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Liszt- und Chopin-Zauber im Stiftssaal

Feinmechaniker

Obernkirchen. Die von Nico Benadie geleitete Reihe "Internationale Konzerte im Stift" konnte bisher so manchen Klavier-Höhepunkt aufweisen. Zweifelsohne gehört der Auftritt des philippinischen Pianisten Abelardo Galang II dazu.

veröffentlicht am 17.04.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Nico Benadie hatte einen Künstler verpflichtet, der außerordentliche Musikalität und Spiellaune verknüpfte und zudem mit einem tadellos entwickelten Gespür fürdie Charaktere der Stücke brillierte. Das war schon in Haydns einleitender "Sonate e-Moll" zu bemerken, denn der Solist modellierte die Motive der drei Sätze plastisch heraus und erwies sich in seinem fein abgetönten, durchsichtig bleibenden Vortrag noch dazu als akribischer Feinmechaniker. Weil er sich dezente Freiheiten gönnte, vermied er obendrein den allzu verbindlich dahinperlenden Plauderton, der durchschnittliche Haydn-Darbietungen oft genug zur Geduldsprobe werden lässt. Außerdem fiel die hervorragende Anschlagskultur auf, die man im nachfolgenden Liszt als geradezu sensationell bezeichnen konnte. Einige Zuhörer schüttelten ungläubig den Kopf: Die Finger des Virtuosen jagten in einem derartigen Tempo über die Tastatur, dass sie das Auge den dahinströmenden Tongirlanden nicht mehr zuordnen konnte. Und dennoch war jeder Anschlag äußerst präzise gesetzt. Darüber hinaus eröffneten die Interpretationen der Legenden "Die Vogelpredigt des heiligen Franziskus von Assisi" und "Der heilige Franziskus von Paola über die Wellen schreitend" neue Horizonte. Der Meister benutzte nämlich die ganze große Palette pianistischer Ausdrucksmöglichkeiten, schwang sich zu immer neuen Höhenflügen auf und fand intime Ruhe-Oasen in verklärten Motiven. Er zeichnete die Dramaturgie der Werke ungemein wirkungsvoll nach und erzeugte geradezu sinfonische Stimmungsbilder. Auch im Chopin-Block des zweiten Teils machte der Philippine intensiv seinen stilbewussten, plastischen Gestaltungswillen deutlich und vermittelte gleichzeitig einen imponierenden Querschnitt Chopinscher Eigenart. Seine rhythmisch exakte, manuell tadellos entwickelte Technik verdeutlichte Aberlado Gallang II in drei Nocturnes und Etuden. Ein Abend zum Staunen und Genießen.



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