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Digitale Bezahldienste machen Banken immer mehr zu Zahlungsabwicklern

Fintechs verändern die Bankenwelt

Vor zehn Jahren hatten es nur ein paar technische Visionäre vor Augen: Ware wird unterwegs per Klick am Smartphone bezahlt, ein Konto eröffnet oder ein Kredit beantragt – der schon am nächsten Tag das Konto füllen kann.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 11:29 Uhr

Solche Angebote haben nicht zuerst die klassischen Banken und Sparkassen erfunden. Sie hetzen dem Trend jetzt mühsam hinterher. Die, die vorneweg laufen, werden Fintechs genannt. Die Digitalisierung des Geldgeschäfts hat eine neue Art Unternehmen hervorgebracht, eine Mischung aus Finanzdienstleistern und Technologieunternehmen.

 

Es gibt sie in allen Größen und Ausrichtungen. Da sind die Riesen, die eigene Bezahldienste aufbauen – Paypal, Apple Pay, Google Pay und andere. Oder kleine Start-ups, die Apps als Alltagshilfe für Bankkunden entwickeln – für den Kontoüberblick auf dem Handy und Konditionenvergleiche beim Tagesgeld. Manche bringen Projekte und Geldgeber zusammen, andere vermitteln Geldanlagen weltweit.

 

Und es gibt Technologiefirmen wie Wirecard, die für die Abläufe im Hintergrund sorgen. Als Wirecard im vergangenen Jahr in den Deutschen Aktienindex aufstieg und dort die Commerzbank ersetzte, war das auch ein Symbol: Da schien die neue Geldwelt die alte abgelöst zu haben.

 

Banken drängen selbst mit aller Macht ins Digitale

 

Die große Sorge der traditionellen Institute ist nicht, dass andere auch Bank sein wollen – das wäre den meisten Fintechs viel zu aufwendig. Aber jede dieser Apps schiebt sich wie eine Sperre zwischen die Bank und ihre Kunden. Nur noch Zahlungsabwickler für andere zu sein wäre der Untergang vieler Banken.

 

So drängen sie selbst mit Macht ins Digitale. Weil intern meist das Know-how fehlt, kaufen sie oft Start-ups, die es besser können. Ein Prestigeprojekt macht allerdings massive Schwierigkeiten: Der Bezahldienst Paydirekt kommt schwer in Gang.

 

Das Vorzeige-Fintech ist bisher N26. Wenige Jahre nach der Gründung gehört die Digitalbank zu den wenigen Einhörnern in Europa: Start-ups, die von ihren Investoren mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Fintechs hat N26 eine Banklizenz und bietet als Direktbank auch ein Girokonto an – aber keine Filialen. Zuletzt hat der Ruf allerdings gelitten, weil Datenschützer ein Bußgeld verhängten und die Bankaufsicht bessere Vorkehrungen gegen Geldwäsche verlangte.



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