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Vor Gericht: Erleichterung und Entsetzen

Freispruch für den Vater, Knast für den Sohn

Bückeburg (ly). Freispruch für den Vater, vier Jahre Haft für den Sohn - Erleichterung auf der einen, Entsetzen auf der anderen Seite: Mit ganz unterschiedlichen Urteilen ist vor dem Landgericht der Prozess um eine Fälscherbande zu Ende gegangen, die unechte Führerscheine aus Tschechien unter das Auto fahrende Volk gebracht hatte (wir berichteten).

veröffentlicht am 16.05.2007 um 00:00 Uhr

Anfangs hatten noch beide Bückeburger als illegale Vermittler gegolten. In drei Fällen nachweisen ließ sich das nach Überzeugung des Gerichts aber nur dem Sohn (39), der überdies einmal beim Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt worden war. "Er wusste, dass er mit gefälschten Führerscheinen handelt", so Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer. Zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt im September 2004. Der freigesprochene Vater (61) des 39-Jährigen, ein recht bekannter Geschäftsmann, hatte extra ein Gewerbe angemeldet und Anzeigen aufgegeben. Bei der Kundschaft handelte es sich um ahnungslose Verkehrssünder ohne Lizenz, die sich Zeit und vor allem den "Idiotentest" sparen wollten, auf ganz legale Weise übrigens. Bis zu 2800 Euro kostete ein Führerschein aus der Fälscherwerkstatt. Vermittler sollen Provisionen um die 30 Prozent kassiert haben. Was für ein Prozess! "Diese Hauptverhandlung hatte Einiges zu bieten", meinte Richterin Brüninghaus und zählte auf: "Schweigende Angeklagte, wortgewaltige Verteidiger und einen Kronzeugen, der die Anklage ins Wanken brachte." Einmal hatte sogar ein Gutachter einen Lachkrampf bekommen. An dem Tag war Erwin (57) in den Zeugenstand getreten, ein tschechischer Fahrlehrer und Kopf der Bande, gegen den ein süddeutsches Gericht wegen 464 Taten siebeneinhalb Jahre Haft verhängt hatte. In Bückeburg hinterließ Erwin, nach dessen Darstellung die Angeklagten ahnungslos waren, einen bleibenden Eindruck als liebenswerter Ganove mit komischen Talenten. Zum Lachen ist dem Verurteilten kaum zumute. Nachdem Staatsanwalt Frank Hirt ein Jahr Haft beantragt hatte, hätte er wohl im Traum nicht daran gedacht, dass daraus im Urteil vier würden. "Der Angeklagte hat dazu beigetragen, dass ungeeignete Fahrzeugführer am öffentlichen Straßenverkehr teilnahmen", erklärte Brüninghaus. "Er hat eine erhebliche Gefährdung bewirkt." Darüber hinaus habe der Mann, ein Bewährungsversager, Erwerber der gefälschten Führerscheine in die konkrete Gefahr einer Verurteilung gebracht, zum Beispiel wegen Urkundenfälschung. Ursprünglich war es um 18 Anklagepunkte gegangen, 14 davon wurden während der Verhandlung eingestellt. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.



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