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Vor 70 Jahren: "Residenz-Theater" eröffnet mit Ufa-Stars / Modernste Technik der damaligen Zeit

Filmvergnügen und Varietee auf der Bühne

Bückeburg. "Hiermit wird eine Lücke im Kulturleben unserer Stadt geschlossen", würdigte der damalige Bürgermeister Albert Friehe den Start des ersten Bückeburger Kino-Theaters vor 70 Jahren, "und zwar in einer Weise, dass wir heute in jeder Beziehung neben die Theater unserer Großstädte treten können."

veröffentlicht am 17.11.2007 um 00:00 Uhr

Die lichte Welt bewegter Bilder hat in Bückeburg seit 70 Jahren

Heute ist die Erinnerung an den strammen und umstrittenen NS-Funktionär und Posteninhaber Friehe weitgehend verblasst - der Name des von ihm 1937 "Residenz-Theater" getauften Lichtspielhauses lebt und leuchtet jedoch nach wie vor in der Bückeburger Innenstadt - mittlerweile sogar auf großen Neontafeln - fort. Auch der Standort Lange Straße 60 (damals Adolf-Hitler-Straße) ist derselbe geblieben. Das dort vor 70 Jahren zum Unterhaltungstempel umgebaute Hinterhaus war zuvor Bückeburgs Turnhalle gewesen. Das neue Theater hatte alles, was zu jener Zeit in Punkto Leinwandtechnik und Besucherservice gut und teuer war. Der 590 Besucher fassende Saal war laut Zeitungsbericht "mit feuersicher imprägniertem Kunstsamt (Velvet) und Lienestra-Röhren" ausgestattet, "das modernste, was die Beleuchtungsindustrie im Augenblick aufzuweisen hat". Im hinteren Teil gab es 30 Logenplätze - "einige sogar mit Schwerhörigenanlagen". Über die Polstersesselreihen hinweg wölbte sich ein großzügig bemessener Balkon. Er beherbergte neben weiteren Sitzplätzen einen "Erfrischungsraum". Hier konnten die Besucher die vom Hotel "Deutsches Haus" vorbereiteten Speisen und Getränke zu sich nehmen. Gelegenheit dazu gab es nicht nur vor und nach dem Kinovergnügen. Das neue "Resi" war auch und vor allem als Varietee-Theater angelegt. Der Leinwand war ein sechs Meter tiefer Bühnenbereich samt Kulissenzubehör und Künstlergarderoben vorgelagert. Während der Einweihungsfeier nahm auf der Bühne das Schaumburg-Lippische Landesorchester Platz. Zum Auftakt erklang Beethovens Egmont-Ouvertüre. Danach bekamen die Premierengäste den Film "Der Herrscher" mit den damals populärsten Ufa-Stars Emil Jannings und Marianne Hoppe zu sehen. Im Vorspannwurde als nächster Höhepunkt "Die Kreuzersonate" mit dem Traumpaar Lil Dagover und Albrecht Schönhals angekündigt. Betreiber und Besitzer des neuen Unterhaltungstempels war der Bückeburger Leinwandpionier Fritz Lohmeyer. Der agile Unternehmer hatte die stetig wachsende Film-Begeisterung der Residenzstädter zuvor in verschiedenen örtlichen Lokalitäten zu befriedigen versucht. Während der Stummfilm-Ära war er im Rathaussaal aktiv. Vor dem Ausbau des neuen Lichtspielhauses an der Langen Straße spulte er die Streifen im Saal der Gaststätte Bohnsack an der Wallstraße ab. Bürgermeister Pg. Friehe und seine Freunde betrachteten das neue Haus allerdings nicht als reines Vergnügungs-Etablissement. "Der Film ist in der Hand des Nationalsozialismus ein machtvolles Mittel staatspolitischer Propaganda und Erziehung", war im NSDAP-Parteiorgan "Die Schaumburg" zu lesen. Auch das Residenz-Theater werde und müsse "Dienst leisten an der zentralen Aufgabe unserer Zeit - der Formung des deutschen Menschen". Über solche Parolen können Monika und Fritz Rubba 70 Jahre danach nur noch leicht amüsiert lächeln. "Der Zuschauer ist König", so die Geschäftsdevise. Seit 1962 gehört das "Residenz-Kinocenter Bückeburg" genannte Haus der Rubba-Familie. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, hat es auch starke bauliche Veränderungen gegeben. So sind aus dem einst 22 Meter langen und knapp 14 Meter breiten Zuschauersaal drei Einzelkinos (Residenz, Cinema und Studio) geworden.



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