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Kästner, Roth oder Busch auf der neuen Hörbuch-CD "Der Kuckuck ist ein scheues Reh"

Frank Suchland ohne Scheu vor den Großen

Bückeburg (to). Frank Suchland hat sein neuestes Erzeugnis vorgestellt: "Der Kuckuck ist ein scheues Reh" heißt das Produkt aus dem Bückeburger Haus "Contrapunkt". Gestern Abend stellte Frank Suchland "Der Kuckuck ist ein scheues Reh" vor - eine CD mit humoristischer und satirischer Lyrik.

veröffentlicht am 16.03.2007 um 00:00 Uhr

Dieses Hörbuch enthält viele wunderbare Gedichte von ernsthaften Spaßmachern zum Lachen, Schmunzeln oder Schenkelklopfen. Den Literaturfreund erwartet eine bunte Mischung aus witzigen Reimen, vergnüglichen Versen und klugen Blödeleien - nuanciert und locker vorgetragen von Frank Suchland. Beschwingte Blues- und Boogieklänge des Pianisten Stephan Winkelhake ergänzen diese kleine Sammlung, welche die Hörer einfach geistreich unterhalten will. Einfach: "Zähne hoch und den Kopf zusammenbeißen!" Zurücklehnen, Augen zu, CD abspielen. Dann öffnet sich die Chance für eine wunderbare, entspannende Stunde mit humoristischer und satirischer Versdichtung. Ein Wagnis ohnehin. Bernd Eilert, seit langer Zeit einer der größten Stilisten deutscher Sprache, hat in einer Lesung mit Robert Gernhardt einen Beitrag einmal ironisch so angekündigt: "Wir wollen ja nicht nur Prosatexte zum Vortrag bringen. Das wäre ja relativ einfach. Prosa kann man leicht verstehen. Wir wollen auch Gedichte vortragen, und das ist immer ein Experiment, weil viele Leute nicht an Gedichte gewöhnt sind und sich vielleicht über die Reime, die da am Ende auftauche, erschrecken." So ist es. Der Krimi hat's leicht, den versteht fast jeder. Breit und ausführlich wird das Boshafte dort an- und dargelegt, bei guter Bauart des Lesestoffs wird der Leser allmählich zur hoffentlich überraschenden Pointe geführt. Ungleich härter trifft's da ein humoristisches oder satirisches Gedicht. Gedrängt, auf minimalen Platz verdichtet (sonst hieße es auch nicht Gedicht, sondern Gebrei), auf minimalen Platz komprimiert, werden dort Geschichten erzählt und verlangen dem Kunden viel Zuneigung und Wohlwollen ab. Und unter guten Herstellungsvoraussetzungen ist derlei - zurÜberraschung des Lesers - vielleicht anfangs verschlüsselt, aber mit einer ungleich besseren Pointe gesegnet als jeder noch so spannende Kriminalfall. Davon hat Frank Suchland - wieder - eine ganze CD abgeliefert, und er hat sich als Rezitator gleich an die ganz großen Namen gewagt: Heinz Erhardt, Erich Kästner, Eugen Roth, Robert Gernhardt, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Gotthold Lessing, Heinrich Heine und - das muss immer sein - Wilhelm Busch. Eine feine Auswahl, die Suchland hier zu einem Vortrag gemixt hat. Was soll in diesem Fall auch schief gehen? Das Material ist bekannt und will nur richtig ausgewählt sein durch einen Rezitator, der mit seinem freundlichen Vortrag vielem die Härte und die Schärfen nimmt. Das macht's nicht beliebiger, sondern manche Pointe noch überraschender. So gelingt Suchland die "Deutung eines allegorischen Gemäldes" - ein Meisterwerk, bei dessen Klang das wichtigtuerische Pack aus Kulturbetrieb und Feuilleton gern zusammenzucken darf - besser im Vortrag, als dessen Urheber, dem Busch-Preisträger, den man gern hat. Was soll man zu solch einer Produktion noch mehr sagen oder schreiben? Höchstens, dass das Sponsoring der Sparkasse Schaumburg gut platziert ist in diesem Fall. Und: Das gute Stück ist im Handel erhältlich. Deutlicher sollte eine Verbraucherempfehlung nicht formuliert sein müssen.



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