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Vor Gericht: Gutachter stellt Unzurechnungsfähigkeit fest

Freispruch, aber jetzt droht rüdem Rentner die Psychiatrie

Bückeburg (ly). Der Terror hört nicht auf. Ungeachtet zweier einschlägiger Vorstrafen wegen Beleidigung sowie einer laufenden Bewährung schikaniert ein Bückeburger (74) weiter seine Nachbarn. Einen Mann, der im selben Haus wohnt, hat er als "Einbrecher", "Lügner" und "Betrüger" beschimpft. Und eine Nachbarin musste auf einem im Treppenhaus öffentlich aufgehängten Zettel lesen, sie besteche die Justiz, sei "eine Prostituierte" und "der Abschaum der Menschheit".

veröffentlicht am 27.06.2007 um 00:00 Uhr

Beide Taten gingen weit unter die Gürtellinie und direkt in den strafrechtlich relevanten Bereich. Dennoch blieb dem 74-Jährigen vor dem Amtsgericht eine Verurteilung erspart. Ein psychiatrischer Gutachter schließt nämlich nicht aus, dass der rüde Rentner zum Zeitpunkt der beiden jüngsten Beleidigungen im August 2006 aufgrund seines geistigen Zustandes schuldunfähig war. Weil Schuld die Voraussetzung für Strafe ist, hatte Richter Armin Böhm kaum eine andere Wahl, als den Angeklagten auf Kosten der Landeskasse freizusprechen. "Dies ist keine Belobigung und auch keine Aufforderung, so weiterzumachen wie bisher", warnte Böhm. Ganz im Gegenteil sogar, denn mittlerweile steht der 74-Jährige am Scheideweg. Eines Tages, so das Gericht, werde eventuell die Unterbringung in der geschlossenen Abteilung eines Landeskrankenhauses geprüft. Das könnte bedeuten: Psychiatrie - und zwar auf unbestimmte Zeit. In diesem Prozess war es nicht mehr nötig, den Gutachter zu vernehmen. "Für mich wäre das nicht schlimm", hatte der Angeklagte, dem seine Lage nicht ganz klar zu sein scheint, Richter Böhm siegessicher erklärt. Geheimnisvoll fügte er hinzu: "Dann sind andere dran. Und da gehören auch Sie zu, Herr Böhm." Bevor er zeternd den Saal verließ, behauptete der Rentner noch: "Zweimal hat man mich zusammengeschlagen." Niemand habe etwas unternommen, nicht die Polizei, nicht sein Rechtsanwalt. "So ist das in Bückeburg", klagte der Angeklagte. "Du musst erst totgeschlagen werden." Als Schläger ist bislang eher der 74-Jährige aufgefallen. So hatte er einen Wohnungsnachbarn (65) im Januar 2006 "auf die Fresse gekloppt", wie der rabiate Mann es selbst nennt. Dadurch kam auch eine Vorstrafe wegen Körperverletzung hinzu. Seine Ursprünge hat der Streit übrigens im Jahr 2000. Währendeiner Versammlung der Wohnungseigentümer soll ein Teilnehmer abfällige Bemerkungen über den Rentner gemacht haben. Seitdem häufen sich dessen Wutausbrüche gegen Nachbarn, Polizei und Justiz, werden Richter beleidigt, Hausbewohner geschlagen und Flugblätter verteilt. Der nächste Ausraster könnte in der Psychiatrie enden.



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