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Dönhoffs fanden bei Augenarzt von Tippelskirch Quartier / Lesung am 3. November

Flucht endet im März 1945 in Bad Eilsen

Bückeburg / Eilsen (tw). Wenn Tatjana Gräfin Dönhoff am kommenden Freitag, 3. November, um 19.30 Uhr im Le-Theule Saal des Ratskellers aus ihrem Buch "Weit ist der Weg nach Westen" liest und dabei die Fluchtroute ihrer Großtante von Marion Gräfin Dönhoff nachzeichnet, wird vor allem eine Mitteilung die Zuhörer aufhorchen lassen: Die 1500 Kilometer lange Odyssee zu Pferd, die am 22. Januar 1945 in Quittainen (Ostpreußen) ihren Anfang nahm, endete im März 1945 - in Bad Eilsen.

veröffentlicht am 31.10.2006 um 00:00 Uhr

Liest aus "Weit ist der Weg nach Westen": Tatjana Gräfin Dönhoff

Das berichtet die Autorin, soeben von einer Reise nach Russland zurück, der Landes-Zeitung auf Anfrage am Telefon: "Ja, der Kurort war Endstation des acht Wochen währenden Ritts", so die Autorin und Großnichte der im Jahre 2002 verstorbenen "Zeit"-Herausgeberin. Warum die Dönhoffs Bad Eilsen als Zielpunkt gewählt hatten, sei im Detail nicht mehr nachzuvollziehen. Klar sei aber allemal: Die Familie habe dort ein Obdach in der Privatvilla des Augenarztes Dr. Friedrich von Tippelskirch gefunden. Er unterhielt im Haus "Klipenkamp" (heute als "Waldhof" bekannt) am Ende der Harrlallee eine weltberühmte Klinik. "Der Kontakt zu von Tippelskirch war bereits in der Vorkriegszeit zustande gekommen", so Tatjana Dönhoff. Vermutlich über die Großmutter, die ein Augenleiden hatte. "Kannte man eine Kapazität, die Linderung versprach, lohnte es, dafür weit zu reisen", sagt die Autorin. Tatsächlich sorgte von Tippelskirch gemeinsam mit dem Augenarzt Dr. Maximilian Graf Wiser durch seine Heilkunst dafür, dass Bad Eilsen zwischen 1928 und 1939 zu einem kleinen Weltbad wurde, in dem sich europäischer Hochadel, Maharadschas aus Indien, Häuptlinge aus Afrika und wohlhabende Leute aus Wirtschaft, Politik und Armee einfanden. Aber auch weltbekannte Künstler, darunter der Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, die Elite der Filmschauspieler und die Stars der Opernbühnen wählten immer häufiger Bad Eilsen zur Behandlung oder Erholung aus. Tatjana Dönhoff: "Die Kapitulation am 8. Mai 1945 hat die Familie auf jeden Fall noch bei von Tippelskirch in Bad Eilsen erlebt." Auch danach seien die Dönhoffs noch mehrere Wochen im Kurort geblieben, vielleicht sogar bis zum Sommer. Irgendwann um diesen Zeitpunkt herum habe die Familie dann eine neue Bleibe in der Nähe von Hannover gefunden. Karten für die Lesung "Weit ist der Weg nach Westen - Auf der Fluchtroute von Marion Gräfin Dönhoff" gibt es für neun Euro bei den Veranstaltern: dem Kulturverein Bückeburg und der Hofbuchhandlung Frommhold.

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