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Vor Gericht gibt es jetzt die Quittung

Frau am Steuer mit 3,66 Promille - morgens um Elf

Bückeburg (ly). Mit einem Promille lässt sie ihr Auto noch lange nicht stehen. Auch nicht mit zwei. Ja nicht einmal mit weit mehr als drei Promille. "Sie sind eine fahrende Alkoholikerin", sagt Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber der Bückeburgerin mitten ins Gesicht. Ein Rechtsmediziner kommt zu dem Schluss, dass die motorisierte Rentnerin zeitweise tagelang nicht mehr nüchtern geworden ist.

veröffentlicht am 15.02.2008 um 00:00 Uhr

Am 11. August vergangenen Jahres hat sich die 51-Jährige mit 3,66 Promille Alkohol im Blut hinters Steuer gesetzt - und das morgens! Gegen 11 Uhr wurde die betrunkene Frau in Meinsen von Zeugen gesehen, als sie in Schlangenlinien fuhr, dann links vorbei an einer Verkehrsinsel. Dafür gab es vorm Amtsgericht jetzt die Quittung: 1500 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr, verbunden mit neun Monaten Führerscheinsperre. Das klingt fast noch moderat, aber diese 30 Tagessätze, ein Monatseinkommen, sind der übliche Satz für Ersttäter. "Sie sollten sich hinter die Ohren schreiben, dass sie ein massives Alkoholproblem haben, welches dringendst einer Behandlung bedarf", machte Richter Armin Böhm der Angeklagten klar. "Und sie sollten sich mit erhöhtem Tempo in Therapie begeben." Falls die Rentnerin wieder eine Fahrerlaubnis beantragen möchte, führt überdies kein Weg am so genannten "Idiotentest" vorbei, der bereits ab 1,6 Promille fällig wird. Angezeigt worden war die Bückeburgerin an jenem Sonnabend von einem älteren Ehepaar aus Rinteln. Der Mann (65) hat vor 50 Jahren einen Freund durch einen Verkehrsunfall verloren. "Ich habe mich gewundert, wie man um diese Zeit ...", sagte er über die Bückeburgerin, ohne den Satz ganz auszusprechen. Enden könnte er: "... schon so betrunken sein kann." Ein alarmierter Polizist fand die Alkoholikerin gegen Mittag im Haus einer Freundin, welche beim Eintreffen des Ordnungshüters sogleich sinngemäß erklärte, die 51-Jährige sei kurz zuvor betrunken mit dem Auto gekommen, habe noch mehr getrunken und liege nun auf dem Sofa. Vor Gericht wollte die Zeugin davon nichts mehr wissen. Plötzlich behauptete sie, ihre Freundin sei um Stunden früher auf den Hof gefahren, noch vor 8 Uhr. Bei dem anschließenden Besäufnis sollen eine Kiste Bier, zwei Flaschen Wein und anderthalb Flaschen Ouzo draufgegangen sein, wie die 44-Jährige voller Trinkerstolz berichtete. Nach dieser Darstellung könnte die Angeklagte gegen 11 Uhr nicht auf der Straße in Meinsen gewesen. War sie aber, denn Richter Böhm hält das für eine "Märchenstunde". Nun droht der Zeugin ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage. "Sie lügt wie gedruckt", so Staatsanwalt Schreiber. Umso bedeckter hielt sich die Angeklagte. Sie verweigerte die Aussage, plapperte dann aber ständig dazwischen. Nach dem Urteil brach die Rentnerin in Tränen aus.



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