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Jury besichtigt Schaufenster / Wie Männer und Frauen unterschiedlich reagieren

Frauen finden die rosa Bluse im Fenster toll - und kaufen grüne Hose

Ein Schaufenster, gewissermaßen außer Konkurrenz: Die Jury mit Andreas Gesswein (l.) und Karen Hannemann (r.) besichtigt den "Eine-Welt-Laden" an der Bäckerstraße. Foto: wm Rinteln (wm). Der Erfolg des Schaufensterwettbewerbs "Gelb trifft Orange", organisiert vom Stadtmarketingverein "Pro Rinteln" hat selbst dessen Geschäftsführerin Beate Behrens überrascht: 4000 Coupons, auf denen Kunden ihr Urteil über die Schaufenster abgeben können, habe sie drucken lassen und an die teilnehmenden

veröffentlicht am 16.03.2007 um 00:00 Uhr

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32 Geschäfte ausgegeben. Ein Rücklauf von 2000 wäre schon super gewesen, "doch innerhalb von vier Tagen waren alle Coupons weg - wir mussten nachdrucken". Gut 5000 Stimmzettel seien inzwischen eingegangen. Heute istübrigens für alle, die mitmachen wollen, die letzte Chance, ihren Schaufenster-Favoriten zu wählen. Ein Erfolg auch für die Geschäftsleute, so sieht es Behrens, denn die hohe Beteiligung zeige auch die Kundenbindung an Rinteln. Gestern haben sich zwei Profis die Schaufenster angeschaut und bewertet: Andreas Gesswein, Geschäftsführer von EuroDisplay, und Mitarbeiterin Karen Hannemann, staatlich geprüfte Werbegestalterin, inspizierten alle 32 Schaufenster - eine Wertung, die gemeinsam mit der Bewertung durch die Kunden dann Grundlage für die Preisvergabe ist. Andreas Gesswein und Karen Hannemann stellten den Einzelhändlern durchweg gute Noten aus. Viele hätten das Motto "Gelb trifft Orange" mit originellen wie witzigen Ideen umgesetzt. Manche Geschäfte, wie beispielsweise eine Parfümerie, hätten das Konzept sogar vom Schaufenster bis zur Präsentation der Ware im Geschäft und auf der Straße durchgehalten - wobei man berücksichtigen müsse, dass es je nach Branche unterschiedlich schwierig gewesen sei, das Motto umzusetzen: "Schuhe in Orange sind sicher schwer zu finden, bei Handtüchern und Bettwäsche dürfte das kein Problem sein." Gesswein betonte, Schaufenster könne man als effektives wie günstiges Werbemedium nicht hoch genug einschätzen: Es sei 24 Stunden präsent und der Aufwand für eine gute Dekoration überschaubar. Manche Händler unterschätzten auch, dass ein Schaufenster die Visitenkarte eines Geschäftes sei. Gesswein: "Das gilt für den Metzger wie für das Modegeschäft." Sehe ein Kunde, wie lieblos ein Schaufenster gestaltet worden ist, lasse das Rückschlüsse auf die Ware im Geschäft zu. Umgekehrt locke eine gute Dekoration, ein "verkaufsaktives Schaufenster" auch Kunden ins Geschäft. Hier sollte man nicht "am falschen Ende sparen," empfiehlt Gesswein: "Schaufenster beeinflussen nachweisbar den Verkaufserfolg." Positiv sei der Jury aufgefallen, dass in einigen Geschäften im Schaufenster "eine Geschichte erzählt" wird, eine Idee realisiert worden ist. Zu wenig berücksichtigt werde manchmal noch das unterschiedliche Einkaufsverhalten von Männern und Frauen. Gesswein: "Männer sind Schaufensterkäufer, die sehen etwas, was ihnen gefällt und kaufen es. Eine Frau findet die rosa Bluse im Schaufenster ganz toll und kommt mit einer grünen Hose aus dem Geschäft." Dass kein Filialist am Wettbewerb teilgenommen hat, bedauerte Gesswein, zeigte aber zugleich Verständnis: Filialisten seien von der Gesamtstrategie, dem Corporate- Identity-Konzept einer Kette abhängig. Schaufenstergestaltung würde bei Filialisten im Vorlauf von sechs bis acht Monaten geplant. Dann noch ein Statement zum Schluss: EuroDisplay habe oft Besuch von Kunden aus der ganzen Welt "und die sagen uns, Rinteln ist eine schöne Stadt". Er habe manchmal das Gefühl, dass nicht allen Rintelnern bewusst ist, dass Gäste die Stadt höher einschätzen, als es die Rintelner selber tun - daran sollte man im Sinne eines Stadtmarketings noch arbeiten. Rinteln habe als Einkaufsstadt, vor allem für Touristen, noch ein großes Potenzial. Das gelte es auszuschöpfen - "da kann man noch mehr tun".



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