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Renitenter Nienburger will nicht zahlen

Filmreife Szenen im Gerichtssaal: "Einspruch...!"

Bückeburg/Pollhagen/Rodenberg (ly). Renitent ist gar kein Ausdruck für einen Nienburger, den das Amtsgericht Bückeburg jetzt wegen Verleumdung zu 910 Euro Geldstrafe verurteilt hat. In Pollhagen und Rodenberg hatte der 42-Jährige Ende Mai Flugblätter verteilt, deren Inhalt die Ehre einer jungen Frau in den Schmutz zog, mit der er einmal befreundet gewesen sein soll. Diese sei "blond und genau so blöd wie ihre Mutter", heißt es unter anderem. Der Rest ist kaum druckreif.

veröffentlicht am 05.01.2008 um 00:00 Uhr

Sogar mit Hotel-Erbin Paris Hilton (USA), die als nicht besonders helle gilt, wird die 22-Jährige aus Rodenberg verglichen - unfassbar. Zur leichteren Unterscheidung sind die in Briefkästen gesteckten Zettel mit jeweils zwei Bildern der Schaumburgerin versehen gewesen. Von der Justiz fühlt sich der wiederholt vorbestrafte Angeklagte ungerecht behandelt, wie er gleich zu Beginn der Verhandlung betont. "Bis hierhin hab' ich die Schnauze voll", sagt der 42-Jährige und unterstreicht dies mit einer Handbewegung zum Kinn. Anschließend setzt der Nienburger ("Ich habe das nicht geschrieben") mehrfach zu Monologen an. "Das wird hier kein Schnellverfahren", macht er Richter Armin Böhm und Staatsanwalt Günter Wilkening klar. "So geht es nämlich nicht", belehrt der Arbeitslose die Juristen, die überwiegend gelassen reagieren. Als Böhm zum Ende der Beweisaufnahme die Vorstrafen verliest, schlägt der Nienburger plötzlich mit der flachen Hand auf den Tisch und springt vom Stuhl hoch. "Ich erhebe Einspruch", ruft der 42-Jährige filmreif, als sei dies ein amerikanischer Gerichtssaal und nicht das Bückeburger Justizgebäude. Die ersten Vorstrafen seien "23 Jahre her", begründet er den "Einspruch". Böhm lässt sich nicht irritieren, ignoriert dasGeschrei und liest weiter. Günter Wilkening hat es kaum leichter an diesem Vormittag. Während des Plädoyers der Staatsanwaltschaft quatscht der Angeklagte ständig dazwischen. Böhms Urteilsbegründung verfolgt er schließlich im Stehen. Seine Jacke hat er bereits angezogen, die Haltung wirkt bedrohlich. Beim Herausgehen stößt der Mann noch eine Drohung gegen die in Pollhagen lebende Mutter der verleumdeten jungen Frau aus, wie die 53-Jährige deutlich vernommen haben will. Unklar bleibt das Motiv. "Er hat den Hass, mir sowas anzutun", glaubt die Tochter. Die Geldstrafe von 910 Euro entspricht 70 Tagessätzen. "Nicht einen müden Cent" davon will der Nienburger zahlen, falls die Entscheidung rechtskräftig wird. "Sie können die 70 Tage auch absitzen", bietet Richter Böhm an. Zunächst aber will der Angeklagte Berufung einlegen: "Darauf können sie sich verlassen." Es klingt wie eine Drohung.

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