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AWO schlägt Alarm: Neue Förderrichtlinie des Landes würde pro Jahr 15 000 Euro weniger bringen

Frauenhaus in Sorge: "Existenzbedrohend"

Landkreis (jl). Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Beirat des Schaumburger Frauenhaus schlagen Alarm. Grund ist die geplante Neuordnung der Förderrichtlinien für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind. Würde diese für Schaumburg angewendet, würde das ein Minus von 15 000 Euro jährlich für das Schaumburger Frauenhaus bedeuten. "Das ist durchaus existenzbedrohend", schätzt AWO-Kreisgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske die Lage in einem Pressegespräch ein.

veröffentlicht am 28.10.2006 um 00:00 Uhr

Nach Angaben von Hanauske will das Sozialministerium in Hannover drei Förderrichtlinien zu einer zusammenfassen. Die Begründung sei eine Verwaltungsvereinfachung. Diese führt aber nach den Darlegungen der Landtagsabgeordneten Ursula Helmhold zu "Verwerfungen im ganzen Land". Der Grund sei die Umstellung von prozentualer auf pauschale Förderung. Das heißt, die Schaumburger Einrichtung würde künftig pro Frau einen festen Satz bekommen. Nicht berücksichtigt werden laut Hanauske und Helmhold die Kinder, die die schutzsuchenden Frauen mitbringen, und das sind nach den Angaben der Mitarbeiterinnen des Frauenhauses recht viele. Hanauske hat ausgerechnet, dass das Land zurzeit 64 500 Euro erstattet und nach der neuen Richtlinie nur noch 49 600 Euro zahlen würde. Tarifsteigerungen der Mitarbeiterinnen muss die von der AWO getragene Einrichtung ohnehin bereits lange aus den Zuwendungen ihrer zweiten Finanzierungsquelle, dem Landkreis, bezahlen. Und angesichts dessen angespannter Finanzlage sieht es die AWO-Geschäftsführerin als aussichtslos an, von dort eine höhere Förderung zu bekommen. Dass es in Schaumburgäußerst problematisch werden könnte, machte Hanauske daran deutlich, "dass wir vor zwei Jahren bereits eine Mitarbeiterin aus Geldmangel entlassen mussten". Die vier verblieben Teilzeitkräfte seien seitdem enorm ausgelastet. Helmhold sieht in dem Entwurf Gefahren: "Das macht gewachsene Strukturen kaputt." Der Fördertopf des Landes solle gleich bleiben, aber bis jetzt sehe es so aus, dass vor allem Frauenhäuser im ländlichen Raum benachteiligt werden könnten. Deshalb hat die Politikerin das Thema auf die Tagesordnung des am kommenden Dienstag tagenden Sozialausschusses des Landtages gesetzt. Ihre Haltung werde von den frauenpolitischen Sprecherinnen aller Landtagsfraktionen unterstützt, so Helmhold. Ziel des Vorstoßes ist ein anderer Verteilungsschlüssel. Die Beiratsmitglieder Torben Sven Schmidt, Marion Klose (beide CDU) und Edeltraut Müller (WIR) unterstrichen, dass ohne eine ausreichende Finanzausstattung keine gute Präventionsarbeit möglich sei. Die Polizistin Klose beharrt darauf, dass diese Arbeit besonders bei von Gewalt traumatisierten Kindern wichtig sei. Werde das unterlassen, "haben wir später mit ihnen zu tun", sagte die Ermittlerin aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen.

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