weather-image
10°
Vor Gericht: Berufungskammerändert Urteil und entscheidet im Zweifel für den Angeklagten

Freispruch für den Eilser "Treckerfahrer"

Heeßen/Bückeburg (ly). Nach mehreren Niederlagen darf ein Buchholzer auf seinem Feldzug gegen Polizei und Bückeburger Justiz einen Sieg verbuchen. Die Berufungskammer des Landgerichts hat ihn vom Vorwurf des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis freigesprochen. In erster Instanz hatte das Amtsgericht gegen den früheren Justizvollzugsbeamten eine Geldstrafe in Höhe eines Monatseinkommens verhängt, dazu ein Jahr Führerscheinsperre.

veröffentlicht am 13.11.2007 um 00:00 Uhr

Bekannt geworden war der streitbare Eilser (55) als "Treckerfahrer vom Osterfeuer". Mehr noch: "Dieser Fall", so der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer leicht süffisant, "hat Justizgeschichte geschrieben." Der erste Prozess hatte eine Reihe von Folgeverfahren nach sich gezogen, vor allem wegen uneidlicher Falschaussagen (wir berichteten). Ausgangspunkt war das Osterfeuer 2000 in Heeßen, als der Buchholzer sich mit 1,9 Promille noch hinters Steuer eines Treckers geklemmt hatte, worauf er prompt erwischt und verurteilt wurde. Diesmal also Freispruch. Strahlend wirkt der Sieg indes nicht. Vielmehr sprach der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen von einem "Freispruch zweiter oder dritter Klasse". Die Kammer habe "im Zweifel für den Angeklagten" entschieden. Vor Gericht ließ sich nicht sicher nachweisen, dass der heute 55-Jährige zwei Tage vor Heiligabend 2006 auf der Heeßer Kastanienallee beim Holzfällen 50 Meter weit Auto gefahren ist. Im ersten Prozess vor dem Amtsgericht hatten zwei Polizisten ausgesagt, sie hätten gesehen, dass der Angeklagte gefahren sei. Einer der Beamten, seinerzeit Beifahrer im Streifenwagen, korrigierte sich jetzt: "Ich habe nicht gesehen, wie der Wagen fuhr", sagte er. Erblickt hatten die Beamten das auffällig beleuchtete Fahrzeug von der Bundesstraße, worauf sie in die Kastanienallee einbogen. Beim Eintreffen dort soll der Wagen an einer anderen Stelle gestanden haben, ausgestiegen sei der Angeklagte. Lediglich geschlossen hat der Ordnungshüter daraus, dass der Mann auch gefahren ist. "Als Beifahrer hatte der Polizist mehr Zeit für Aufmerksamkeit als sein Kollege, sah den Angeklagten jedoch nicht fahren", stellte Richter von Oertzen fest. Auf der Bildfläche erschienen waren die Beamten gegen 16.30 Uhr, nach Sonnenuntergang. "In der Dämmerung ist zu dieser Zeit im Dezember fast nichts mehr zu erkennen", erklärte von Oertzen. Außerdem habe sich leider niemand darum gekümmert, ob der Zündschlüssel im Wagen des Buchholzers steckte. Übrigens: Die Sache mit dem Osterfeuer ist für den 55-Jährigen trotz der rechtskräftigen Verurteilung noch nicht ausgestanden. "Wenn ich unschuldig bin, ziehe ich so etwas bis zum Letzten durch", sagte er und kündigte an, vors Bundesverfassungsgericht gehen zu wollen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt