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Kraftwerk nimmt Messcontainer in Betrieb / Zusammenarbeit mit Fachhochschule

Feinstaub aus dem Kraftwerk: Was kommt raus - was kommt runter?

Rinteln/Veltheim (ly). Mal angenommen, in Veltheim spielen demnächst die Werte für Feinstaub verrückt: Ist dann das Kraftwerk schuld? Bald weiß man es wohl genau. An der Straße "Zur Lüchte" ist gestern der erste Messcontainer des Gemeinschaftskraftwerks Veltheim (GKV) in Betrieb gegangen. Wissenschaftlich begleitet werden die Messungen von der Fachhochschule Lippe-Höxter. Das GKV und Projektleiter Prof. Dr. Wolfhelm Bittner wollen die Ergebnisse in einem Jahr veröffentlichen, wie Bittner erklärte.

veröffentlicht am 02.03.2007 um 00:00 Uhr

Fritz-Günther Pape vom Vorstand der Bürgerinitiative (BI) stellte zwar viele kritische Fragen, zeigte sich unterm Strich aber zufrieden. "Wir bewerten die auf unser Drängen errichtete Messstation positiv", betonte Pape. Erstens erwartet er "vernünftige Winddaten", zweitens "Zeitreihen, durch die genaufestgehalten wird, was aus dem Schornstein kommt". Der Standort auf der Lüchte wurde zusammen mit Stadt Porta Westfalica und BI festgelegt. Er gilt als ein "Aufschlagspunkt" für die entsprechenden Schadstoffe. Vor Ort gemessen werden Immissionen, in diesem Fall die Luftkonzentration von Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid sowie der Gesamtstaub, in dem noch einmal Arsen, Cadmium, Nickel und Blei ermittelt werden. "Das sind ausgewählte Schadstoffe, für die es Grenzwerte gibt", so Prof. Dr. Bittner. Die Rauchgas-Emissionen werden dagegen vom GKV zur Verfügung gestellt. Bittner sprach von "verlässlichen Daten". Am Ende soll vor allem die Frage geklärt werden, in wieweit zwischen Emissionen (am Schornstein) und Immissionen (an der Messstation) eine Beziehung besteht. Das Kohlekraftwerk reagiert damit auf anhaltende Kritik der Bürgerinitiative. So hatte die BI der Kraftwerksleitung im Streit um die Mitverbrennung von Müll vorgeworfen, seit Beginn der Verfeuerung von Sekundärbrennstoffen hätten sich etwa die Wertefür Fluorwasserstoff und Chlorwasserstoff verzehnfacht. Das Kraftwerk beharrt dagegen darauf, nur mit einem Prozent zur Feinstaubbelastung der Region beizutragen. "Wir wollten eine unabhängige Truppe", erklärte GKV-Geschäftsführer Rolf Baumeister, warum die Wahl auf die Fachhochschule Lippe-Höxter gefallen sei. Am Rintelner Berufsschulzentrum steht bereits die Messstation "Weserbergland", die allerdings nicht vom GKV betrieben wird. Jörg Schröder, Erster Stadtrat, sicherte dem Projekt Unterstützung zu. "Die Rintelner Daten werden mit aufgenommen", erwiderte Bittner. Als "meines Wissens weltweit einmalig" bezeichnete der Professor Messungen von Windgeschwindigkeit und -richtung sowie Turbulenzen, die als Teil des Projektes inHöhen bis zu 300 Metern direkt am Standort des Kraftwerks vorgenommen werden. Zurzeit verfeuert das GKV laut Baumeister pro Tag 50 Tonnen Abfall, zwei Fuhren. Der Anteil soll verdoppelt werden, sobald Probleme mit der Zwischenlagerung gelöst sind. Laut Genehmigung dürfen es jährlich 25 000 Tonnen sein. Hauptbrennstoff soll mit einem Anteil von rund 90 Prozent die Steinkohle bleiben.

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