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Bodo Dringenbergs unterhaltsame Namenskunde in der VHS

Fettköter und Kackebart: "Guter Name - Pech gehabt"

Rinteln (cok). Eigentlich hörte es sich nach einer rein kabarettistischen Veranstaltung an, Bodo Dringenbergs kleine Namenskunde: "Wer heißt schon gerne Taiga Fettköter?" Bei seinem überaus unterhaltsamen Vortrag im Foyer der VHS Rinteln erwies sich der Journalist und Autor aber auch als um keine Antwort verlegener, versierter Kenner der Materie.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

Überaus unterhaltsam: Der Journalist und Autor Bodo Dringenberg

Im Zentrum des Abends standen solche Namen, um die sich niemand reißen würde. Nicht nur manche Träger "sprechender Namen" brauchen ja für den Spott nicht zu sorgen, wenn sie "Knochenhacker", "Saufaus" oder gar, wie ein Stadtwerkechef, "Abzieher" heißen. Auch Nachnamen wie "Fick", "Kackebart" und besagter "Fettköter" sind nicht eben leicht zu tragen. Gerade bei letzteren immerhin kann ein bisschen Namensforschung durchaus zur Gelassenheit verhelfen. Der so anstößig klingende "Kackebart" etwa bedeutet nichts anderes, als dass ein Vorfahre mit Vornamen Bartholomäus (Kurzform Bart) mal ein Koch gewesen ist und in der Küche (Kacke) arbeitete. "Fick", das war ursprünglich die Bezeichnung für die Geld- oder Hosentasche. Und "Fettköter" meinte einen saturierten Mann, der zufrieden, "fett" auf seiner Kate lebte. "Guter Name - Pech gehabt!" Überhaupt sollte man, so Bodo Dringenberg, vorsichtig damit sein, alte Namen vorschnell mit heutigen Bedeutungen zu assoziieren. Dass "Störtebecker" den Becher stürzt, auch "Schluckebier" so manchen Halben vertragen kann und "Griefahn" im Angriff die beste Verteidigung sieht - solche Deutungen mögen wohl erlaubt sein. Ein "Berger" aber zum Beispiel wohnt nicht unbedingt am Berg, sondern hatte hugenottische Vorfahren, die französische Hirten waren. "Man muss immer die älteste Form eines Namens kennen, sonst ist alles nur Spekulation." Selbst offiziell ist anerkannt, dass der "sprachliche Makel eines Familiennamens zu schweren Beeinträchtigungen" führen kann. Etwa 300 Euro kostet es, sich einen neuen Namen zuzulegen. Dringenberg erzählte eine Anekdote, nach der auch die Straßennamen in einem englischen Neubaugebiet ganz bewusst zu solchen "schweren Beeinträchtigungen" führen sollten. "Adolf-Hitler-Allee", "Bergen-Belsen-Platz" und "Göring-Straße" wurden von der dortigen Gemeinde gewählt, weil sie gar nicht daran interessiert waren, dass dort gebaut wird. Und das wurde es dann auch nicht. Ostfriesland wird wohl immer die Landschaft mit den eigenartigsten Vornamen bleiben, die einem Außenstehenden außerdem nur selten verraten, ob es sich um einen Männer- oder Frauennamen handelt. Männer können "Angel", "Ebbe" oder "Tante" heißen, die Frauen "Arm", "Ast" "Hölle" oder "Zecke". Und "Else", "Hille", "Bruno", die sind, bei aller augenscheinlichen Eindeutigkeit, tatsächlich zweigeschlechtlich. Ob Kinder aus anderen deutschen Landschaften besser fahren, die "Alpha" "Pepsi-Carola" und "Pumuckl" heißen dürfen, sei dahingestellt. Unmöglich, die ganze "bunte Wundertüte" von Familien-, Vor-, Straßen- und Ortsnamen angemessen zu würdigen, die Bodo Dringenberg mit dem Können eines professionellen Radiosprechers vortrug. In einer anschließenden Fragerunde konnte er zur Freude der Zuhörer so manches persönliches Namensgeheimnis lüften. Nur, was es mit dem Stadtnamen von Rinteln auf sich hat, das wusste er nicht. Noch nicht.

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