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Vernissage mit moderner Kunst in der Eulenburg /"Rimini" als Schule des Sehens

Fotografien, Skulpturen, Experimente

Rinteln (ur). Viele neue Gesichter konnte Museumsleiter Dr. Stefan Meyer bei seiner Begrüßung zur Sonderausstellung "Rimini" gestern in der Eulenburg begrüßen - und das lag nicht nur an der konzeptionellen Absicht, mit Ausstellungen aktueller Kunst ein neues Publikum für das Museum zu gewinnen, sondern auch daran, dass viele Kunstfreunde aus dem benachbarten Westfalen erschienen waren, um die Arbeiten der ausstellenden Künstler aus Minden zu betrachten. Auffällig dabei: der doch etwas höhere Anteil von Dior-Brillengestellen, extravaganten Handtaschen mit "Klaumich"-Symbolen, geschnürten Lederhosen und samtbesetzten Schuhen unter den Anwesenden.

veröffentlicht am 08.10.2007 um 00:00 Uhr

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Kunstvereinsvorsitzender Peter Weber machte deutlich, dass es sich bei der Kooperation von Ulrich Kügler, Gunnar Heilmann, Hartwig Reinboth und Hans Werner Senf nicht um eine Gruppe mit einer gemeinsamen künstlerischen Intention handelt, sondern um ein lockeres Miteinander höchst unterschiedlicher Individuen und Vorstellungen. Allerdings korrespondierten die Arbeiten schon deshalb, weil sich die Künstler vorgenommen hatten, zur Hängung keine Nischen mit ihren jeweils eigenen Exponaten zu besetzen, sondern den Raum als Herausforderung für ein kommunikatives Miteinander zu nehmen. Mit Bernhard Sprute aus Bad Oeynhausen hatte die Vorstellung der Künstler und ihrer Arbeiten ein Mann übernommen, der selbst schon zweimal das Museum als Ausstellungsort bespielt hatte und damit die besonderen Bedingungen dort kennt. Sprute ließ es fast ein wenig dadaistisch "schwittern", als er die Mindener mit teilweise recht abenteuerlichen Assoziationen zu ihren Eigennamen vorstellte. Reinboth wurde für ihn zum "Rheinboot", das im Fluss der Dinge diese stets "in gute Beziehung" setzen wolle. Mit seiner fröhlich stimmenden Bodenskulptur "Lido" aus bunt bemalten Bauschaumobjekten setzt er den Mittelpunkt im unteren Ausstellungsraum. Aus Ulrich Kügler machte er den experimentellen Kugelmacher, der "versucht, um zu erfahren". Seine Materialzusammenfügungen aus "rohen" Revell-Modellflugzeugen seiner "Piloten im Chaos" lassen den Zusammenhang mit den kleinformatigen Flächenbildern nicht sofort erahnen. In Gunnar Heilmann assoziierte Sprute den, der Menschen mit der Natur und dadurch auch die verletzte Natur selbst heilen will: Mit Frottagen von Baumschnitten erhebt Heilmann das zur Kunst, was etwa in den Baumringen und Maserungen zunächst nur als Natur erscheint. Bei Hans Werner Senf hebt Sprute den Senf als schärfendes Element hervor. Der scharfe Blick des Fotografen und Mathematikers auf Natur und menschlich geschaffenes Umfeld als Beitrag zum bewussteren Verstehen von Wirklichkeit - sehr ausdrucksstark zu erleben an dem Quadro-Großformat "Überführung" im oberen Stockwerk, wo in unterschiedlicher fotografischer Bearbeitung und Beobachtung die Ästhetik einer alltäglichen Überführung vom technischen Monument zur grafischen Struktur erkennbar wird, die sich von ihrer ursprünglichen Funktion fast völlig entfernt. Als "Schule des Sehens" darf diese Ausstellung bis zum 28. Oktober (dienstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr) in Anspruch genommen werden.

Auch Hans Werner Senfs "Überführung" kann bis zum 28. Oktober im
  • Auch Hans Werner Senfs "Überführung" kann bis zum 28. Oktober im Rahmen der "Rimini"-Ausstellung im Rintelner Heimatmuseum betrachtet werden.

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