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Vor Gericht: Freiheitsstrafe für Täter

Frau wehrt sich verzweifelt gegen Vergewaltigung

Bückeburg (ly). Mit dem Mut der Verzweiflung hat eine Bückeburgerin einen Mann, der sie vergewaltigen wollte, verprügelt und an der Tat gehindert. Trotzdem leidet die wehrhafte Frau (48), die bei dem Übergriff vor mehr als sieben Monaten verletzt worden war, noch immer an den Folgen, auch seelisch. Sie ist körperlich beeinträchtigt, kann daher nicht mehr die volle Stundenzahl arbeiten und muss regelmäßig zur Psychotherapie, um das Geschehen zu verarbeiten.

veröffentlicht am 22.08.2006 um 00:00 Uhr

"Noch heute habe ich Angst", sagt die 48-Jährige, die zwischenzeitlich aus Furcht umgezogen ist und vom Bückeburger Büro der Opferhilfe betreut wird. Unter Tränen fügt sie hinzu: "Abends kann ich nicht mehr allein rausgehen." Vor dem Schöffengericht hat das Opfer den Täter jetzt wiedergesehen. Wegen versuchter Vergewaltigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung wurde der Angeklagte zu 17 Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Gleichzeitig sprachen die Richter der Frau 2000 Euro Schmerzensgeld zu. "Die Folgen der Tat waren erheblich", erklärte Vorsitzender Dr. Dirk von Behren. In der Nacht zum Neujahrstag war der volltrunkene Mann (24) seinem Opfer nach Hause gefolgt. Die Frau kam zu Fuß von einer Silvesterparty. "Ich hatte das Gefühl, dass jemand hinter mir war, und ging schneller", erinnerte sich die 48-Jährige vor Gericht. "Da ging er auch schneller." Daheim wurde die Bückeburgerin in den Hausflur geschubst, gegen eine Wand gedrückt und massiv bedrängt. "Stell dich nicht so an, mach die Hose auf", lallte der Betrunkene. Doch anstatt dem Eindringling zu Willen zu sein, griff die Frau nach einem Stock und "prügelte den Angeklagten aus dem Hausflur heraus", so Staatsanwältin Christina Schulz. Mit dieser Niederlage mochte der Angreifer sich allerdings nicht zufrieden geben. Er versuchte, erneut ins Haus zu kommen, was ihm aber nicht gelang, um schließlich "wie ein Wahnsinniger Sturm zu klingeln". Danach konnte der Beinahe-Vergewaltiger zunächst entkommen. Gefasst wurde er, nachdem die Frau ihn einige Monate später in der Stadt wiedererkannt hatte. Während der Verhandlung entschuldigte sich der Mann ("Es sollte keine Vergewaltigung sein") bei seinem Opfer, was die Richter zu Gunsten des 24-Jährigen werteten. Zudem hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt, er ist nicht vorbestraft und war zum Zeitpunkt der Tat wegen seines Alkoholpegels nur vermindert schuldfähig.

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