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Plattdeutsche Bühne Ilvese erntet beim Auftritt in Müsingen reichlich Applaus

Flugangst pur: "Ne Hansi, die Luft ist für Vögel, nich für unsereiner"

Müsingen (mig). Des einen Freud, des anderen Leid: Als Viehdoktor Roland de Ries erfährt, dass er eine Flugreise nach Indien gewonnen hat, ist er entsetzt. Im Schwank "Roland schall fliegen", den die "Plattdeutsche Bühne Ilvese" im Dorfgemeinschaftshaus Müsingen aufführte, zieht der Tierarzt nach und nach alle Register, um nicht in den Urlaubsflieger steigen zu müssen.

veröffentlicht am 07.03.2007 um 00:00 Uhr

Zum 9. Mal war die Plattdeutsche Bühne in Müsingen - die Zuschau

Für Roland de Ries (Harald Friedrichs) ist es der schwärzeste Tag seines Lebens. Nach der Gewinnübergabe durch Vertreter Otto Cornelius Puhfahl (großartig bieder: Gerd Nürge) ist der unter Flugangst leidende Tierarzt am Boden zerstört. Er weiß nur eins, auch wenn seine Frau Herma (bestens besetzt mit Petra Friedrichs) ihn für eine "Bangeböx" hält: In einen Flieger kriegen ihn keine zehn Pferde. Damit wenigstens die Nachbarn nichts von seiner Flugangst erfahren, beschließt der Tierarzt Tante Ubine (Renate Küster) und Tochter Anja (Stephanie Friedrichs) reisen zu lassen. De Ries und seine Gattin wollen sich während dieser zwei Wochen im Haus verstecken - die Bekannten sollen glauben, sie seien in Indien. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als der neugierige Gerüchtekoch Krüschan Halvekatt (Herbert Strohmeier spielt den listigen Schreiberling mit entsprechender Mimik) mit seinem Kanarienvogel Hansi bei ihm auftaucht. Der kleine Piepmatz und der große Halvekatt ("ne Hansi, die Luft ist für Vögel, nich für unsereiner") bringen den Viehdoktor im Verlauf der Behandlung völlig durcheinander. Um das Maß voll zu machen, hat Tante Ubine währenddessen ihr Flugticket an Hanno Haag (Mario Ronnenberg) abgetreten - der junge Mann ist Anjas heimlicher Verlobter und Sohn eines alten "Feindes". Bis zur letzten Minute türmt sich Verwicklung auf Verwicklung, Irrung auf Wirrung, erst ein überraschender Schluss durchtrennt den gordischen Knoten mit einem Schlag. Ein Happy-End mit Knalleffekt. Fazit des Abends: Das Volksstück von Hans Gnant (plattdeutsch von Arthur Speck) ist eine echte Entdeckung. Lustig, ohne klamottig zu werden, nimmt der Autor den Dorfalltag aufs Korn; jeder kennt jeden, alle wissen alles. Zu einem echten Leckerbissen machte das Stück aber erst die schauspielerische Leistung der Darsteller. Die Rolle des hemdsärmeligen Viehdoktors ist Harald Friedrichs auf den Leib geschneidert, seine Gattin mit Petra Friedrichs bestens besetzt.



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