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In Kleinstgruppen durch die Reviere des Auetals / Dem deutschen Hasen geht es wieder gut

Ferienspaß: Mit dem Jäger auf der Pirsch

Auetal (rnk). Für den deutschen Hasen ist es ein angenehmer Sommer: Die Population hat sich nach dem schlimmen letzten Jahr deutlich erholt, auf den Feldern und Wiesen ist der Stoppelhopser schnell zu entdecken. Und so haben Hannah (6) und Christine (9) auch keine Mühe, "ihr" Tier oberhalb von Borstel zu entdecken: "Da sitzt einer. Und da auch", flüstern sie sich auf dem Hochsitz zu.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:06 Uhr

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Wildlebende Tiere sollten am Freitagabend im Rahmen der Ferienspaßes beobachtet werden, und gut ein Dutzend Jäger hatten sich in Kathrinhagen eingefunden, um sich intensiv um die Kinder zu kümmern. Sie wurden in Kleinstgruppen aufgeteilt, dann ging es in die Reviere. Hannah und Christine folgten Lars Büttner, der ihnen zunächst Muffelwild aus nächster Nähe zeigen konnte: bei sich im Gartengehege. Wie kommt man denn als Auetaler Jäger zu einem eigenen Muffeltier? "Tja", sagt Lars Büttner, "das Muttertier wurde in Bernsen angefahren und da habe ich das Kleine großgezogen." Später hat er noch ein Tier dazugekauft, vom Nachwuchs gibt er ab und an etwas ein Tier ab - allerdings nur, wenn er sicher ist, dass der neue Besitzer das Tier nicht gleich zum Braten weiterverarbeitet. Auf dem Hochsitz oberhalb Borstels dürfen die beiden Kinder auch einmal ein - natürlich ungeladenes - Gewehr aus der Nähe betrachten und anfassen. Büttner lässt dabei einen Blick in die Auetaler Jägerseele zu: Hasen etwa, die schießt er lieber in fremden Revieren als in seinem eigenen. In "seinem" Revier, da freut sich der Jäger lieber an den Tieren. Schön ist es hier oben, mit den zu Füßen liegenden Dörfern Borstel, Kathrinhagen und Rolfshagen, es ist ein beliebter Treffpunkt für Natur- und Sonnenuntergangsfotografen, Hobby-Ornithologen können hier sogar den Kleiber bei seiner Nahrungssuche beobachten. Schaumburger und Auetaler Jäger tragen zu dieser Idylle durchaus bei. Büttner berichtet vom letzten Jahr, als das feuchte Frühjahr bei den Hasen zu vielen Infektionskrankheiten führte, und die Jägerschaft gegensteuerte: Mit dem Anpflanzen von schützenden Hecken, mit der Anpachtung von Brachfeldern, mit der Reduzierung der Füchse, deren Zahl nach dem Ausrotten der Tollwut durch Impfköder stark gewachsen war. Damit hatte der Hase als Kulturfolger, der durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchaus gelitten hat, wieder eine Zukunft. Durch das Roden der Wäldern und das Umpflügen von Wiesen geht generell immer mehr Lebensraum der Feldhasen verloren. Die Folge: Wenn es weniger Futter gibt, ziehen die Hasen weiter oder bekommen weniger Junge. Viele Bauern verwenden auf den Feldern Insektengifte und Mittel gegen Pilze. Dadurch sterben nicht nur Würmer, Käfer und Heuschrecken, sondern auch die Feldhasen, die die Reste vom Gift mit den Gräsern und Pflanzen fressen. Fast zwei Drittel aller Hasen sterben im ersten Lebensjahr. Deshalb müssen Hasen sehr fruchtbar sein: Eine Feldhäsin bekommt sechs bis neun Junghasen pro Jahr. Alte Hasen haben dagegen nur wenige natürliche Feinde, Junghasen hingegen sind beliebte Nahrung für Füchse, Wildkatzen und Greifvögel, wie Eule, Habicht, Bussard und Falken. "Das ist schon wieder einer", rufen Hannah und Christine und zeigen auf Meister Lampe. Eben.

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