nicht erhalten habe - aus Sicht der Gesprächsrunde gab es kaum jemanden, der diese Auszeichnung so verdient hätte. Vorgestern wurde nun Adolf Bartels das Bundesverdienstkreuz verliehen.

veröffentlicht am 04.09.2008 um 00:00 Uhr

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Willi Böger, der vor zwei Jahren den Antrag stellte, begründete in der Festansprache seinen Antrag und lieferte so einen detaillierten Lebens- überblick des Geehrten. Schon in seiner Jugend habe sich Bartels bei seiner ersten Beschäftigung auf Heye für seine jungen Kollegen eingesetzt und wurde zum Jugendsprecher gewählt. Gleichzeitig leitete er eine Jugendgruppe der Gewerkschaft - ein Engagement, das er später auch beruflich nutzen konnte, 1958 wurde er Gewerkschaftssekretär im Bezirk Nordrhein mit Sitz in Düsseldorf. 1955 trat er der SPD bei. 1988 wurde er erstmals in den Stadtrat gewählt, 1984 wurde er zum Bürgermeister gewählt; dieses Amt hatte er bis 2001 inne. Besonders engagiert hat sich Bartels im internkommunalen Partnerschaftsaustausch mit der französischen Stadt La Flèche, die er mehrmals privat und offiziell besucht habe, erklärte Böger, der auch das Wirken Bartels im kulturellen Leben der Bergstadt erläuterte: Das Kulturfenster wurde auf seine Initiative Mitte der 80er Jahre gegründet, auch beim Bildhauersymposium war und ist er einer der Förderer, der auch hinter den Kulissen wichtige Weichen stellte, damit das Symposium weiterhin stattfindet. Neben den politischen und kulturellen Interessen lag Bartels der Sport stets am Herzen. 1969 trat er in den SVO ein, beim Bau des neuen Vereinsheimes investierte er allein 900 Stunden seiner Arbeitskraft. Um das Projekt finanziell zu stemmen, regte er die Gründung eines Fördervereins an, der 2000 aus der Taufe gehoben wurde. "Und Sie dürfen raten, wer den Vorsitz übernommen hat", fragte Böger in die Runde. Auch für den Schützenverein hat sich Bartels stark engagiert. 1985 wurde er Mitglied im heutigen Schützenverein Beeke/Schauenstein, vor allem das Bürgerschützenfest habe Bartels über viele Jahre aktiv begleitet und mitgestaltet. Fast 40 Jahre ist Adolf Bartels zudem Mitglied im Rott Hütte, am Bau des Vereinsheimes und des Gerätehauses war er maßgeblich mitbeteiligt. Weitere Mitgliedschaften zählt Böger nur noch auf, die Zeit reichte für eine inhaltliche Würdigung nicht mehr aus: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Schutzgemeinschaft deutscher Wald, Arbeiterwohlfahrt, Männergesangverein, Gründungsmitglied des Kreisverbandes Schaumburg der Europa-Union. Wie die Arbeit Adolf Bartels für die Allgemeinheit aussehe, schilderte Böger auch: In den 80er Jahren war das Obdachlosen- und Asylantenheim der Stadt durch die Bewohner ziemlich heruntergewirtschaftet worden. In seiner Freizeit hat Bartels dann das Gerümpel aus dem Hause entfernt, die Außenanlagen aufgeräumt, den Garten umgegraben und den Rasen gemäht. Und damit gab er auch den Bewohnern ein positives Beispiel, durch das er sie animierte, ihre Wohnanlage künftig selbst in Ordnung zu halten. Böger: "Adolf Bartels war und ist jederzeit für alle Bürger, ob alt oder jung, ansprechbar. Er hatte immer ein offenes Ohrfür ihre Anliegen, er unterstützte ihre Belange und versuchte, den richtigen Weg zu finden." Ehrenamt, das sei freiwillige Arbeit, nahm Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier den Faden in seiner Ansprache auf: "Denn dass das Arbeit ist, vor allem in dieser Massierung, wird wohl niemand bezweifeln." Ehrenamt sei mehr als nur der Kitt der Gesellschaft, es sei Antrieb und Motor, bürgerschaftliches Engagement, ohne das die heutige Gesellschaft nicht mehr auskomme. Schöttelndreier: "Es ist immer wieder erstaunlich, bewundernswert und manchmal fast unglaublich, was Menschen alles ehrenamtlich schaffen und erreichen." Bürgerschaftliches Engagement sei ohne Frage das Lebenselixier in einer sozialen und demokratischen Gesellschaft: "Und damit das so bleibt, damit andere, die noch zurückstehen, dem nacheifern, deshalb müssen wir die ehrenamtlichen Verdienste von Mal zu Mal in den Vordergrund rücken." Gutes tun -und auch darüber reden: "Das auch, um der Gesellschaft zu demonstrieren, dass die örtliche Gemeinschaft, dass wir alle derartige Persönlichkeiten und Vorbilder brauchen. Das sind die Wasserträger, manchmal Lückenbüßer, manchmal Multiplikatoren." Das Ehrenamt und der Einsatz sollten aber nicht als selbstverständlich hingenommen werden, meinte der Landrat und verwies auf die Autobahn: "Es kann doch nicht selbstverständlich sein, dass Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner Zeit, Kraft und finanzielle Opfer einbringen, dass sie ihr Leben und ihre Gesundheit bei Echteinsätzen in Gefahr bringen." Das könne und dürfe nicht selbstverständlich sein. Nicht selbstverständlich, das war auch der fast lebenslange Einsatz von Adolf Bar-tels. Willi Böger und seine Geburtstagsrunde, sie haben damals die richtige Frage aufgeworfen.

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