weather-image
13°
Frieder Korff entdeckte Fahne schon 1965 zwischen Schornstein und Dachsparren

"Frei ist das Herz, frei ist das Lied": Rote SAJ-Fahne jetzt in der Eulenburg

Rinteln (wm). 35 Jahre lang war sie gut versteckt, die rote Fahne der Sozialistischen Arbeiterjugend Rinteln. Im Jahr 1965 hat sie Frieder Korff beim Ausfegen des so genannten Kriech- oder Spitzbogens in einem ehemaligen Arbeiterhaus in der Friedrichstraße wieder entdeckt, eingeklemmt zwischen Schornstein und einem Dachsparren, sorgfältig in Ölpapier eingewickelt, mit einem Hanfbindfaden verschnürt.

veröffentlicht am 30.04.2007 um 00:00 Uhr

1965 schon hat Frieder Korff (r.) die Fahne in einem ehemaligen

Jetzt hat Korff die Fahne an das Museum Eulenburgübergeben. Er habe noch überlegt, ob er sie der Friedrich-Ebert-Stiftung schenken solle, erzählt Korff, sich dann aber doch für das Rintelner Museum entschieden. Museumsleiter Dr. Stefan Meyer nahm die Fahne erfreut in Empfang, denn: "Über die Arbeiterbewegung in Rinteln, speziell in der Glashütte, gibt es sonst so gut wie keine Dokumente, Fotos oder andere Dinge." Auf der einen Seite der roten Fahne ist mit gelbem Garn gestickt: "Frei ist das Herz, frei ist das Lied und frei ist die Jugend, die die Welt durchzieht." Schwarzes Schmierfett am unteren Ende der Fahne - Spuren, wie sie Fahrradketten hinterlassen - lässt vermuten, dass die jungen Sozialisten mit der Fahne auf Radtour waren. Die Sozialistische Arbeiterjugend saß, so sieht es Korff, mit Hitlers Machtergreifung zwischen allen Stühlen, den Rotfrontkämpfern auf der ganz linken Seite und der SA auf der rechten. Die Fahne muss, vermutet Korff, zwischen 1930 und 1933 auf dem Dachboden des Arbeiterhauses versteckt worden sein - wer sie zwischen Schornstein und Dachsparren geklemmt hat, weiß man nicht sicher. Korff hält es für wahrscheinlich, dass es möglicherweise die Kinder der Familie Kamp waren, die vor seinen Eltern in diesem Haus gewohnt haben und später aus Rinteln weggezogen sind. Korff, der auf der Glashütte tätig war, in Rinteln für die SPD im Rat saß und jetzt in Niedernwöhren wohnt, arbeitet zurzeit an einer Dokumentation, einem Buch über "Menschen auf der Hütte", einem Porträt der Glasarbeiter in Rinteln von 1875 bis 1968. Korff will vor allem zeigen, dass die Glashütte eine geschlossene Welt für sich war mit eigener Sprache, einem regen kulturellen Leben. So hat es eine Theatergruppe, einen Glasarbeitergesangverein und einen Mandolinenverein, eine Arbeiterradfahrerriege und einen Arbeitersportverein auf der Hütte gegeben, Arbeiter haben den ersten Konsum gegründet und unterhalten. Auf der Hütte waren unter anderem eine starke Gewerkschaft, der Glasarbeiterverband, die kommunistische Partei, die Naturfreundeorganisation, die SPD und die Arbeiterwohlfahrt aktiv.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt