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Festvortrag

Die dörflich-kleinstädtische Welt des frühen vorigen Jahrhunderts sei noch von einer Identität zwischen Mensch und Raum geprägt gewesen, führte Dr. Hansjörg Küster in seinem Festvortrag aus. Die gemeinsame Heimat war bestimmt durch die weitgehende Übereinstimmung zwischen Orts- und Landschaftscharakter, Sprache und Kultur. Die Menschen hatten die gleichen Sitten und Gebräuche, sie kannten die gleichen Geschichten und setzten sich auf diese Weise von Fremden und Heimatlosen gleicherm aßen ab.

veröffentlicht am 16.06.2008 um 00:00 Uhr

Dr. Hansjörg Küster.

Die moderne Industriegesellschaft habe diese Struktur aufgebrochen: Jeder, der möchte, erhält stattdessen Nachrichten und Einflüsse aus aller Welt: "Während ihres Lebens ziehen viele Menschen mehrere Male um, geben ihren bisherigen Wohnort auf und binden sich an einen neuen." Heimat sei kein wissenschaftlicher Begriff, sondern beschreibe die emotionale Bindung zwischen Mensch und Umgebung. "Wer aus Rinteln stammt, denkt etwas anderesüber Heimat als derjenige, der in Möllenbeck oder Todenmann wohnt." Weil sich in Deutschland das Nationalbewusstsein später entwickelt habe, hätten sich Begriffe wie Heimat und Vaterland allzu leicht überschnitten. Ein wesentlicher Impuls für die Entwicklung sei im 19. Jahrhundert vom Bau der Eisenbahnen und großen Häfen ausgegangen. Rinteln wurde dadurch schon 1875 an das mitteleuropäische Eisenbahnnetz angeschlossen. Mit Obst und anderen landwirtschaftlichen Produkten konnten die großen Städte als Märkte erschlossen werden, was in Verbindung mit der Industrialisierung zu einem gewissen Wohlstand im ländlichen Raum führte. "Es drohte keine unmittelbare Not mehr. Die Natur schien wieder hergestellt und darauf war man stolz." Ein Stolz, der sich auch in der Gründung von Heimatvereinen ausdrückte. Die gedankliche Gleichschaltung durch patriotische oder gar imperialistische Gedanken sei dem Heimatgedanken im Grunde fremd: "Bei diesem Begriff geht es allein um die emotionale und individuelle Beziehung des Einzelnen zu seiner Umgebung." Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele vor der Notwendigkeit gestanden, sich als Vertriebene eine neue Heimat zu suchen, ebenso wie durch den Wandel der modernen Arbeitsgesellschaft. Der Mensch könne im Laufe seines Lebens mehrere "Heimaten" erwerben, wenn die Bereitschaft zur Integration auf allen Seiten entwickelt werde - im Zeichen der Globalisierung eine Unverzichtbarkeit. Hier müsse die frühere Heimatkunde eine neue Funktion auch in der Schule bekommen: Man müsse dabei die Fähigkeit lernen, Bindungen zu einem Lebensraum zu entwickeln und andere bei dieser Aufgabe unterstützen: "Den Weg von der bäuerlichen zur globalen Gesellschaft weiter gehen - und dabei Aspekte von Tradition und Nachhaltigkeit berücksichtigen!" ur "Gedankenüber Heimat im Jahr 2008"



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