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750 Jahre Ahnsen: Schnatgänger erleben Geschichte hautnah / Film wird an Jubiläum erinnern

Florierende Geschäfte und eigene Gefängniszelle

Ahnsen (sig). Stolze 750 Jahre alt ist Ahnsen. Die Ortsgründung liegt vielleicht noch länger zurück. Es gibt Unterlagen aus dem Jahre 1256, in denen der Name "Ahusen" erstmalig auftaucht. Also haben die Ahnser einen handfesten Grund, zu feiern. Und das fing jetzt gleich gut an - mit einem Schnatgang, an dem so viele Einwohner teilnahmen wie nie zuvor.

veröffentlicht am 27.04.2006 um 00:00 Uhr

Dazu eingeladen hatte die Gemeinde, die für das Jubiläum eigens einen Festausschuss gebildet hat. Und der sorgte zugleich dafür, dass dieser Auftakt im Jubiläumsjahr in Wort und Bild festgehalten wird wie alle anderen Ereignisse, die aus diesem Anlass in der nächsten Zeit noch anstehen. Dieter Gutzeit und Manfred Bamberg begleiteten die Schnatgänger mit der dafür erforderlichen Aufnahmetechnik. Am Ende soll ein abwechslungsreich gestalteter Film herauskommen. Deshalb wurde der Schnatgang diesmal auch zu einer besonderen Herausforderung für die 70 Mitmarschierer. Bürgermeister Heinz Grabbe führte sie nämlich nicht nur durch einen Teil des Dorfes sondern rundherum. Zusammen mit seinen umfangreichen Erläuterungen und der notwendigen Verpflegungseinnahme wurde das eine Tagestour, bei der die Teilnehmer leider mehr als einmal die Schirme aufspannen mussten. Gestartet wurde am Mehrzweckhaus. Dort erinnerte Grabbe noch einmal daran, dass der heutige Ort aus drei verschiedenen Ortsteilen hervorgegangen ist. Dazu gehörten noch Widdensen und Neumühlen. Zwei Bauernhöfe (heute Möller und Lohmann) und 17 Häuser bildeten das bis vor dem "Dritten Reich" noch selbständige Widdensen, das vom Nordhang des Harrls bis zum Sportplatz reichte. Zum Zeitpunkt der Eingemeindung hatte Ahnsen immerhin schon hundert Häuser. "Damals wollte kein Grundstücksbesitzer seine niedrigen Hausnummern aufgeben. Um diese Probleme zu umgehen, wurden eben auch die Bezeichnungen 1a und 2a eingeführt", berichtete der Bürgermeister. Ein Gewerbetreibender habe sogar gegen den Fürsten prozessiert, weil er kein Ahnser werden wollte. Er beabsichtigte, auf seinem Fahrzeug weiterhin die alte Adresse aus Widdensen zu führen. Dieses Unterfangen kostete ihn 50 Goldmark. Das Schulgebäude entstand ebenfalls in Widdensen, und zwar in den Jahren 1876 und 1877. Man mag es kaum glauben: Der erste Lehrer hatte 84 Kinder zu unterrichten, als die zweite Lehrkraft bestellt wurde, da waren es bereits 146. Auch die Schüler aus Bergdorf kamen hierher. Übrigens unterrichtete auch der inBückeburg unvergessene Sportlehrer Bruno Petzke in Ahnsen. Es gab Zeiten, da konnte man Ahnsen als ein Dorf bezeichnen, das sich selbst versorgte. Vom Bäcker über den Schlachter, den Lebensmittelhändler, den Schuster, Schlosser, Zimmerer und Schmied war hier alles vorhanden. Der Kohlenhändler fuhr vermögende Brautpaare mit dem Landauer zur Kirche nach Vehlen und am Ende ihrer Tage mit dem Leichenwagen zum dortigen Friedhof. Gaststätten gab es mehrere und sogar eine Gefängniszelle beim später abgerissenen Spritzenhaus. Die Poststelle wurde vor einigen Jahren geschlossen. Der vormittägliche Rundgang wurde im "Landhaus" beendet, wo es zur Stärkung Erbsensuppe gab. Anschließend ging es in Richtung Neumühlen und über die Birkenallee zur Obernkirchener Straße und Krainhäger Straße weiter. Heinz Grabbe erinnerte daran, dass im heutigen Seniorenheim "Haus Desiree" einst sogar eine Entbindungsstation war. Auf der Bahnhofstraße kam die lang gezogene Wanderschar am Gebäude der früheren Gaststätte "Poggenkrug" vorbei, in der die Bergleute des Dorfes früher den Kohlenstaub mit so manchem Humpen Bier hinunterspülten. Gegen 16 Uhr war mit der Exkursion in die Geschichte des Dorfes Schluss. Wer nicht sofort nach Hause eilte, konnte noch im "Landhaus" darüber nachdenken, ob er vielleicht doch lieber in der so genannten "guten alten Zeit" gelebt hätte.

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