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Eltern wundern sich: Landkreis zahlt keine Fahrkarte, weil Sohn von Realschule kommt

Freie Busfahrt nicht für alle Berufsschüler

Schaumburg (mld). So hatte sich Familie Schlosser den Schulanfang nicht vorgestellt: Als Sohn Stefan von seinem ersten Tag an der Berufsbildenden Schule in Rinteln nach Hause kam, berichtete er seinen Eltern, dass er nach zehn Jahren Schule seine Busfahrkarte inzwischen selber bezahlen muss. "Das hätten wir ja so hingenommen", erklärt Stefans Mutter Silvia, "hätten wir nicht herausgefunden, dass er das Busticket selber bezahlen muss, weil er einen Realschulabschluss hat."

veröffentlicht am 30.08.2008 um 00:00 Uhr

Rein zufällig nämlich erfuhr Silvia Schlosser - von einem Mädchen, das genauso alt wie Stefan ist und dieselbe Schule besucht -, in welchen Fällen die Busfahrkarte noch vom Landkreis bezahlt wird: wenn man - wie sie - statt eines Realschulabschlusses einen Hauptschulabschluss besitzt. Hängt die Übernahme der Kosten also von der zuvor besuchten Schulform ab? "Ich habe mich schon geärgert", erzählt Silvia Schlosser. Ihr nächster Anruf galt der Schule, wo man sie aber an den Landkreis verwies. Der wiederum berief sich auf Paragraf 114 der Niedersächsischen Schulordnung, den Paragrafen über die Schülerbeförderung. Darin heißt es, dass die Kosten der Schülerbeförderungerstattet werden bis zur zehnten Klasse sowie bis zur ersten Klasse der Berufsfachschule - soweit die Schüler diese ohne Realschulabschluss besuchen. "Das Problem ist natürlich nicht die Schule, die kann nichts dafür", sagt Vater Dieter Schlosser. "Aber was ist denn das für eine Gerechtigkeit? Darüber sollten sich die verantwortlichen Leute mal Gedanken machen!" "Für Hauptschüler ist die erste Klasse der Berufsschule wie das zehnte Schuljahr", erklärt Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises, auf Anfrage. Realschüler dagegen haben bereits zehn Jahre lang die Schule besucht, das erste Jahr einer weiterbildenden Schule wäre dann wie der Besuch der elften Klasse der Oberstufe. Und das gilt unabhängig von der Schulpflicht, die für den 17-jährigen Stefan noch ein Jahr lang besteht. Das bestätigt auch Corinna Fischer, stellvertretende Pressesprecherin des Niedersächsischen Kultusministeriums, auf Anfrage hin. Und fügt hinzu: "Auch wenn man sich da als Schüler schon wundern kann." Ein Jahr Schulbeförderung kann leicht zu einer finanziellen Belastung für jede Familie werden. Die Busfahrkarte von Schaumburg nach Rinteln kostet laut Schlossers immerhin 38 Euro im Monat.



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