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Historiker-Projekt der Schaumburger Landschaft und unserer Zeitung / Buch soll 2008 erscheinen

Forschungüber NS-Karrieren in Schaumburg

Landkreis (crs). Dass der Nationalsozialismus nicht nur eine Diktatur "von oben" war, sondern sich breiter Zustimmung "von unten" erfreute und auch durch die Initiative lokaler Akteure getragen wurde - das will das aktuelle Buchprojekt der Schaumburger Landschaft anhand von ausgewählten Schaumburger Karrieren exemplarisch darstellen. "Karrieren im Nationalsozialismus" lautet der Arbeitstitel der Publikation, deren Inhalt Projektleiter Frank Werner, Historiker und Chefredakteur unserer Zeitung, bei einem Arbeitstreffen vorgestellt hat.

veröffentlicht am 26.05.2007 um 00:00 Uhr

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Geplant sind Aufsätze zu 13 historischen Personen, darunter Vertreter der Partei, der staatlichen Verwaltung, gesellschaftlicher Gruppen sowie besonders prominente Einzelfälle. Aber es geht auch um die "kleinen Täter", um Gewaltakteure und Denunzianten unter den "ganz normalen" Bürgern Schaumburgs. Relativiert wird in der NS-Forschung mittlerweile die These eines Dualismus von Partei und Staat, also die Vorstellung einer aktiv weltanschaulich handelnden Partei und einer zögerlich bis widerständigen Beamtenschaft. So wird die Rolle von Parteiführern und staatlichen Funktionsträgern gleichermaßen untersucht. An der Publikation arbeiten zwölf Historiker, Juristen und Journalisten mit: Frank Werner, Wilhelm Gerntrup, Dr. Lu Seegers, Dr. Stefan Brüdermann, Thomas Riechmann, Dagmar Giesecke, Michaela Kipp, Wilfried Knauer, Christine Wolters, Tanja Theiß, Martin Steffen und Jörg Diestelmeier. Das Buch soll im kommenden Jahr erscheinen. Zu den NSDAP-Parteikadern, die in der Publikation porträtiert werden, zählen Alfred Meyer als Gauleiter Westfalen-Nord und Stellvertreter Alfred Rosenbergs im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, Karl Dreier als Kreisleiter und Landespräsident in Schaumburg-Lippe sowie Gustav Reineking als Kreisleiter für die Grafschaft Schaumburg. Staatliche Funktionsträger waren Hermann Gebbers, Landrat für Stadthagen-Bückeburg, und der Bückeburger Bürgermeister Albert Friehe. Auch Handlungsspielräume in gesellschaftlichen Gruppen wie Wirtschaft, Justiz oder Presse werden an einzelnen Beispielen erklärt. So verkörpert Walter Schmidt in seiner Funktion als Steinbruchunternehmer einen Fall aus der Wirtschaft (Thema Zwangsarbeit), Heinrich Zwitzers rückt als Bückeburger Landgerichtspräsident in den Fokus, und Adolf Manns als Propagandaredner und Schriftleiter der "Schaumburg". Außerdem wagt das Buch einen Blick auf die NS-Frauenschaft in Schaumburg, deren Wirken - das gilt jedoch für fast alle untersuchten Fälle - bislang weitgehend unbekannt ist. Darüber hinaus werden besondere Karrieren mit Schaumburger Wurzeln analysiert: der Mediziner Gerhard Rose vom Robert-Koch-Institut, Fritz Schmidt als Generalkommissar für die besetzten Niederlande sowie der Goebbels-Adjutant Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe. Auch gesellschaftliche Phänomene wie die Denunziation oder der gewaltbereite Antisemitismus von unten sollen nicht losgelöst, sondern angebunden an handelnde Akteure dargestellt werden. Die Publikation ist auch auf Zeitzeugen angewiesen. Hinweise, Kenntnisse oder Quellen nimmt die Redaktion der Schaumburger Zeitung gerne entgegen: f.werner@schaumburger-zeitung.de.



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