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Weibliche Kandidaten in Minderheit – Migranten kaum vertreten

„Frauenpolitischer Offenbarungseid“

RINTELN. Mehr Frauen in der Politik! So lautete die Forderung der Wählergemeinschaft Schaumburg (WGS) Anfang letzten Jahres. Es war ein rein appellativer Antrag der WGS im Rat der Stadt Rinteln: Die Parteien sollten bei der nächsten Wahl mehr Frauen als bisher als Kandidaten aufstellen, auch damit in den Aufsichtsgremien künftig mehr Frauen präsent sind. Die Mehrheit im Rat der Stadt Rinteln stimmte dafür, die zehn anwesenden Ratsmitglieder der CDU stimmten dagegen. Ein Blick auf die Kandidatenlisten für Stadtrat und Ortsräte zeigt: Nicht alle Parteien sind diesem Appell nachgekommen. Darunter auch die WGS. Verschwindend gering bei allen Parteien und Wählergemeinschaften ist der Anteil an Kandidaten mit Migrationshintergrund.

veröffentlicht am 05.08.2016 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

Philipp Killmann

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Die SPD kommt bei ihren Kandidaten (64 Männer und 33 Frauen) für Stadtrat und Ortsräte auf einen Frauenanteil von 34 Prozent. Die CDU (62 Männer und 20 Frauen) kommt auf einen Frauenanteil von 24 Prozent, die WGS (67 Männer und 18 Frauen) auf 21 Prozent.

Deutlich vorne liegen die Grünen mit 57 Prozent. Dort sind die 16 Frauen gegenüber den zwölf Männern in der Mehrheit. Die FDP (sieben Männer und vier Frauen), die es bei der Wahl im September zurück in die Kommunalpolitik schaffen will, kommt immerhin auf 36 Prozent.

Insgesamt sind 71 Prozent der Kandidaten männlich und 29 Prozent weiblich. Derzeit werden Stadtrat und Ortsräte zu 72,5 Prozent von Männern und zu 27,5 Prozent von Frauen gebildet.

Für Ursula Helmhold, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, sind die Frauenanteile bei den Kandidaten von CDU und WGS „ein frauenpolitischer Offenbarungseid“, wie sie in einer Pressemitteilung schreibt. Dass die WGS mit ihrem Frauenanteil hinter der CDU zurückbleibt, ist für Helmhold ein Sinnbild für die Politik der WGS. „Dass ausgerechnet die WGS die rote Laterne in diesem Bereich trägt, zeigt beispielhaft, aus wie viel heißer Luft die Politik der WGS besteht“, meint Helmhold und erinnert an den Appell der WGS vom letzten Jahr, „bei künftigen Kandidatenaufstellungen auf eine geschlechterparitätische Besetzung der Kandidatenlisten hinzuwirken“.

„Der WGS-Berg kreißte und gebar eine Maus, den großen Worten folgte: nichts“, so Helmhold. Der CDU attestiert die Grüne zumindest Ehrlichkeit, die die Christdemokraten in ihrer Ablehnung des WGS-Antrags gezeigt hätten.

Helmhold habe gehofft, „dass den großen Worten (der WGS; Anm. d. Red.) vielleicht auch Taten folgen würden“. Stattdessen: „leere Versprechungen und nicht eingehaltene Selbstverpflichtungen – das kennen Frauen aus der Vergangenheit zur Genüge.“

Heinrich Sasse von der WGS zeigt sich unbeeindruckt von Helmholds Kritik. „Ich habe mir die Hacken abgelaufen, um Frauen als Kandidaten zu gewinnen“, sagt Sasse unserer Zeitung gegenüber. „Die große Politik habe es geschafft, die Bürger so zu frustrieren, dass sie der Politik auch auf dem Dorf den Rücken zukehren.“ Das gelte für Männer wie für Frauen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende und sein Stellvertreter waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Verschwindend gering bei allen Parteien und Wählergemeinschaften ist der Anteil an Kandidaten mit Migrationshintergrund. Während die SPD mit vier beziehungsweise fünf Kandidaten (eines dieser SPD-Mitglieder kandidiert sowohl für den Stadt- als auch für den Ortsrat) auf einen Anteil von sechs Prozent und die CDU mit einem beziehungsweise zwei Kandidaten (für Orts- und Stadtrat) auf zwei Prozent kommt, tritt für Grüne, WGS und FDP nicht ein einziger Kandidat mit Migrationshintergrund an. Somit haben nur drei Prozent aller Rintelner Kandidaten einen Migrationshintergrund.

Dem stehen 4119 Rintelner mit Migrationshintergrund gegenüber (Stand: August 2014), durch die aufgenommenen Flüchtlinge inzwischen vermutlich deutlich mehr. Das sind mindestens 18 Prozent.

Ein Anteil von Wählern oder potenziellen Wählern, der sich in den Rintelner Parteien und Wählergemeinschaften noch nicht einmal ansatzweise widerspiegelt.



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